Wesentlich größer als das Bronzerelief, das von 1916 bis zum Einschmelzen 1945 am Plauer Torturm an den Einzug des ersten Hohenzollerns in Brandenburg (22.06.1412) erinnerte, war das am Nicolaiplatz aufgestellte Standbild Friedrichs des Großen, von dem auch nicht mehr als Fotos erhalten sind und folgende Beschreibung in dem 1926 im DARI-Verlag vom Magistrat herausgebrachten Buch „Brandenburg (Havel)“: „Noch im Jahre 1915 stiftete“, wie eben auch ein Jahr später das Torturm-Relief, „Kommerzienrat E.P. Lehmann ein von dem Bildhauer Leo Koch geschaffenes Standbild Friedrich des Großen, das auf dem Nicolaiplatze Aufstellung fand. Auf breit auslaufendem Unterbau aus Stein erhebt sich die Bronzefigur des Königs mit Krückstock und Degen in der charakteristischen Haltung, die ihm Schadow in seiner Bronzestatue im Hohenzollernmuseum gegeben hat und der auch Siemering in seinem Standbilde Friedrichs d. Gr. am Marienberger Denkmal gefolgt ist.“

Die Brandenburger dachten monumental an die Hohenzollern

Die Brandenburger schienen anlässlich des 500-jährigen Hohenzollern-Jubiläums monumental zu denken und sahen sich nicht zuletzt folgendem um 1910 veröffentlichten Aufruf verpflichtet: „Im Jahre 1912 werden fünf Jahrhunderte verflossen sein, seitdem der erste Hohenzoller die Mark Brandenburg betrat. Er fand ein halb verlorenes Land, das aus tausend Wunden blutete. Mit gewaltiger Tatkraft und weiser Milde stellte Friedrich I. Friede und Ordnung, Sitte und Recht wieder her und er, der sich demütig und stolz zugleich einen schlichten Amtmann Gottes an dem Fürstentum nannte, leitete ein neues Zeitalter steigender Kultur und blühenden Wohlstandes ein und legte den Grund zu jener großartigen Entwicklung, die Brandenburg-Preußen schließlich an die Spitze des geeinigten Deutschlands geführt hat…

„Eine Ehrenpflicht von Stadt und Dom Brandenburg gegen ihr ruhmvolles Markgrafengeschlecht“

Daher erscheint es als eine Ehrenpflicht von Stadt und Dom Brandenburg gegen ihr ruhmvolles Markgrafengeschlecht wie gegen ihre eigene Vergangenheit, diesen Gedenktag jubelnd zu begehen und zur Erinnerung an den ersten Hohenzollernschen Markgrafen Kurfürst Friedrich aus freiwilligen Spenden ein Denkmal aufzurichten. Willig stellen sich arm und reich in den Dienst der Sache. Der Opfermut überwindet alle Schwierigkeiten…“ Eigentlich sollte daraus nur der Kurfürstenbrunnen am Rathaus erwachsen, doch die spendablen Brandenburger schufen immer mehr. So auch das stattliche Standbild am Nicolaiplatz, das aber auch kaum mehr als 30 Jahre die Stadt zieren durfte. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg machten sich SED-Genossen ans Werk, die alte Zeit vergessen zu machen. Schließlich war es Oberbürgermeister Fritz Lange, der wohl 1946 nicht nur den Kurfürstenbrunnen am Altstädtischen Rathaus, sondern auch das Denkmal Friedrich des Großen am Nicolaiplatz zerstören ließ.

Denkmäler vernichtet und ein neuer Name für den Nicolaiplatz – vorübergehend

Sodann entriss man dem Revier auch noch seine Geschichte und benannte es nach dem russischen Nationaldichter Alexander Sergejewitsch Puschkin „Puschkinplatz“. Zumindest für die nächsten 45 Jahre. Sodann wurde der „Nicolaiplatz“ wieder eingebürgert.