Seit 2008 befindet sich im ehemaligen Paulikloster in der Neustädtischen Heidestraße 28 das Archäologische Landesmuseum Brandenburg und bewahrt mit etwa 10.000 Exponaten einen bedeutenden Schatz der kulturhistorischen Geschichte des Landes Brandenburg. Ein Jahr lang lüften besondere Exponate in dieser neuen BRAWO-Serie ihr Geheimnis, wollen mitnehmen auf eine Zeitreise und auch einladen, – sofern wieder möglich – das Landesmuseum in der Stadt Brandenburg zu besuchen.

Teil IV:  

Zwei Tierkopfarmringe der Römischen Kaiserzeit aus Kemnitz
Die Zeit von etwa 50 v. Chr. bis 375 n. Chr. bezeichnen Archäologen in unseren Breiten als Römische Kaiserzeit. Die germanischen Gruppen jener Epoche praktizierten nahezu ausnahmslos die Brandbestattung. Ihre Urnengräberfelder umfassten zuweilen Hunderte von Beisetzungen, da die Flächen oft über mehrere Generationen genutzt wurden. So auch im Falle des kaiserzeitlichen Bestattungsplatzes von Kemnitz in Potsdam-Mittelmark, auf dem Ende der 50er / Anfang der 60 Jahre etwa 900 Bestattungen freigelegt wurden. Zu den hier geborgenen Grabbeigaben gehören auch so genannte Tierkopfarmringe aus Silber, die in den Zeitraum 50-150 n. Chr. datieren.
In Kemnitz wie andernorts fanden sich die filigranen Ringe mit zoomorph gestalteten Enden meist in Bestattungen erwachsener weiblicher Individuen.

Seltenes Schmuckstück für verstorbenes Mädchen

Eine Ausnahme bildet das gut erhaltene Exemplar aus dem Kemnitzer Grab 356, welches auf dem Foto im Hintergrund zu sehen ist. Das in spitze Schnauzen auslaufende Schmuckstück wurde einem kleinen Mädchen mitgegeben. Der Verstorbenen folgten zudem vier silberne Fibeln, zwei Armringe aus Silberdraht, wohl ein silberner Halsring und ein Gürtel mit Bronzebeschlägen in ihr Grab, auch eine silberne Hakennadel und eine Bronzenadel gehörten zu den Beigaben. Ein Großteil der Funde ist ausgesprochen ungewöhnlich für ein Kind.

Artefakt aus dem Grab einer Frau

Nur in Teilen erhalten ist der Tierkopfarmring im Vordergrund des Bildes. Das Artefakt stammt vermutlich aus dem Grab einer Frau. Die Verstorbene erhielt neben diversen Schmuck- und Trachtenelementen, Nadeln, einem Eisenschlüssel, einem Spinnwirtel auch einen weiteren fragmentierten Tierkopfarmring. Beide Ringe, die in runde verzierte Schnauzen münden, wurden möglicherweise bewusst zerbrochen.

Römische Vorlagen für germanischen Schmuck

Als Vorbild für die germanischen Tierkopfarmringe dienten wahrscheinlich römische Schlangenkopfarmringe. Diese wurden als militärische Auszeichnung oder Ehrengeschenk an Armeeangehörige verliehen. Im germanischen Siedlungsraum dürfte man diesen Schmuck gekannt, übernommen und nach eigenem Geschmack gestaltet haben. So lässt sich mitunter nicht entscheiden, welche Tiere die Ringenden darstellen sollen. Auch die Tatsache, dass Frauen diesen Schmuck anlegten, ist eine Abweichung vom römischen Original.
Weitere Typen der germanischen Tierkopfarmringe sind aus Polen und Südskandinavien bekannt.
Fatima Wollgast, BLDAM
Archäologisches
Landesmuseum Brandenburg