Trotz breiter Aufklärungskampagnen sind Funktionsstörungen der Organe im Becken, die sich zum Beispiel als Urin- oder Stuhlinkontinenz bemerkbar machen können, weiterhin schambehaftete Themen. Wenngleich allein in Deutschland zehn Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen sind. Wenigstens. Denn Betroffene würden oft erst sehr spät oder gar nicht darüber sprechen, weiß Prof. Dr. Thomas Enzmann, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie. Dadurch könne es zu weiteren Störungen kommen. In jedem Fall sind sie ein einschränkender Faktor für die Lebensqualität.

Die Welt-Kontinenz-Woche

Die Welt-Kontinenz-Woche, die in diesem Jahr vom 21. bis 27. Juni stattfindet, soll helfen, dieses Schweigen zu durchbrechen. Online werden viele Informationen und Angebote zu finden sein. Und das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Klinikums Brandenburg bietet eine Telefonaktion an. Über die Hotline – Zeiten und Kontaktdaten werden auf der Internetseite veröffentlicht – können sich Menschen melden, die Probleme bei der Kontinenz haben.

Eine außergewöhnliche Kunstaktion

Zudem plant das Klinikum gemeinsam mit den Künstlern Stephanie Knitter und Thomas Bartel eine außergewöhnliche Kunstaktion: Um dem in Coronazeiten gewachsenen Kulturdrang nachzugeben, gleichzeitig das Thema Inkontinenz mehr ins Bewusstsein zu rücken und für mehr öffentliche Toiletten in der Stadt zu werben, sollen „Kulturklosetts“ installiert werden. Das erste, das im Gesundheitszentrum am Hauptbahnhof seinen Platz finden wird, lässt das Künstler-Duo derzeit im Museums-Hof im Frey-Haus entstehen. Anja Grothe, Leiterin des Stadtmuseums, hat nicht nur den Bauplatz, sondern auch das Material zur Verfügung stellen können: die ausrangierte Weihnachtsmarkthütte, die zuletzt Filmvorführungen im Museumshof diente.

Das erste Kulturklo entsteht

Der Boden war morsch, „aber der Rest sehr gut zu verwenden. Der reicht sogar noch für ein zweites Kulturklo“, so  Thomas Bartel. Enzmanns Auftrag für das Künstler-Duo: „Den Kulturdrang mit dem Drang beim Wasserlassen verbinden. Es soll neugierig machen, staunen lassen, informieren.“ Gelingen soll’s mit trockenen Fakten sowie mit Emotionen und Humor. Mit Klang- und visuellen Installationen sowie Mitmachaktionen. So werden Urinflaschen – umgangssprachlich Enten genannt –, ihren Namensgebern angepasst, oder das Funkeln einer Discokugel wird von dahinplätschernder Musik begleitet. Innen und außen bleibt Platz für Informationen zum Thema Inkontinenz – gern auch mit humorvollen Sprüchen, Gedichten, Musik, Bildern.

Wer rückt seinen Lokus in den Fokus

Ein Klohäuschen wird mobil ausgestattet und in der Welt-Kontinenz-Woche durch die Stadt touren, alle weiteren werden feststehen. Weitere Standorte sind in Abstimmung und weiteres Material willkommen: Gern würden Stephanie Knitter und Thomas Bartel noch ein echtes Plumpsklo zum Kulturklosett umfunktionieren.
Wenn jemand seinen brachliegenden Lokus in den Fokus rücken möchte, kann er sich mit Thomas Bartel unter 0172-3876685 in Verbindung setzen. Auch Fotos von alten stillen Örtchen sind willkommen, gehen per Email an stephanie.knitter@web.de und können auf diesem Wege Bestandteil einer Kunstinstallation in einem der Kulturklosetts werden.