Geschichte: Pfingsten 1910 verbreitet ein Unwetter im Fläming Angst und Schrecken

Das "Zauch-Belziger Kreisblatt" veröffentlichte nach dem Pfingstfest diverse Berichte über entstandene Schäden in Belzig und den umliegenden Dörfern.
Sammlung KraemerDas „Zauch–Belziger Kreisblatt“ veröffentlichte in den Tagen nach dem Pfingstfest diverse Berichte über entstandene Schäden.
Bereits am Sonnabend hatte ein Blitz in Treuenbrietzen auf dem Baadeschen Besitz in eine Scheune eingeschlagen und ein Feuer ausgelöst. Sie war teilweise mit Erntevorräten gefüllt. Ein weiterer Blitz traf das Stallgebäude des Eckertschen Besitzes und ein „kalter Schlag“ die Papierfabrik. Der in Brand geratene Stall konnte glücklicherweise schnell gelöscht werden. Auch aus Schwanebeck kam eine Schadensmeldung. Hier wurde das Ehlesche Wohnhaus „von dem elektrischen Strahle heimgesucht. Der Blitz richtete in einem Zimmer mehrfache Zerstörungen an, die aber nur leichterer Art waren.“
Blitzeinschlag in Belzig
Aus Belzig wurde ein Blitzeinschlag auf dem Pflug’schen Besitz in der Viktoriastraße (heute Karl–Liebknecht–Straße) bekannt, der „in die Scheune gefahren war“. In der Meldung heißt es weiter: „Er tat keinen Schaden, sprang aber ab und erschlug auf seinem weiteren Weg den Hofhund“.
Für Angst und Schrecken sorgte das Unwetter auch in Preußnitz. Ein Blitz, der am Sonnabend um die Mittagszeit in das Wohnhaus des Gemeindevorstehers Paul schlug, verteilte sich fast über das gesamte Haus, an Decken und Wänden seine Spuren zurücklassend. „In der Wohnstube, in der sich Frau Paul befand, war der Blitz an mehreren Stellen durch die Decke gegangen. Fast alle Räume, in denen sich zum Teil Personen befanden, wurden von dem Blitze auf seiner Wanderung heimgesucht. Glücklicherweise wurde niemand durch ihn gefährdet.“
Hagelkörner verwüsten Felder
In Lüsse lief infolge Starkregens der Keller eines Wohnhauses voll. Das Wasser stand „ziemlich hoch“ und hatte seinen Weg durch die Kellerfenster gefunden. „Brot und andere Nahrungsmittel, auch der Festkuchen, schwammen wohlgemut in dem Wasser umher.“
Mörz wurde am Sonnabend von einem wolkenbruchartigen Regen heimgesucht. Am Sonntag traf ein „Blitzstrahl das Schulhaus, in dem eine fröhliche Kinderschar zur Geburtstagsfeier versammelt war.“ Der Blitz traf den Giebel über der Schulstube und zerstörte ein Stück Dach, ohne eine Spur am Gebälk zu hinterlassen. „In der Ecke saß eine Glucke und brütete. Sie blieb unversehrt.“
Zur gleichen Zeit entlud sich das Gewitter über Locktow. Dort schlug der Blitz in den „erst im vorigen Jahre erbauten Stall des Büdners Stübing“ ein und tötete „die Kuh im Stalle, während das Kalb am Leben blieb.“ Feuerschäden wurden nicht gemeldet.
Großen Schaden brachten die Hagelmassen den Feldern, die auch um Ziezow, Gömnigk usw. niedergingen. „Einzelne Roggenfelder, besonders an der Lüsser Grenze, sind bis zu 90 Prozent vernichtet.“ Die blühenden Obstbäume nahmen, wo sie nicht geschützt standen, Schaden.
Keine Bessserung an Pfingstmontag
Über den am Pfingstsonntag niedergehenden Hagelschlag konnte man später im „Zauch–Belziger Kreisblatt“ lesen: „Am anderen Tage konnte man an manchen Stellen, wo der Hagel zusammen geschwommen war, noch ganze Wagenladungen davon finden. Der Hagel hatte eine Größe bis zu Taubeneiern, aber lang und eckig, wodurch der Schaden so groß wurde.“
Auch am Pfingstmontag besserte sich das Wetter kaum. Erneut zog ein schweres Gewitter auf. Zwar brachte es nicht so viel Regen wie an den Vortagen mit sich, dafür aber immer wieder Hagelschauer. Wieder nahmen zwei Gebäude in Mörz Schaden. Ein Blitz schlug in die Scheune des Büdners Muschert, „zertrümmerte das Dach am Giebel von oben bis unten und endete in der Dachrinne, ohne zu zünden und ohne weiteren Schaden am Vieh anzurichten.“