Montags bis Sonntags von 10 bis 20 Uhr können seit 5. Juni Besucher nahezu uneingeschränkt ins Naturbad kommen. Lediglich der Hinweis auf die Einhaltung des Abstandgebotes sowie eine Erfassung der Kontaktdaten der Badegäste zur Nachverfolgung der Infektionsketten zeigen: Es gibt Coronaregeln, aber der Betrieb läuft.
Ins Auge stechen dabei am Eingang die günstigen Eintrittspreise von 3,50 Euro, ermäßigt 2,80 Euro für das Tagesticket sowie ein ermäßigter Tagespreis von elf Euro für eine vierköpfige Familie. Kinder bis drei Jahre haben freien Eintritt. Aushängeschild für das Naturbad Premnitz ist die kurvige Großwasserrutsche mit 80 Metern Länge und neun Metern Höhe, die in ein 1,25 Meter bis 30 Zentimeter flaches Nichtschwimmer-Kinderbecken mündet. Auf der gegenüberliegenden Beckenseite können die kleineren Badegäste mit der kürzeren Frosch-Wasserrutsche vorlieb nehmen. Geübten Schwimmern wird im angrenzenden 50 mal 24 Meter großen und 1,85 Meter tiefen Badebecken ausreichend Bewegungsfreiheit geboten. Das Bassin besitzt nach 30 Jahren Betriebsamkeit zwar bereits einen gewissen Vintage-Charme, ist jedoch bei Jung und Alt sehr beliebt. Auch der Schulschwimmunterricht wird ab 10. August in diesem Areal wieder aufgenommen. Das gesamte Gelände, auch der Sanitärbereich, ist für Rollstuhlfahrer gut zu befahren. Mit wenigen Einschränkungen kann es von Menschen mit Behinderungen genutzt werden.
Nebenan kommen Spiel- und Kletterfreudige auf der großzügig angelegten Liegewiese in Waldrandlage auf ihre Kosten. Hier warten Klettergerüste, ein überdachter Sandkasten sowie eine Tischtennisplatte auf aktive Gäste. Spielgeräte können gegen kleines Entgelt ausgeliehen werden. Gleich daneben zeigt sich mit vier Beachvolleyballfeldern "die größte Beachvolleyballanlage der Region", so Mathias Hohmann. Seit 2017 sind die gepflegten Beachvolleyball-Felder durch höhenverstellbare Netzpfosten Austragungsort für regionale Volleyballturniere. Der Kreissportbund Havelland hat dies durch eine Spende der Premnitzer Stadtwerke sowie eine Förderung vom Landkreis möglich gemacht. Zuseiten kann in einem liebevoll gestalteten Niedrigseilgarten das Gleichgewicht getestet werden. Rings um die Aktivitätsbereiche können Erholungssuchende die weiträumige Liegefläche nutzen. Fehlende Schattenplätze werden durch Sonnenschirme und -liegen ausgeglichen, welche gegen Gebühr ausgeliehen werden können.
Auch Lutz Deike freut sich auf Spaß und Bewegung im Freibad Premnitz. Schon zu DDR-Zeiten kam der Hobby-DJ regelmäßig und gerne mit seiner Familie zum Schwimmenlernen und Baden ins Freibad. Mit seinen beiden Neffen kommt der gebürtige Premnitzer heute aber nur ausnahmsweise ins Naturbad. "Eigentlich gehe ich immer in Döberitz in unserer eigenen Badeanstalt am Havelarm baden. Meine Neffen, die von der Küste zu Besuch sind, trauen sich aber nicht in die Havel, weil ihnen das Wasser zu trübe ist."
Für eine gute Wasserqualität sorgt im Naturbad seit 2014 ein neuartiger Neptunfilter. Nachdem sich 2012 der Verein Naturbad Premnitz eV. gegründet hatte, übernahm dieser die Pacht für das ehemals beheizte und gechlorte "Fit-Point" Freizeitzentrum. Seit Vereinsgründung wurde das Freibad in ein Naturbad umgebaut, für die Filteranlage zeichnete die Firma Polyplan GmbH aus Bremen verantwortlich. Das Unternehmen hat sich auf den Umbau von Freibädern auf Naturbäder spezialisiert. Das verschmutzte Wasser wird dazu in einem ausgelagerten Regenerationsbereich gesäubert. Eine Wasserpflanzenkultur und das eigens zur Filterung hergestellte Kalkkies-Granulat (Oolith) im Neptunfilter entfernen unter anderem angereichertes Phosphat und Stickstoff sowie Algen und andere Trübstoffe. An der Oberfläche des Granulats bildet sich ein "Biorasen" aus festsitzenden Bakterien, welche die vorbeiströmenden organischen Substanzen und Verunreinigungen abbauen. Die bei diesem Prozess freiwerdenden Nährstoffe wiederum werden von den im Filter wurzelnden Pflanzen aufgenommen. Durch das Zurückschneiden der Pflanzen können die in der Pflanzenbiomasse gebundenen Nährstoffe aus dem System entfernt werden. So haben die gefürchteten Algen keine Chance, Überhand zu nehmen. Das Granulat arbeitet kostengünstig, da es erst nach 30 Jahren ausgetauscht werden muss. Kommt es trotzdem zur Grünfärbung des Wassers, werden spezielle Absaug-Reinigungsgeräte eingesetzt, die neben Hochdruckkärchern im Wert von 10.000 Euro eingesetzt werden können. "Seitdem ist das Wasser kristallklar", stellt Hohmann fest.
Das Gesundheitsamt des Landkreises überprüft alle zwei Wochen die Wasserwerte. Die sechs, über die AFP angestellten, Rettungsschwimmer messen außerdem täglich Wassertemperatur, Sichttiefe und Wasser-pH-Wert. Darüber hinaus stellt die AFP unter Hohmanns Leitung Mitarbeiter für die Technik, Wartung und Pflege der Filter- und Grünanlagen auf dem Gelände. Das Modell des Naturbades liegt seit Ende der 90er Jahre im Trend, was die wachsende Anzahl an mittlerweile über 100 Naturbädern in Deutschland und Österreich bestätigt. Hohe Personal- und Instandhaltungskosten führen oft zu diesem Schritt der Badumgestaltung. So konnte das Naturbad Premnitz, dessen Umbau vor der Sommersaison 2014 geschah, über den Verein eine drohende Schließung abwenden. Ermöglicht wurde das, weil seit Bestehen des neuen Bades der städtische Zuschuss von 350.000 Euro auf 118.000 Euro gesenkt werden konnte. Die Stadt als Eigentümer investiert jedes Jahr anteilig zu EU Mitteln in Baderneuerungen, wie beispielsweise der schrittweise Einbau eines Durchschreite-Beckens.

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