Historie
: Osterhase und Osterei

Eines der bekanntesten und beliebtesten Symbole des Osterfestes ist der Hase. Von ihm heißt es, dass er die Ostereier bringe, daher „Osterhase“.
Von
von Arpad Baron v. Nahodyl Nemenyi
Fläming
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Der Hase im Mond.

privat

Das Symbol des Osterhasen ist uralt, wie verschiedene kirchliche Vergleiche belegen. Schon im 2. Jahrhundert wurde der Hase von Tertullian mit der Kirche, die ihn als österliches Auferstehungssymbol deutete, verglichen. Augustinus griff diesen Gedanken im 4. Jahrhundert auf und auch Martin Luther verglich die Kirche mit einem Hasen, der im Fels Schutz sucht. Im Jahre 755 legte Papst Zacharias dem Bonifacius nahe, den Deutschen das Essen von Hasenfleisch zu verbieten, was sicher ein Hinweis auf die heidnische Bedeutung des Tieres ist; noch in einem Kochbuch von 1581 wird der Hase als Bestandteil der Osterpastete genannt. In der kunstvoll geschriebenen Pergamenthandschrift des alten Speyerer Dommeßbuches von 1343 sieht man in den Arabesken des Osterbildes eine Henne, ein Lamm und einen sich hochreckenden Hasen. Das wird als Darstellung der kirchlichen Ostergaben erklärt. Um 1500 wanderten Geschenke von Eiern, Lämmern und Hasen nach Speyer.

In der Aufzeichnung eines Straßburger Handwerksmeisters von 1615 heißt es: „ostern werden die Oster eyer grüen, gelb, roth, schwarz und blau und andere art geferbt.“ Der Hase als Bringer der Ostereier wird zuerst literarisch in der Schrift „XX Satyrae Medicae“ des Heidelberger Medizinprofessors Georg Franck erwähnt, die 1682 verfasst wurde. Da heißt es: „Von Oster–Eyern. In Südwestdeutschland, in unser heimatlichen Pfalz, im Elsaß und angrenzenden Gegenden heißen solche Eier die Haseneier. Man macht dabei  einfältigeren Leuten und kleinen Kindern weis, diese Eier brüte der Osterhase aus, und verstecke sie im Garten ins Gras, ins Gebüsch usw.; man will sie von den Buben umso eifriger suchen lassen, zum erheiternden Gelächter der Älteren.“

Dass das Eiersuchen bereits zum Kinderspiel geworden ist, ist ein Hinweis, dass es sich um einen recht alten Brauch handelt. Nach einem amtlichen Protokoll vom 28.  Juli 1758 aus dem fränkischen Solnhofen soll ein vom Förster gefangener Hase Eier gelegt haben, die noch heute im Naturalienkabinett Ansbach vorhanden sein sollen.

Das älteste Lied, in welchem sowohl der Osterhase, als auch das Eierverstecken erwähnt wird, ist ein Schweizer Kinderlied von 1789. Es heißt darin, dass dieser Brauch in jedem Hause üblich sei und seit uralten Zeiten geübt werde. Der Brauch selbst besteht aus der Einladung der Kinder bei ihren Paten, bei einem festlichen Beisammensein mit Witzen oder Possen, Festessen und danach anschließendem „Hasenjagen“, also bunte Ostereier suchen, die der Osterhase, vertreten durch die Stubenmagd, versteckt hat. Es wurde übrigens auch gedeutet, welche Farbe das zuerstgefundene Ei hat: Ein zuerstgefundenes blaues Ei bringt Unglück, ein rotes drei Tage Glück, ein gelbes gleichfalls Glück.

Warum nun ist gerade der Hase das Symbol zu Ostern? Er ist das heilige Tier der Frühlingsgöttin Ostera oder Ostara, die der Liebesgöttin Freyja entspricht. Auch bei den Griechen war der Hase der Liebesgöttin (Aphrodite) geweiht. Ostara–Freyja ist nun aber auch eine Göttin des Mondes, und hier erschließt sich die Verbindung des Hasen zu Ostern: Nur in der Frühjahrszeit steht die Mondscheibe des Vollmondes so, dass man in den Mondflecken einen nach links gewendeten Hasen erkennen kann, der in seinen Pfoten ein Ei hält und beide befinden sich in einer Art Nest (siehe Bild). In andern Jahreszeiten ist die Mondscheibe geneigt, so dass man andere Bilder in den Mondflecken erkennen kann. Dieses von der Natur selbst gebotene himmlische Bild zu Ostern steht also mit der Göttin, der der Hase geweiht ist, in Verbindung. Sogar im Indischen sind „Hase“ und „Mond“ dasselbe Wort (sasin), und das Sanskritwort „caca“ (Hase) bezeichnet auch die Mondflecken.