Wer beachtet, wenn er die Bauhofstraße passiert, schon den mächtigen Klinkerbau zwischen Stadtkanal und altem Straßenbahndepot? Wohl die wenigsten Havelstädter wissen, dass es sich hier um das erste Brandenburger Elektrizitätswerk handelt. Zwar liefert es längst keinen Strom mehr, stand aber in der jüngeren Vergangenheit wiederholt zur Debatte, um endlich wieder eine sinnvolle, wenn auch dann artfremde Nutzung zu ermöglichen.

Vor 120 Jahren

120 Jahre ist es mittlerweile her, dass dieses für unsere damals aufblühende Heimatstadt als wichtig erachtete E-Werk gebaut wurde. Die Kosten dafür hatte die Kommune übernommen. Nachdem am 26. Oktober 1901 ein regelmäßiger Betrieb in diesem Gleichstromwerk begann, blieb das Interesse wider allen Erwartungen zunächst sehr „zurückhaltend“. Gab es doch lediglich erst 34 Anschlüsse. Von den angemeldeten 155 Kilowatt Bedarf aus Kreisen des Fabrikanten- und Gewerbeschutzvereins wurden gar nur 8 kW abgenommen.

Erstmal Ernüchterung

Welch eine Ernüchterung machte sich da unter den Fachleuten und beim Magistrat breit! Schließlich hatte das Stadtparlament das Projekt mit seinem einstimmigen Beschluss zur „Errichtung einer städtischen Zentrale für die Abgabe von Elektrizität zu Licht- und Kraftzwecken“ am 25. Januar anno 1900 auf den Weg gebracht. Schon Anfang Juli des gleichen Jahres begannen dann die Arbeiten für das Projekt am Stadtkanal. Seinerzeit verwies unsere Heimatstadt auf 47.000 Einwohner, inklusive Militär.
Mit der weiteren Entwicklung der Elektrizitätsversorgung aber wurde es bereits kaum ein Jahrzehnt später notwendig, der aufblühenden Industrie auch dringend benötigten Drehstrom zu liefern. So galt es erneut, zu investieren.

Die Kommune verpachtete das Werk

Die Kommune verpachtete nun das Werk neben Straßenbahndepot und Hauptpumpstation im Sommer 1912 gleich für 40 Jahre an die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG). Betreiber war fortan die „Elektricitätswerk Brandenburg (Havel) Aktiengesellschaft“, kurz EWB genannt, mit einem Kapital von einer Million Mark. Und alsbald begann der Einbau moderner, leistungsfähiger Anlagen wie beispielsweise von zwei Turbo-Drehstrom-Dynamos mit je 2.600 kW. Hinzu kamen Umformer – darunter einer für die Straßenbahn –, die voluminöse Kesselstation sowie eine komplette Hochspannungs-Schalteinrichtung.

Schon 550 Abnehmer

Immerhin: 1912 gab es schließlich 550 Abnehmer in der Havelstadt, 420 Hausanschlüsse, 11.592 Leuchten sowie 321 Motoren. Der Gesamtanschlusswert – ohne die bis 1910 von  Pferden gezogene Straßenbahn, die mittlerweile in das Stromnetz integriert war – betrug nun immerhin schon 2.230 Kilowatt.
Ständig kamen Industriebetriebe wie das imposante Stahl- und Walzwerk Weber als Abnehmer hinzu. Intensive Werbetätigkeit, günstige Preisofferten sowie eine zweckmäßige Versorgung zahlten sich alsbald aus. Das damals eigenständige Fischerstädtchen Plaue übrigens erhielt ab 1916 ebenfalls Energie aus Brandenburg geliefert.