Indienreise
: Die Welt der Kinder verändert

Jan Laufing und Jonas Dragendorf haben acht Monate in einem indischen Kinderheim gearbeitet und damit die Welt der Kinder verändert.
Von
Silvia Passow
Nauen
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Jan Laufing (li.) und Jonas Dragendorf lebten acht Monate in Indien.

Jan Laufing

Der Zufall führte Jonas Dragendorf und Jan Laufing nach Indien. Dragendorf wollte eigentlich nach Afrika und Laufing nach Australien. Dragendorf hatte sich bei der Organisation „Weltwärts“ beworben und kam so auf Indien. Sein Co–Reisender sprang ab und Jan Laufing kurzerhand für ihn ein.

Viel haben sie erlebt und gelernt in der Kleinstadt im Süden Indiens, nahe Bangalore. Einfach sind die Verhältnisse dort. Fotos belegen, dass hygienische Ansprüche und das Bedürfnis nach Komfort deutlich heruntergeschraubt werden mussten. Wäsche mit der Hand waschen, Pritschen statt Betten, Kanalisationsgräben vor den Häusern, Frischwasser in Tanks oder aus Brunnen geholt. Sie erzählen davon, klagen gibt es nicht. Sie geben einhellig zu, eine Waschmaschine nutzen zu können, hat für sie jetzt einen ganz anderen Wert. Das fremde Essen war zunächst gewöhnungsbedürftig. Nun fehlt es ihnen. Was sie am meisten vermissen, seien die Kinder, sagen sie.

Sechzig Jungen und Mädchen leben in dem Heim. Die Kinder haben furchtbare Schicksale erlebt, wurden Opfer von Gewalt, Vernachlässigung, Missbrauch, mussten Kinderarbeit leisten oder wurden in Zwangsehen gedrängt. Jan Laufing und Jonas Dragendorf halfen, die Kinder zu unterrichten, Englisch und Computerkurse. Sie organisierten Freizeitfreuden und begleiteten zu Ausflügen. Sie kochten für sie — Nudeln in Tomatensoße — und erlebten damit einen Reinfall. Die Kinder mochten das unbekannte Essen nicht.

Ihre Aktion, die Welt zu verbinden, zwischen Indien und Falkensee, wurde dafür ein schöner Erfolg. Die beiden haben zwischen der Geschwister–Scholl–Grundschule in Falkensee und den Kindern im Heim eine Brieffreundschaft organisiert.

Was beide ebenfalls vermissen, ist die Offenheit der Menschen. „Es gab dort keine verschlossenen Türen“, sagt Laufing. „Man ist überall willkommen und wird zum Tee eingeladen.“ Und zu Hochzeiten. Gleich zweimal durften sie dabei sein, als Pärchen den Bund fürs Leben geschlossen haben. Eine arrangierte Ehe und eine Liebeshochzeit. In Indien, sagen sie, ist beides an der Tagesordnung.

Gefeiert haben sie viel, erzählen sie. „In Indien jagt ein Festival das Nächste“, sagt Dragendorf. Vieles war neu und fremd. Die vielen Straßenhunde zum Beispiel. „Den Hund als Haustier kennen die Inder nicht“, erzählt Dragendorf. „Die meisten dieser Hunde sind sehr scheu, sie werden schlecht behandelt“, sagt er weiter. Es ist das einzige mal, das eine Wertung in die Aussage kommt. Sie waren dabei, als der Müll auf der Wiese verbrannt wurde, erlebten die Verhältnisse der Arbeiter vor Ort. Das Personal im Kinderheim war rund um die Uhr anwesend, hatten einen Tag im Monat frei. Die straffen Abläufe im Heim seien nötig, erklärt Laufing, wenn so viele Menschen auf engem Raum zusammenleben.

Zwischendurch blieb ihnen auch Zeit, das Land zu entdecken und zu bereisen. Tempel, heilige Stätten, Städte, eine Wanderung am Rande des Himalayas. Nach vier Monaten gab es ein Treffen und Erfahrungsaustausch mit anderen Freiwilligen. Von der Organisation fühlten die Beiden sich gut betreut. Bevor es an den Einsatzort ging, wurden sie in einem Seminar vorbereitet. Ein Mentor und ein Co–Mentor waren immer ansprechbar. „Wir haben uns sehr zuhause gefühlt“, sagte Laufing.

Der Abschied aus Indien, besonders von den Kindern, fiel ihnen schwer. „Das war ein sehr emotionaler Abschied“, sagt Laufert. Die Kinder überreichten selbstgebastelte Geschenke. „Und dabei haben sie selbst so gut wie gar keinen persönlichen Besitz“, sagt Dragendorf. Sie stehen per Video–Call mit den Kindern in Kontakt.

Würden sie einen Auslandsaufenthalt dieser Art auch anderen Jugendlichen empfehlen? „Ja, meine Erfahrung mit „Weltwärts“ war sehr gut“, sagt Dragendorf. „Wir verändern damit nicht die Welt. Aber wir konnten die Welt für die Kinder verändern.“