Im November 1951 wurde in der DDR das Nationale Aufbauwerk (NAW) gegründet, um ausgehend von Berlin bald in der ganzen Republik mittels unbezahlter Arbeit der Bürger Trümmer zu beseitigen, Gebäude zu retten oder Neubauten zu vollbringen. In Brandenburg an der Havel war als solch gemeinschaftliches Aufbauwerk die Freilichtbühne am Marienberg vorgesehen und entstand ab 1955 nach Plänen von Stadtbaurat Paul Schulz. Am 19. Mai 1956 wurde sie feierlich eingeweiht, war fortan in den Sommermonaten (Mai bis September) Kultur- und auch Sportstätte. Konzerte, Shows, Kino-Sommerfilmtage, Chor-Treffen und -Leistungsvergleiche fanden hier statt, auch Boxkämpfe und die Auftaktprogramme der Havelfestspiele.

Kultur macht „Lärm“

Zwischen Friedhof und Krankenhaus, Altstadt und Wohngebiet Nord gelegen, wurde mit Beginn der 1990er Jahre der Betrieb u.a. wegen Lärmemissionen eingestellt; seltene Wiederbelebungsversuche verhinderten immerhin den totalen Verfall. Zum Lebenselixier wurden die BUGA 2015 und die BAS GmbH, die seit 2017 mit einem integrativen Projekt für die Unterhaltung und Pflege des Bürgerparks Marienberg verantwortlich zeichnet, wie auch für dessen Betreibung und Vermarktung. Und so kann die Freilichtbühne 2021 wiederbelebt 65. Geburtstag feiern und hat mit etwas Verspätung auch ihr Geschenk erhalten – einen Raum, der mittels 20.000 Euro vom Lions-Club Brandenburg als Backstage-Raum für Künstler und Veranstalter hergerichtet werden konnte und vorübergehend eine Ausstellung zur 65-jährigen Geschichte der Freilichtbühne beinhaltet.

Je älter die Freilichtbühne, desto lebendiger

Denn zum Jahresbeginn hatten Stadt und BAS, Lions-Club und Förderverein zum neuerlichen Aufbauwerk aufgerufen und um Fotos und sonstige Zeitzeugnisse gebeten. So kamen etwa 70 Aufnahmen zusammen, die ergänzt um Stadtarchivmaterial sowie gepaart mit kurzen Textbeiträgen die 65-jährige Geschichte der Freilichtbühne anschaulich darstellen – und sogar für Aufklärung sorgten. So stellte sich heraus, dass zur Eröffnung der Freilichtbühne erst 300 Sitzplätze fertig waren und hunderte weitere in Folgemonaten entstanden. Den Beweis lieferte Brigitte Meier (79) mit einem Foto vom Arbeitseinsatz der in der Villa Bergstraße 19 einquartierten Konsum-Lehrlinge, zu denen sie ab dem 01. September 1956 zählte.  
Zugänglich soll die Geburtstagsausstellung an Veranstaltungstagen auf der Freilichtbühne sein.