Historisches aus dem Hohen Fläming: Vor 100 Jahren in der Region: Selbstmord aus Liebeskummer in Dahnsdorf

Im Niemegker Gaswerk sind Mitarbeiter wegen abgelehnter Lohnforderungen in den Ausstand getreten.
Sammlung KraemerDie Elektrifizierung der ländlichen Region ging weiter: „Auch die Gemeinde Locktow ist nun schlüssig, sich an die Überlandzentrale anzuschließen. Der Ausbau des Ortsnetzes soll 30.000 Mark kosten. Zur Hälfte will die Gemeinde die Summe sofort aufbringen und bezahlen, die zweite Hälfte soll von der Spar- und Darlehnskasse geliehen werden. Mit Ausnahme von Dahnsdorf, daß sich wohl noch nicht schlüssig ist, wollen nun alle Gemeinden von Schwanebeck bis Brück elektrisches Licht und auch Kraft sich nutzbar machen. Die Lichtleitung soll noch im Laufe des Sommers fertig gestellt werden, sodass mit dem kommenden Winter unsere Häuser mit elektrischem Licht versehen sein werden.“
Aus Niemegk heißt es: „Die Streiksucht hat auch auf unseren Ort übergegriffen. Die Arbeiter der städtischen Gasanstalt (zwei Mann) sind wegen abgelehnter Lohnforderungen in den Ausstand getreten. Bemerkenswert hierbei ist, daß in der Stadtverordneten-Versammlung insbesondere die Arbeitervertreter die Forderungen der Gasanstaltsarbeiter als unberechtigt ablehnten. Im allgemeinen wird der Streik nicht sehr tragisch genommen, da man sich jetzt nötigenfalls ohne Licht behelfen kann. Die durch den Streik angesparten Kohlen kommen uns in den Wintermonaten jedenfalls sehr zu statten, da man ohnehin schon damit rechnen musste, wegen Kohlenmangels im Winter den Betrieb für einige Wochen stilllegen zu müssen.“
Aus Rädigke kommt diese Meldung: „Am 10. d. Mts, vormittags, fuhr der Bauer Paul hierselbst mit seinem 17-jährigen Knecht, dem er ein Paar kurze Schaftstiefel geschenkt hatte, nach Belzig. Während Paul seine Einkäufe besorgte, verschwand dieser Knecht namens Fritz Noack, nachdem er vor der Fahrt nach Belzig seinem Mitknecht Gustav Lehmann in Rädigke aus der Kammer 52 Mark gestohlen hatte. Noack ist 1,50 Meter groß, hat dicke Backen, dunkelblondes Haar und trug Artilleriemütze, dunkelblaues Jackett und graugelbe Russenhosen. Um seine Festnahme und Nachricht an die Gendarmeriebehörde wird ersucht.“
In Brück brach in der Scheune des Landwirts Karl Neue, Feldstraße 49, beim dreschen mit dem Elektromotor ein Feuer aus. „Die Scheune stand sofort in Flammen und brannte total nieder. Vom angrenzenden Stallgebäude blieben fast nur die unteren Umfassungsmauern stehen. Von einem anderen Stall desselben Gehöfts sowie von den Hintergebäuden der Witwe Jacobi und des Töpfermeisters Pechnatz, Eisenbahnstraße 2/3, wurden die Dächer beschädigt. Nur dem überaus schnellen und zielsicheren Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr ist es zu danken, daß größerer Brandschaden verhütet wurde.“
Ruchlose Bubenhände hatten dem Kolonisten Gensicke in Freienthal „in einer der letzten Nächte das Holzwerk der im Freien lagernden Grasmähmaschine an sieben Stellen durchgesägt. Dem Täter ist man auf der Spur.“
Aus Dahnsdorf heißt es: „Aus Liebesgram ging in der Nacht vom Sonntag zum Montag der im Felde gewesene 20 Jahre alte Hermann Franke in den Tod. Er erschoß sich vor der Tür seiner Geliebten. Franke stand in unserm Orte in Arbeit und hat seine Eltern und Geschwister durch die grausige Tat tief betrübt.“
Eine Geschäftseröffnung wurde bekannt gegeben: „Habe in Niemegk eine Bürstenmacherei eingerichtet, fertige alle in mein Fach schlagenden Arbeiten gut und prompt an. Roßhaar, Borsten und gut erhaltene Hölzer können zur Anfertigung geliefert werden. Ich bitte, mich in meinem neuen Unternehmen zu unterstützen. Ich kaufe jeden Posten Roßhaar und Borsten. Richard Kern, Kriegsblinder, Bahnhofstraße 39.“
In Rottstock bei Brück sollte den im Ersten Weltkrieg gefallenen Vätern und Söhnen ein Denkmal gesetzt werden. „Jetzt scheint dieser gute Wille seiner Vollendung nahe zu sein. Eine Sammlung in der Gemeinde hat eine Summe von etwa 4.000 Mark ergeben. Unentschieden war ferner die Platzfrage. Vergangenen Sonnabend weilte daher auf Wunsch der Gemeinde Herr Regierungsbaumeister Dammeyer aus Brandenburg hier, der auch unser schönes Schulhaus erbaut hat, um sein Gutachten abzugeben; er hielt den Platz unter der Friedenseiche zwischen Alt- und Neu Rottstock geeignet, geeigneter jedoch den freien Platz links beim Eingange zum Kirchhof. Ein großer Teil der Gemeindeglieder hält aber eine Gedenktafel, im Gotteshause angebracht, für die geeignetste Stätte. Hier ist die Tafel nicht Wind und Wetter und dem Alt und Grauwerden so ausgesetzt.“