Hospizbesuch
: Ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Wie kleine Hundewelpen ein ganzes Hospiz um ihre Pfoten wickeln, kann man derzeit im Simeon Hospiz erleben, wenn die Prager Rattler zu Besuch kommen.
Von
Sandra Euent
Berlin-Spandau
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  • Wenn die Welpen müde sind, geht Claudia Hauer mit den Kleinen die Gäste besuchen. Herr Paasche genießt die Zeit mit den schlafenden Hundebabys.

    Wenn die Welpen müde sind, geht Claudia Hauer mit den Kleinen die Gäste besuchen. Herr Paasche genießt die Zeit mit den schlafenden Hundebabys.

    Sandra Euent
  • Wenn die Welpen im Hospiz ankommen, wird erstmal im Gemeinschaftsraum gespielt - sehr zur Freude der Pflegekräfte und der Besucher.

    Wenn die Welpen im Hospiz ankommen, wird erstmal im Gemeinschaftsraum gespielt - sehr zur Freude der Pflegekräfte und der Besucher.

    Sandra Euent
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Bereits seit drei Jahren geht Claudia Hauer mit ihren Hunden mehrmals in der Woche ehrenamtlich in das Hospiz auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts in Berlin–Spandau. Normalerweise ist ihre Schäferhündin Jenny dabei. Doch zur Zeit zieht sie die drei Welpen auf und will den kleinen Hundejungs das beste Rüstzeug für ihr zukünftiges Hundeleben mitgeben. Was liegt da näher, als die neugierigen und verspielten Kleinen mit dahin zu nehmen, wo das Leben endet und wo sie mit ihrer unbefangenen, fröhlichen Art den Gästen ein Lächeln ins Gesicht zaubern können.

Birgit Lemke, Pflegedienstleiterin im Simeon–Hospiz, erzählt, wie besonders es ist, dass Hunde ins Hospiz kommen. In Pflegeeinrichtungen sei das ja häufiger, aber als Hospizeinrichtung seien sie die einzigen weit und breit, die regelmäßig tierischen Besuch erhalten. Die Gäste, wie die Bewohner hier genannt werden, freuen sich über die Ablenkung. Der Körperkontakt mit den Tieren sei auch besonders für diejenigen, die nicht mehr kommunizieren können, eine schöne Erfahrung.

Während wir uns unterhalten, toben sich die Welpen erstmal richtig aus. Es wird gespielt, untereinander, mit Mama Julanta und mit den Pflegekräften, die sich nur schwer lösen können von den niedlichen Rackern. Dann schlafen die Hundebabys in ihrer Tragebox ein. Jetzt ist die Zeit gekommen, Herrn Paasche zu besuchen.

Herr Paasche ist schon seit rund einem Jahr im Hospiz, er mag Hunde, und die regelmäßigen Besuche von Claudia Hauer gehören zu seinen Highlights. Vorsichtig werden die schlafenden Hunde Herrn Paasche auf das Bett gelegt. Zart streicht er mit der Hand über das weiche Fell. So zart, dass die Welpen einfach weiter schlafen. Herrn Paasches Augen leuchten derweil. Mama Julanta bekommt ein paar Leckerchen von Herrn Paasche gereicht und legt sich dann zu ihren Jungs und schließt ebenfalls die Augen. Es ist eine wunderbar friedliche Stimmung, die sich im Raum ausbreitet.

Während die Hunde schlafen und gestreichelt werden, unterhält sich Claudia Hauer mit Herrn Paasche. Der stellt jede Menge Fragen zu den kleinen Hunden. Will wissen, was sie so erlebt haben, seit er sie das letzte Mal gesehen hat. Und so toll er die Kleinen findet, fragt er doch, ob Claudia Hauer nicht mal wieder mit der Schäferhündin Jenny vorbei schauen mag, denn er vermisse sie. Der Wunsch wird ihm natürlich nicht abgeschlagen.

Die Welpen James, Jacko und Jasper bekommen bei Claudia Hauer alles mit, was ein zukünftiger Therapie– oder Besuchshund können muss. Zu Hause werden sie gefördert und gefordert, lernen — wohl dosiert — die Menschen, andere Tiere und ihre Umwelt kennen. Im Hospiz werden sie ganz nebenbei sozialisiert und geprägt, um später in der tiergestützten Therapie weiter „arbeiten“ zu können.

Die drei Racker suchen noch ein neues Zuhause. Am liebsten bei Menschen, die in Richtung tiergestützter Therapie mit ihnen weiter arbeiten möchten, sagt Claudia Hauer. Wer Interesse an den jungen Prager Rattlern hat, kann sich gern unter 0171/6896262 bei der Hundetrainerin melden.