Miniatur: Faszination Modellbau

Let it snow…… Wintermärchen mit Bahn.
Silvia PassowAufwendig ist das Hobby Modell-Bau und auch nicht gerade günstig. Henry Neumann (56) ist bereits als Kind mit dem Virus Modell-Bau infiziert worden. Ähnliche Geschichten hört man hier oft. Eltern oder Großeltern gaben die Liebe zum Modellbau weiter. Seit 1997 gilt Neumanns Leidenschaft den fliegenden Modellen, zuerst waren es Flugzeuge, nun Hubschrauber. Acht flugfähige Modelle besitzt er. Hubschraubermodelle unterscheiden sich in der Steuerung von Flugzeug-Modellen, erklärt er. Diese Steuerungseinheiten, die Hubschrauber-Modelle selbst, da kommen schnell ein paar Hunderter zusammen. Neumann ist Mitglied im Modellflugclub Nauen. Wenn der Berliner raus zum Fliegen fährt, soll sich der Weg auch lohnen, dann verbringt er den Tag auf dem „Flugfeld“. Für diese Flugfelder gibt es Bestimmungen, die eingehalten werden müssen. Neumann zeigt seinen Sachkundeausweis, seine Fluglizenz, wenn man so will.
Wem die Lust auf den fliegenden Modellbau packte, wer den Loopings und wagemutigen Flugmanövern nicht nur zusehen, sondern sich auch selbst ausprobieren wollte, fand im hierfür abgetrennten Bereich der Halle die Möglichkeit. Etwas ruhiger ging es bei den Wasserfreunden des Modellbaus zu. Die Schiffe standen sozusagen im Trockendock. Prächtige Segelschiffe, bunte Kutter, Kriegsschiffe, wie ein Nachbau des Schlachtschiffes „Bismarck“. Um die 1941 gesunkene „Bismarck“ ranken sich allerhand Mythen, um das Modell des Schiffes standen viele Besucher, bestaunten die Details, der Miniaturausgabe. Sehenswert waren auch die vorgestellten Dampfmaschinen. Das dampfbetriebene Auto erwies sich als äußerst schnell und wendig.
Besuchermagnet waren die Modell-Eisenbahner. Im minimalen Schienenbetrieb geht es um weit mehr, als nur um die Fahrzeuge. Landschaften entstehen hier, Stadtteile werden erfunden, es geht hier durch Wälder, dort auch durch Felder, auf denen winzige Kohlköpfe stehen. Die Hans-Klakow-Oberschule aus Brieselang, lässt ihre Bahn durch ein traumhaftes Wintermärchen fahren. Hübsche Landschaften durchfahren auch die Züge des Rathenower Modelleisenbahnvereins, bevor sie am Bahnhofsgebäude anhalten. Volkmar Ernst Hönsch (55) beobachtet seinen Schienenverkehr genau. An die Modellbahn brachte ihn der Vater, später, so erzählt er, lernte er bei der Deutschen Reichsbahn. Die Bahnanlage, die er und seine Vereinskameraden nach Paaren gebracht haben, hat die Jugend des Vereins gebaut. Zwischen 9 und 69 Jahren sind die Mitglieder der 17-köpfigen Eisenbahnertruppe alt. Und an der Stelle wird es dann doch Zeit ein Klischee zu brechen. Am Stand nebenan sitzt Hönschs Frau, mit eigener Modelleisenbahn.
Das Frauen Freude im Modell-Bau finden, bestätigt auch Ursula Brümmer (54). Ihr Verein nennt sich ZIST 1, das steht für „Insider Stammtisch Berlin-Brandenburg“. Der Stammtisch trifft sich einmal im Moment. Das Besondere: Jedes Mitglied bekommt hier vorgefertigte kleine Holzplatten, auf der die Schienen bereits verlegt sind. Nun kann jeder, nach eigener Idee der Kreativität freien Lauf lassen, Landschaften darauf zaubern, Straßen, Dörfer und ganze Stadtteile basteln. Zusammengelegt ergibt das den Rahmen für die Trasse der Modelleisenbahn. Der Aufbau in Paaren ging mit dem modularen System sehr schnell, dauerte gerade mal vier Stunden. „Modell-Bau hat oft diesen miefigen Klang. Das stimmt gar nicht“, sagt Brümmer. „Bei uns geht es gesellig und kreativ zu.“
Wer den Rathenower Modelleisenbahnverein genauer kennenlernen möchte, findet dazu im April Gelegenheit. Am 19. und 20. April in der Zeit von 10 bis 17 Uhr veranstaltet er seine Osterausstellung in der Jahnstraße 27, in Rathenow.