Jubiläum: Görzker Wehr feierte 130-jähriges Jubiläum
Zu den ältesten Mitgliedern der Görzker Wehr zählt Siegried Pohlmann. Er hat mit seinem Einsatz die ganze Familie „angesteckt“. So engagierten sich sein Sohn, der Enkel und inzwischen auch der Urenkel in der Freiwilligen Feuerwehr. Die Familie ist nunmehr in der vierten Generation in der Feuerwehr aktiv. Siegfried Pohlmann trat 1958 der Görzker Freiwilligen Feuerwehr bei und erinnert sich gut an die Anfangsjahre. Damals ging es mit den einfachsten Gerätschaften zu den Einsätzen. Mussten die Spritzen anfangs noch mit Muskelkraft gezogen werden, freuten sich alle, als Herrmann Lange endlich seinen 36er Opel vorspannen konnte. Siegfried Pohlmann hatte die Schmiede von seinem Schwiegervater übernommen, hatte seinen Meister gemacht. Alle Angestellten der Schmiede waren ebenfalls in der Freiwilligen Feuerwehr und so rückten die Kollegen gemeinsam aus, wenn es Alarm gab.
Nun feiert die Görzker Wehr 130-jähriges Jubiläum. Zur Gründung führte eine Brandkatastrophe im Jahre 1883. Alles, was Beine hatte, eilte damals zur Hilfe. Aber die Menschen waren ohne rechte Führung und ohne Hilfsmittel. „So gab es im Nachhinein viele Zusammenkünfte, die schließlich zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr führten“, erzählte Bürgermeister Jürgen Bartlog in seinen Grußworten. Er würdigte den Einsatz der Feuerwehrleute, denn es sei durchaus nicht selbstverständlich, freiwillig sein Leben zu riskieren.
Zu der Gründungszeit gab es in Görzke 290 Gehöfte, die meisten hatten auch Vieh zu versorgen. 27 Görzker traten 1889 sofort der Wehr bei. Auf der Gründungsversammlung wurden die Statuten verlesen und als Zeichen der Mitgliedschaft unterschrieben. Das ergab sich aus den alten Protokollen, die erhalten geblieben sind und aus denen Hans-Joachim Grabsch Auszüge verlas. So wurden die Pferdebesitzer erfasst und festgelegt, wer im Notfall ein Pferd oder einen Wagen stellen musste. Helm und Koppel wurden damals von der Feuerwehr gestellt, für Schuhwerk und Hosen musste jedes Mitglied selbst sorgen. Erst 1931 konnten Uniformen angeschafft werden. Das Geld kam aus dem Erlös eines Weihnachtstheaterstücks, es waren 467 Mark, was damals sehr viel Geld war.
Im Moment gibt es in der Görzker Wehr 20 aktive Kameraden, sieben Frauen sind derzeit dabei. Insgesamt waren knapp 400 Einwohner jemals in der Feuerwehr tätig. Und die Görzker Wehr kann immer noch zu Einsätzen am Tage ausrücken. Obwohl viele Mitglieder außerhalb arbeiten, sind noch genug im Ort beschäftigt. Insgesamt hatte die Wehr seit ihrer Gründung elf Wehrleiter. Der erste war Karl Busse, der am längsten im Amt tätige Wolfgang Bartlog, nämlich 23 Jahre. 1964 wurde die Arbeitsgemeinschaft Junge Brandschutzhelfer gegründet, aus der die Jugendwehrführer hervorgingen. Zehn Kinder von sechs bis zehn Jahren und neun Kinder von elf bis dreizehn Jahren sind heute in der Feuerwehr dabei.
1981 wurde endlich der Schlauchturm gebaut. Vorher wurden die nassen Schläuche über dem Gartenzaun oder in einer der zahlreichen Töpfereien des Ortes getrocknet. Aus der Nazizeit gibt es keine Aufzeichnungen über die Feuerwehr. „Ob man Angst vor den Nazis hatte? Man weiß es nicht“, so Hans-Jürgen Grabsch.
Im Jahr 2018 rückten die Kameraden zu 13 Waldbränden aus. „Das war mehr, als zu Zeiten, als die Rote Armee noch in den Wäldern lagerte“, so Grabsch. Aber es sind auch viele Stunden Eigenleistungen zu verzeichnen, mit denen unter anderem das Sozialgebäude und die neue Garage errichtet wurden.
Ministerpräsident Dietmar Woidke blickte in seiner Rede noch einmal auf die großen Brände des vergangenen Jahres zurück. Als sich in Treuenbrietzen eine Katastrophe anbahnte, war er gerade bei einem Fest zu Gast in der Region bei dem Feuerwehrleute für ihre ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet wurden. Er bemerkte die Unruhe in den hinteren Reihen. Mitten in der Nacht erhielt er dann die Meldung über den Katastropheneinsatz um Treuenbrietzen und machte sich am Morgen sofort auf den Weg. Dort entstand auch der Kontakt zur Freiwilligen Feuerwehr Görzke und die Einladung zum Jubiläum der Wehr. „Wir haben viel Angst und Verzweiflung gesehen, aber auch viel Solidarität“, so Woidke. So musste keiner der Evakuierten in der extra eingerichteten Turnhalle übernachten, alle fanden Unterschlupf bei Freunden und Verwandten. „Die Feuerleute riskieren im extremsten Fall Gesundheit und Leben, das dürfen wir nie vergessen“, so der Ministerpräsident. Deshalb ist er besonders stolz, dass in Brandenburg als erstem Bundesland eine Regelung für Hinterbliebene getroffen wurde. „Aber wir hoffen, dass wir das nie brauchen“, so Woidke.
Inzwischen duftete das Buffet durch den Saal. Aber vorher wurden verdiente Feuerwehrleute für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt, die anwesenden Frauen der Feuerwehrmänner, die immer zurückstecken müssen, bekamen einen Blumenstrauß als Dankeschön und Wehrführer Steffen Jirjahlk mussten einen Gratulationsmarathon über sich ergehen lassen. Denn die Wehren der Nachbargemeinden ließen es sich nicht nehmen, persönlich ihre Glückwünsche zu überbringen.

