In der Bauhofstraße in Brandenburg an der Havel ist ein "Volkseigener Betrieb" erhalten geblieben. Wenn auch nur schriftlich an der Hauswand: VEB Papierverarbeitung Brandenburg. Nach der Wende ist daraus die Service Pack GmbH hervorgegangen und hat sich auf die Herstellung von Verpackungen aus Wellpappe spezialisiert. Bis 2015. Zuletzt war für die Immobilie ein Bio-Laden im Gespräch.
Th. Messerschmidt
Dr. Ilona Kirchner aus Brandenburg an der Havel könnte eine BRAWO-Seite allein füllen, sie hat acht Fotos zugesandt: "Ich war erstaunt, wie viele Dinge aus DDR-Zeiten sich noch in meinem Haushalt befinden. Warum auch nicht? Manches stellt einfach eine schöne Erinnerung dar, manches ist einfach so unverwüstlich, dass man es wahrscheinlich bis ans Lebensende benutzen kann, so zum Beispiel die Küchenmaschine RG 28 oder das Essservice der Firma Kahla, das ich schon seit mindestens 40 Jahre benutze und das auch noch dazu ein schönes Design hat, wie ich finde. Auch der Cognacschwenker stammt aus der DDR, es handelt sich um Bleikristall aus der Lausitz. Heute ist Kristall ja nicht mehr in Mode, aber damals hat man sich wahnsinnig über so ein Glas gefreut. Im Dürerladen in Brandenburg gab es auch so manches Juwel zu entdecken, auch der Schmalztopf stammt von dort. Ich habe nicht nur einmal einen solchen gekauft; das war immer ein schönes Geschenk. Ich besitze auch noch Bücher, die ich als Kind geschenkt bekam, zum Beispiel "Der Struwwelpeter" aus dem Jahr 1964."
Ilona Kirchner
Ilona Kirchner: Essservice aus Kahla
Ilona Kirchner
Ilona Kirchner: der Mixer
Ilona Kirchner
Ilona Kirchner: Schmalztopf aus Dürerladen
Ilona Kirchner
Ilona Kirchner: "Der Struwwelpeter" von 1964
Ilona Kirchner
Gunther Rotter tauchte mit seinem "DDR-Erinnerungsstück" persönlich in der Brandenburger BRAWO-Geschäftsstelle auf, kündigte es als "eine kleine Besonderheit" an. Zum Vorschein kam das "Partyfass piccolo" und zwar ungebraucht, weswegen sogar die 10er Packung CO2-Patronen noch vollständig war. Dank Bedienungsanleitung hätte das Fass direkt zum Laufen gebracht werden können, doch es bleibt ein Schmuckstück. Hergestellt im VEB Zieh-, Press- und Stanzwerk Zwintschöna, und von Gunther Rotter erworben – laut Garantieurkunde – am 3. November 1977 im "Konsum-Kontakt-Kaufhaus" in der Hauptstraße 23.
Th. Messerschmidt
Zwei Geldscheine aus der DDR.
Rowena Hübener
Rowena Hübener aus Brandenburg an der Havel schreibt: "Die Kaffeemühle ist immer noch funktionstüchtig und hat mir so manches Mal aus der Patsche geholfen. Wenn Puderzucker gefehlt hat, wurde der Zucker einfach in die Kaffeemühle geschüttet und gemahlen. Ich selber trinke ja keinen Kaffee... Ein paar Geldscheine habe ich auch noch.
Rowena Hübener
Kinder aus dem Stadtteil Nord haben ihn geliebt – den Elefanten-Spielplatz, gelegen zwischen der Werner-Seelenbinder-Straße und der damaligen Ernst-Grube-STraße (heute Prignitzstraße). Der Betonriese entstammt den 1970er Jahren und und lädt noch heute Nachwuchs zum Klettern und Rutschen ein.
Th. Messerschmidt
Skulpturen wurden in der DDR so einige vollbracht, die sich – weil unpolitisch – auch im geeinten Deutschland durchsetzen konnten. Bestenfalls blieben sie einfach an ihrem Bestimmungsort. So wie die Bronzeplastik "Die Lesenden", die vor der 1964 eröffneten Polytechnischen Oberschule (POS) "Bertolt Brecht" ihren Platz fand. Dort steht sie noch heute, indes die Schule 1991 zum "Gymnasium Nord" und 1996 zum "Bertolt-Brecht-Gymnasium" wurde.
Th. Messerschmidt
Auch in der Geschwister-Scholl-Straße findet sich an einem Hausgiebel der einstigen Brennaborwerke ein Hinweis aus DDR-Tagen. An jene Zeit, als der Komplex zu der "VEB Brandenburger Traktorenwerke" gehörte. Als Kriegsbomben 1945 einen Großteil der Fabrik zerstört hatten und das Aufleben von "Brennabor" 1946 missglückte, wurden daraus die "Brandenburger Traktorenwerke", und daraus wiederum das Getriebewerk Brandenburg, das seit 1991 zur ZF Friedrichshafen zählt und in der Caasmannstraße ansässig ist. Der Brennabor-Traktorenwerke-Komplex wurde 2016-18 ausgebaut und zum Sitz der Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA). Der Schriftzug ist geblieben.
Th. Messerschmidt
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Das Leben mag oft einfach gewesen sein und die Umstände nicht immer rosig, aber alle 17 Mio. DDR-Bürger hatten Möglichkeiten sich das Leben lebenswert zu gestalten. Und sich heute gerne daran zu erinnern, hat mit einer Glorifizierung der DDR nichts zu tun. Es ist die eigene gelebte Geschichte. Und womöglich ist die Erinnerung sogar noch allgegenwärtig. Wo und wie haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich ein Stückchen DDR bewahrt? Welches Ost-Produkt ist unverwüstlich oder Ihnen ans Herz gewachsen? Findet sich in Ihrem Wohnumfeld DDR-Typisches? Senden Sie uns Fotos und ein paar Zeilen Ihrer „DDR-Erinnerungsstücke“ an redaktion-brb@brawo.de. Bis zum 30. Wende-Tag am 9. November wollen wir eine Fotogalerie auf www.brawo.de entstehen lassen und Erinnerungen via BRAWO teilen.