Aus „Brandenburg (Havel) – Ein Führer durch die Chur- und Hauptstadt und ihre Umgebung“ (1926), bearbeitet von Friedrich Grasow: „Der Marienberg hieß früher Harlungerberg. Die Entstehung dieses Namens verliert sich in den Sagen grauer Vorzeit. Die Harlungen sind in der germanischen Sage ein vielgenanntes Heldenbrüderpaar. Der Berg war in der germanischen zeit eine heidnische Kultstätte. In der Wendenzeit stand auf seinem Gipfel der Tempel des Gottes Triglaf, an dessen Stelle der zum Christentum übergetretene Wendenfürst eine christliche Kirche erbauen ließ, die der Jungfrau Maria geweiht wurde und dem Berge seinen jetzigen Namen gab.

Kirchenneubau um 1220

Um das Jahr 1220 wurde die Marienkirche neu erbaut. Der Grundriß des viertürmigen Zentralbaues bildete ein griechisches Kreuz, dessen Arme halbrunde Abschlüsse hatten. In den einspringenden Ecken des Kreuzes standen die vier Türme, deren Inneres zum Kirchenraum hinzugezogen war. Mehrere Treppen führten zu den Emporen, durch die der östliche Teil der Kirche und die Türme zweigeschossige wurden. Aus Urkunden geht hervor, daß die Kirche in ganz Deutschland als Wallfahrtskirche berühmt war und wegen ihres wundertätigen Marienbildes viel besucht wurde. Später sank ihr Ansehen.

Neue Glanz durch Hohenzollernfürsten

Aber neuen Glanz erhielt sie durch die beiden ersten Hohenzollernfürsten, indem Friedrich I. im Jahre 1435 auf dem Berge neben der Kirche ein Prämonstratenserkloster gründete, das vom Domkapitel besetzt wurde. Kurfürst Friedrich II. machte die Kirche zum Mittelpunkt des von ihm 1440 gestifteten Schwanenordens, für den er an der Westseite der Kirche 1443 einen gotischen Anbau als Ordenskapelle errichtete. Aber der neue Glanz war nicht von langer Dauer, denn mit der Einführung der Reformation wurde das Kloster eingezogen und auch der Schwanenorden verlor an Bedeutung.

Die Marienkirche vereinsamte

Um die vereinsamte Marienkirche kümmerte sich anscheinend niemand mehr. Kloster und Kirche verödeten. Nun suchte lichtscheues Gesindel Unterschlupf in den verlassenen Räumen. Alles, was nur Wert hatte, wurde gestohlen. Man hatte daher bereits Türen und Fenster verrammelt. Gegen das Ende des 16. Jahrhunderts fiel das Dach der Kirche ein. Im Jahre 1722 ließ König Friedrich Wilhelm I. auf Vorschlag eines Brandenburger Obersten, der große Schätze in den Fundamenten der Kirche vermutete, diese abbrechen, um Steine für den Bau des Potsdamer Waisenhauses zu gewinnen.

Der Abriss – für ein paar Steine

Die Bitten und Einwendungen des Domkapitels halfen nichts. Vergeblich erbot sich die Stadt, für 400 Taler Steine umsonst für die Bauten des Königs zu liefern. Auf dem kahlen Gipfel stand von 1832 bis 1850 ein optischer Telegraph. Er war eine Station der preußischen Telegraphenlinie, die die Berliner Sternwarte mit Trier verband. Im Jahre 1874 wurde dann der Bau des Kriegerdenkmals begonnen und 1880 vollendet.“ 1909 kam die Bismarckwarte hinzu. Heute finden sich auf dem Gipfel Brandenburgs Trinkwasserbehälter und die 1974 eingeweihte Friedenswarte.

Einst und jetzt

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