Orgel in Wiesenburger Kirche
: Mit nassen Bettlaken gegen Austrocknung von Orgeln ankämpfen

Schiefe Töne beim Musizieren sind Künstlern ein Graus. Der Grund liegt meist darin, dass das Instrument nicht richtig gestimmt ist. Die vergangenen trockenen Sommer haben Orgeln arg zugesetzt.
Von
Eva Loth
Wiesenburg
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Professor Klaus Eichhorn aus Berlin, ein Kenner der Orgelmusik aus der Erbauungszeit der Wiesenburger Orgel, spielte nach erfolgten Reparaturarbeiten.

E. Loth

So war er bei der Orgel in der Wiesenburger Kirche. Die vergangenen trockenen Sommer haben dem Instrument arg zugesetzt. Das Problem ist die Trockenheit in vielen Kirchen auf Grund des Klimawandels. Im Pfarrbereich Wiesenburg musste in der Vergangenheit die Einweihung von zwei sanierten Orgeln in Reetz und Schlamau verschoben werden, weil das Holz sich durch die Trockenheit zusammenzog. Damals wurden auch einige Maßnahmen empfohlen, mit jedoch geringer Wirkung. Dazu zählen das Aufhängen nasser Bettlaken oder wiederholtes feuchtes Wischen der Kirche.

In Wiesenburg waren eine Reparatur an den Windladen und anschließend eine umfassende Neustimmung nötig. Ausgeführt wurde diese von der Orgelbaufirma Schuke. „Im November 2019 wurde die Orgel gestimmt, was alle paar Jahre geschehen muss. Dabei wurden vom Mitarbeiter der Firma Schuke Risse in einigen Holzteilen entdeckt, die zur Folge haben, dass der Winddruck schnell wieder abfällt. Dies betraf unter anderem die Windladen, also Kästen, die den Winddruck aufnehmen und an die Pfeifen weitergeben. Die Risse sind wohl in den vergangenen beiden extrem trockenen Sommern entstanden, in denen die Luftfeuchtigkeit in der Kirche ungewöhnlich niedrig war. Dies hatte zur Folge, dass die Pfeifen nicht genügend Luft bekamen. Sie werden dann nicht nur leiser, sondern verändern auch ihre Tonhöhe, so dass eine Stimmung der Orgel unmöglich ist. Es wurde vereinbart, im Frühjahr diesen Jahres die Schäden zu beseitigen und die Orgel dann neu zu stimmen. Dazu gab es einen Spendenaufruf und ein Benefizkonzert. Die Spenden betrugen über 1.000 Euro, womit Reparatur und Stimmung fast vollständig bezahlt werden konnte“, informierte Pfarrer Stephan Schönfeld.

Hartmut Beyer von der Firma Schuke führte die Arbeitendurch. Die gerissenen Stellen wurden zum Teil mit Leder geklebt. Daneben wurde die Steinlast auf dem Blasebalg etwas erhöht, um den Winddruck zu erhöhen. Anschließend konnte die Orgel neu gestimmt werden. Hartmut Beyer ist froh, dass die Reparatur gelungen ist, wie er in seinen kurzen Einführungsworten vor dem Orgelkonzert in der Marienkirche erzählte. Und auch glücklich, bei den ersten Tönen dabei sein zu dürfen.

Die wiedergewonnen Klangfülle hat die Kirchengemeinde zum Anlass genommen ein Orgelkonzert zu veranstalten. Dafür konnte Professor Klaus Eichhorn aus Berlin gewonnen werden, einem ausgesprochenen Kenner der Orgelmusik aus der Erbauungszeit der Wiesenburger Orgel. Er war der Orgellehrer von Thekla Schönfeld, so dass immer noch gute Kontakte bestehen. Professor Klaus Eichhorn spielt Werke von Dietrich Buxtehude, Georg Böhm und Johann Sebastian Bach, wie sieschon vor 250 Jahren auf dieser Orgel gespielt worden sein könnten.

Die Wiesenburger Orgel ist ein wahres Schmückstück. Sie wurde 1755 von J. E. Hübner aus Wittenberg erbaut. Sie befindet sich auf der Empore an der Westseite des Hauptschiffs. Eine schwarze Tafel mit goldener Schrift erzählt von ihrer Geschichte. Eine erste Orgel hatte die Kirche bereitsim Jahre 1696 erhalten, erbaut von Christoph Donath aus Leipzig. Einige Teile der Vorgängerorgel sind auch erhalten geblieben. Die Orgel hat heute 17 Register auf zwei Manualen und einem Pedal. Sie wurde mehrfach restauriert und gestimmt. Durch zahlreiche Spenden konnte die Kirchengemeinde im Frühjahr 1999 notwendigen Reinigungsarbeiten an der Orgel durchführen lassen. Dabei ist es vor allem Werner Oeler zu verdanken, dass so viel Geld zusammenkam. Er ging damals von Haus zu Haus und bat um Spenden. Den größten Anteil hatte dabei die Mittelbrandenburgische Sparkasse mit 20.000 D–Mark. Die Orgel wurde gereinigt, neu gestimmt und es konnte auch der Balg mit neuem Leder bezogen werden. Werner Oeler bespielt das Instrument auch regelmäßig ehrenamtlich. Und jetzt kann man sie wieder in ihrer vollen Klangstärke hören.