Die einstige Chur- und Hauptstadt Brandenburg ist mittlerweile gut 1090 Jahre alt, wurde es doch erstmals 928/29 urkundlich erwähnt. Während der zurückliegenden drei Jahrzehnte seit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes hat es sich erneut zu einer ansehnlichen, attraktiven Stadt entwickelt, was weithin Anerkennung findet. Unabhängig davon allerdings kann unser Heimatort aus unterschiedlichen Gründen leider nur noch auf wenige seiner ihm einst besonderen Glanz verleihenden Bürgerhäuser verweisen. Jene, die unzerstört blieben, haben – bis auf einige Ausnahmen – inzwischen ihre ursprüngliche Form als stilechte Backsteinbauten mit geschnitzten und bunt bemalten Giebeln sowie Balken weitgehend verloren.

Das Quitzowhaus als prägnantes Beispiel

Da ist beispielsweise das so genannte Quitzowhaus an der Ecke Bäcker-/Schusterstraße. Es trägt diese Bezeichnung, obwohl nicht nachgewiesen ist, dass es einst Eigentum der Quitzows, einer Raubritterfamilie, war. Der Fachwerkbau, zu dem auch ein Steinportal gehört, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Allerdings wurde die Vorderfront bei einem Umbau kurzerhand völlig vernichtet. Aber der Giebel in der Schusterstraße zeigt uns noch heute das alte, beeindruckende Fachwerk. Besonders erwähnenswert sind die fächerförmigen Schnitzereien in den Dreiecksflächen des Obergeschosses. Für dieses Denkmal alter, hervorragender Baukunst ist es höchste Zeit, um es durch umfassende Sanierung auch künftigen Generationen noch zu erhalten.

Weitere Bürgerhäuser in der Altstadt

Gleichfalls in der Altstadt finden wir das älteste der Brandenburger Barockgebäude, nämlich das 1723 errichtete Massowsche Haus (heute Stadtmuseum). Ganz im Stil miteinander verwandt waren dereinst das jedoch vor rund einem Dreivierteljahrhundert dank Privatinitiative völlig sanierte Wiesikesche Haus (1723) in der Kurstraße 7, wo bis April 1945 der „Brandenburger Anzeiger“ sein Domizil hatte, wie auch das Gebäude der Kaufmannsfamilie Riedel (Hauptstraße 90). Letztgenanntes wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört.

Bürgerhäuser der Neustadt

In unmittelbarer Nachbarschaft bot das Kurfürstenhaus als stattlichstes aus der Zeitepoche des Mittelalters ein imposantes Bild. Clemens Storbeck hatte den zunächst putzfreien Backsteinbau, der über seinem Portal das kurfürstliche Wappen trug, im Jahr 1543 errichten lassen. Neben dem Eingang befand sich zudem das Familienwappen des Erbauers. In Richtung Steinstraße hatte das dann 1922 umgestaltete Haus mit seinem 1580 ausgeführten, hochragenden Giebel, den neun aufsteigende Pfeiler und reichlich Maßwerk zum Blickfang machten, einen Laubendurchgang. Dieser wurde vermutlich 1721 bei einem Umbau für immerhin zwei Jahrhunderte zugemauert. Als das Geschlecht der Storbecks ausstarb, fand das so prachtvolle Gebäude – niemals residierte hier ein Kurfürst – schnell neue Besitzer. Die Fabrikantenfamilie Reichstein erwarb es schließlich vom Kaufmann Franz Riedel, um es dann sofort der Stadt zu schenken. Zeitweilig planten sie sogar, den Sitzungssaal der Stadtverordneten ins Kurfürstenhaus zu verlegen!

Die älteste Schule der Neustadt

Nur wenige Schritte davon entfernt, fängt noch heutzutage auf dem Katharinenkirchplatz das einstige Gymnasium die Blicke der interessierten Passanten ein. 1797 hatte dieses kompakte Gebäude mit dem Kartuschenaufsatz samt Wappen und Inschrift seinen Vorgänger aus dem Jahre 1572, ein im Renaissancestil errichtetes Haus, abgelöst. Es beherbergte dereinst die älteste Schule der Neustadt.

Das Carpzowsche Haus an der Ecke zur Brüderstraße

Unweit davon,  in der Steinstraße, zieht außerdem weiterhin das so genannte Carpzowsche Haus an der Ecke zur Brüderstraße mit seinen hohen, durch Pfeiler gegliederten Giebel und Rundwerker (Erker) die Aufmerksamkeit auf sich. Es glänzt seit geraumer Zeit ebenfalls in neuem, altem Gewand. Dieses Stammhaus einer Gelehrtenfamilie hatte der Bürgermeister Simon Carpzow 1563 errichten lassen. Zum Ausklang des 19. Jahrhunderts wurden untere Teile des Gebäudes entstellt. Seitdem befinden sich das schöne Rundportal aus Sandstein nebst beider Seitennischen und Sitzkonsolen am einstigen Schulgebäude in der Anlage des Walter-Rathenau-Platzes. In einem beklagenswerten Zustand indes präsentiert sich mittlerweile ein anderes Barockgebäude, nämlich die Steinstraße 21.