Die Marshallinseln in der Nähe des Äquators im Pazifischen Ozean erstrecken sich über 29 Korallenatolle. 1156 einzelne Inseln gehören zum Inselstaat. Eine schöner als die andere und alle mit Postkarten-Potenzial – und einem riesigen Problem.
Der größte Teil der Inseln liegt weniger als 1,8 Meter über dem Meeresspiegel. Das ansteigende Meer erodiert das tief liegende Land, versalzt das Grundwasser und tötet die Vegetation ab. Prognosen sagen die Vernichtung der Republik und den Niedergang einer uralten Kultur bereits für das Jahr 2050 voraus. Doch es gibt immer noch Hoffnung. Zumindest laut „One Word“, einer Klima-Dokumentation von Viviana und Mark Uriona aus Brandenburg an der Havel.

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Premiere in Berlin

Sie haben den Film, der am Donnerstag, 4. November, in Berlin Premiere feiert produziert. Im Anschluss wird er in vielen deutschen Kinos zu sehen sein, unter anderem im Fontane-Kino am 13. November um 19 Uhr, inklusive anschließender Diskussion.
Das Besondere daran: Die Dokumentation ist nach partizipativem Prinzip gedreht. Das heißt, das Paar hat den Film nicht aus seiner Sicht über die Umstände vor Ort gedreht, sondern einerseits gezielt die Marshallesen zu Wort kommen lassen und sie andererseits direkt in die Entstehung des Films einbezogen.

Drei Wochen Filmmaterial

Der Vorteil: am Ende hatten Urionas so viel Filmmaterial, dass man es drei Wochen am Stück hätte laufen lassen können. Und: die Medienkompetenzen der Menschen vor Ort wurden erheblich geschult, sodass sie auch eigene  Folge-Projekte auf die Beine stellen könnten.
Dabei war die Idee für einen Film auf den Marshallinseln zunächst eine ganz andere. „Wir haben eigentlich nach Orten auf der Welt gesucht, auf denen man noch alleine wäre. Dabei sind wir auf die Marshallinseln gestoßen und auf das Problem, das sich hier mit dem Klimawandel entwickelt. Also sind wir im Januar 2018 dort hin geflogen und haben über neun Monate, fünf Tage in der Woche mit einer Crew von gut 90 Leuten gearbeitet. Fast alles Inselbewohner“, erklären die Filmemacher, die die Marshallesen mit einem einfachen Mittel auf ihr Projekt aufmerksam machten. „Vor Ort gibt es die Möglichkeit, eine SMS an jeden Bewohner zu schicken“, so Mark Uriona.

Urbanes Leben wie in Deutschland

Den Großteil ihrer Zeit hat das Paar mit seiner damals fünfjährigen Tochter in der Hauptstadt Majuro verbracht. Das Leben hier beschreiben sie so urban wie in einigen Vierteln Berlins, wo die Familie vor ihrer Wiederkehr von den Marshallinseln gelebt hat.
Die Hoffnung an die Rettung ihrer Atolle haben die Marshallesen dennoch nicht verloren. Das zeigen die vielen positiv klingenden Statements im Film. Da heißt es unter anderem „Zuerst war ich traurig. Dann habe ich mich so sehr geschämt. Weil ich die Hoffnung aufgab.“
Auch der Titel des Films „One Word“ ist in diesem Bezug zu sehen. Wie genau, das wollen Urionas aber noch nicht verraten.

Filmmusik von Radiohaed

Fest steht jedoch: Auf die Zuschauer warten 83 Minuten voll Authentizität, Kultur und Spannung mit der zentralen Frage, ob die Menschheit sich wirklich ändern wird, um die Zivilisation und den Planeten zu bewahren.
Unterlegt wurde der Film dabei mit Musik vom Potsdamer Boris Löbsack als auch typisch marshallesischen Bands. Aber auch große Bands wie Radiohead oder French For haben Musik zum Film beigesteuert. „Wir hoffen so, möglichst viele Menschen auf der Welt erreichen zu können. Immerhin können wir alle etwas dafür tun, dass die Marshallinseln gerettet werden können“, so das Paar abschließend.
Den Trailer zum Film gibt es hier.