Kultur und Corona
: KleinKunstWerk Bad Belzig geht in die zehnte Spielzeit

Das Kulturangebots im KleinKunstWerk im Mühlenhölzchen musste coronabedingt zurückgefahren werden. Das kostet Einnahmen und Publikum.
Von
Sandra Janke
Bad Belzig
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Nach dem Konzert folgt ein gemütliches Beisammensein.

G. Kempendorff-Hoene

„Kinder, wie die Zeit vergeht“ — bemerkt Dr. Gerlinde Kempendorff–Hoene mit Blick auf das diesjährige Programm im KleinKunstWerk. Am malerischen Mühlenhölzchen geht es 2022 bereits in die zehnte Spielzeit. Als die ehemalige Berlinerin Kempendorff vor zwölf Jahren das alte E–Werk besichtigte, war es „Liebe auf den ersten Blick“, wie sie selbst sagt, „obwohl es in einem verwahrlosten Zustand war“. Damals habe sie nichts über Bau– und Instandhaltungskosten gewusst. „Gott sei Dank, sonst hätte ich es mich nicht getraut“, resümiert sie heute.

Großartige Künstlerinnen und Künstler im Spielplan für 2022 entdeckt

Durch die Corona–Einschränkungen musste im KleinKunstWerk zwar der Spielplan für 2022 halbiert werden und der Verein KiM Kultur im Mühlenhölzchen e.V. kämpft fortwährend um die Finanzierung der Vorstellungen, doch man hält sich tapfer. „Wir haben wieder großartige Künstlerinnen und Künstler gewinnen können.“ Der Schwerpunkt des Kulturangebots sei das Wort, ob literarisch oder musikalisch umgesetzt. Kabarett, Comedy, Lesungen, Theater, Aktuelles genauso wie Klassisches. Es gilt einzig der von Kurt Tucholsky geprägte Grundsatz des Theaters: Wir wollen nicht gelangweilt werden.

Spielzeit im KleinKunstWerk am Mühlenhölzchen wird am Ostersonntag eröffnet

Die Jubiläumsspielzeit am Mühlenhölzchen wird am Ostersonntag durch das TRIO SCHO eröffnet. Russischer Jazz aus Berlin, die drei Musiker präsentieren mit Charme und Temperament eine Palette von Liedern und Musik, die der früheren ungewöhnlichen Atmosphäre der Vielvölker–Metropolen Kiew und Odessa entstammt. Zu hören sein werden Evergreens über „Odessa Mama“, russische Romanzen „in Swing“, aber auch Tangos und Horas bis hin zu jiddischen Liedern und „Sowjetski Rock`n`Roll“.

Gewinnerin der letztjährigen Bachstelze Mia Pittrof im Mai zu erleben

Ein Programm–Highlight erwartet Kulturbegeisterte am 15. Mai, wenn die weibliche Gewinnerin der letztjährigen Bachstelze Mia Pittrof mit ihrem Programm „Wahre Schönheit kommt beim Dimmen“ die Bühne betritt. Die Kabarettistin schildert ihre Beobachtungen von dort, wo sie sich bewegt: irgendwo Anfang Vierzig, zwischen Kindern, Kita und Karriere, zwischen Tochter– und Muttersein, Provinz und Großstadt, Fleiß und Prokrastination, Fleisch– und Sojaburger. Auch die Bachstelzen–Gewinnerin von 2019 Laura Goldfarb stattet Bad Belzig einen Besuch ab, dieses Mal wird sie ihren Ehemann Tobias im Gepäck haben. In „Lass uns Freunde bleiben“ entdecken die beiden am 26. Juni die Schönheit der Trennung.

Der beliebte Kunstbummel wird am 21. August veranstaltet

Der 24. Juli wird zum Puppenspieltag im KleinKunstWerk. Während am Vormittag das Kobalt–Figurentheater Berlin mit „Katze Minki findet Freunde“ ein Stück für die ganze Familie auf die Bühne bringt, folgt am Abend mit „Heinz und Heidi — Wie das Leben so spielt“ ein Marionettentheater mit Kabarett. „Ich freue mich sehr, dass ein internationaler Star der Jazzszene uns wieder beehrt.“ Zum diesjährigen Kunstbummel am 21. August präsentieren Uschi Brüning und Jaqueline Boulangér ihre Songs in Soul, Blues, Modern Jazz und Swing, von Sunny Burkes „Black Coffee“ bis Carol Kings „Natural Woman“.

Ende August wird das achte Komische Festival die „Belziger Bachstelze“ ausgetragen

Am 26. und 27. August treten dann Kabarettisten, Satiriker, Comedian, Komiker einzeln oder in Gruppen an, um durch die Gunst des Publikums beim achten Komischen Festival die „Belziger Bachstelze“ zu gewinnen. Im September gibt es politisches Kabarett für Augen und Ohren. Nils Heinrich — letztjähriger männlicher Bachstelzen–Gewinner — präsentiert sein Programm „Deutschland einig Katerland“. Hennig Ruwe und Martin Valenske erklären in „Unfreiwillig komisch. Kabarett zum Wegschmeißen“, warum Kabarett und Corona mit der Generation 60+ dieselbe Zielgruppe haben und diagnostizieren dem Gesundheitssektor Kapitalismus im Endstadium.

Premiere im KleinKunstWerk im Oktober — ein „Lesefest“

Eine Premiere erwartet uns am 2. Oktober, wenn am Mühlenhölzchen erstmalig ein „Lesefest“ stattfindet. Bei diesem werden aktuelle Autoren aus der Region ihre Texte vorstellen. Am 20. November will ein Kammermusikduo, bestehend aus Almut Unger und Thomas Laukel, begeistern. Musik für Flöte und Marimba von Bartók bis Piazolla. Die interpretierten Werke werden eine vielfarbige Mixtur aus den unterschiedlichsten Musikstilen und Epochen sein. Den krönenden Abschluss des Jubiläumsprogramms stellt am 4. Dezember das große Weihnachtsliedersingen inklusive Besuch der Schneekönigin dar.

Die Coronazeit hat Einnahmen und Publikum gekostet

„Wir schauen mit Optimismus in die Zukunft und doch etwas bange“, so Kempendorff. „Es war acht Jahre ein kontinuierlicher Aufstieg, dann die Coronazeit… sie hat uns viel gekostet: Einnahmen und Publikum.“ Trotzdem halten sie im KleinKunstWerk an ihrem Konzept fest: Kein Eintritt! Jeder soll Zutritt zu Kultur haben! Lediglich die Bitte um Spenden nach einer Veranstaltung. Und das kommt beim Publikum an: „Als wir anfingen, hatten wir achtzig Prozent des Publikums aus Berlin organisiert und zwanzig Prozent aus Bad Belzig und Umgebung“, berichtet die erste Vereins–Vorsitzende, „nach zehn Jahren ist es umgedreht. Darauf sind wir sehr stolz.“ Dennoch müssten sich in Zeiten leerer öffentlicher Kassen verstärkt die gut beschäftigten Mittelständler einbringen, mahnt sie, „wenn sie in ihrer näheren Umgebung Kultur haben wollen, die das Leben auf dem Land lebenswerter macht und identitätsstiftend für die Menschen und den Ort funktioniert“.

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