Lütter Herbergsvater
: Forellenkinderstube in Grünebergs Gartenteich

Über ein dreiviertel Jahr war der Lütter Herbert Grüneberg Herbergsvater für mehr als 100 Bachforellen. Dieser Tage wurden die Fische abgefischt und zugleich, Bilanz gezogen.
Von
Bärbel Kraemer
Bad Belzig
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Herbert Grüneberg hat in seinem Teich 100 Bachforellen ein vorübergehendes Heim gegeben.

B. Kraemer

Die Bachforellen, die im Januar in den Teich auf seinem Grundstück eingesetzt wurden, hatten sich prächtig entwickelt. „Davon waren 50 Rogener, also weibliche Fische die Rogen getragen haben“, so der Lütter und erklärt, dass selbige etwa in einem Alter von drei bis vier Jahren geschlechtsreif werden und in der Lage sind, Eier abzulegen. Diese Eier werden Rogen genannt. Daher die Bezeichnung Rogener.

Mit den weiblichen Fischen wurden 30 männliche Tiere abgefischt, die die kommenden Wochen im  Bruthaus am Springbach verbringen und dort die nächste Bachforellengeneration begründen sollen. „In etwa vier Monaten“, so Grüneberg, „werden die ersten Fischlarven geschlüpft sein.“ Die übrigen, noch nicht geschlechtsreifen Forellen, wurden in Bächen der Region ausgesetzt und sollen dort zur Stärkung des Bestandes beitragen.

Das Ergebnis hat Herbert Grüneberg in seinem Entschluss bestärkt, den Gartenteich — der durch den Lütter Bach gespeist wird — auch im kommenden Jahr als Forellenkinderstube zur Verfügung stellen.

Der Bad Belziger Klaus Baaske, der sich seit Jahrzehnten um den Erhalt der Bachforelle in hiesigen Gewässern bemüht, war bereits im vergangenen Jahr auf Grünebergs Idyll vor der Haustür aufmerksam geworden. Für Bachforellen, die hierzulande vom Aussterben bedroht sind, bietet das fließende, klare Gewässer optimale Lebensbedingungen. In dieser Folge kamen die beiden ins Gespräch.  Grüneberg, als Tierfreund über die Ortsgrenzen hinaus bekannt, willigte ein und die Fische wurden eingesetzt. „Es war schon sehr beeindruckend, die Forellen im Teich beobachten zu können“, so der 71–Jährige über die vergangenen Monate.

Nur einmal — im Februar — wurde die Idylle jäh gestört. Damals hatte sich ein ungebetener Gast eingeschlichen. Er hatte die Sicherheitsvorkehrungen überwunden und in der Forellenkinderstube geräubert. Zwar wurde er nicht auf frischer Tat ertappt, aber überführt. Eine Bachforelle mit abgebissener Schwanzflosse verriet den Fischotter als Täter. Nachfolgend wurden die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal aufgestockt. Zum Elektrozaun um den Teich kam ein Vogelschutznetz, um auch Angreifern aus der Luft den Zugriff auf die Forellen verwehren und eine zusätzliche Vergitterung am Bacheinlauf. Die Kosten für den Besatz als auch die Sicherungsmaßnahmen im niedrigen dreistelligen Beriech hatte der Landesanglerverband Brandenburg (LAV) übernommen.

Die Bachforelle ist seit dem 16. Jahrhundert in den Flachlandbächen der Region heimisch. Für den ersten Fischbesatz sorgte der Kurfürst. Während der DDR–Zeit litten die Bestände massiv unter Umwelteinflüssen. Schon damals, vor mehr als fünf Jahrzehnten, fanden engagierte Naturfreunde zusammen, um die Art zu erhalten. Klaus Baaske ist einer von ihnen.

Damals wurde am Gesundbrunnen in Schwanebeck ein Bruthaus gebaut und erfolgreich die Aufzucht von Forellen betrieben. Der Fischnachwuchs wurde bis nach Mecklenburg geliefert.

In den 1980er Jahren wurde das Bruthaus in Schwanebeck aufgegeben und in der Nähe der Springbachmühle ein neues gebaut. An die Erfolge konnte angeknüpft und mit den Fischen aus der Zucht konnten die Bestände erhalten werden. An die hoffnungsvollen Nachwendejahre, durch den Bau von Klärwerken hatte sich die Wasserqualität in den Flämingbächen deutlich verbessert, schloss jedoch die bittere Erkenntnis an, dass allein saubere Gewässer nicht ausreichen, um die Art zu erhalten. Heute sind Mink, Fischotter & Co für den dramatischen Rückgang der Bachforellen im Hohen Fläming verantwortlich.