Erstmalig in der Polizeidirektion West schwebte eine Drohne der Polizei dicht neben der Autobahn 2 zwischen den Abfahrten Wollin und Brandenburg. Ihr Ziel: Abstands-Sünden von LKW-Fahrern entlarven. Dafür war die Technische Einsatzeinheit (TEE) der Direktion „Besondere Dienste“ mit angerückt, die gemeinsam mit der Verkehrspolizei der Polizeidirektion West die dreistündige Kontrollmaßnahme durchführte. Hatte Polizeiobermeister und Drohnenpilot Jan Engler mit dem 30.000 Euro teuren Hightech-Teil einen Sünder ins Visier genommen, wurde das Abstandsvergehen aufgezeichnet, derweilen sich ein Polizei-Motorrad dem LKW näherte und ihn auf den nächsten Parkplatz lotste. An der Kontrollstelle wurden die Beweisbilder gezeigt und sogleich noch die Fahrzeuge unter die Lupe genommen, wobei sich fünf Verstöße wegen zu langer Lenkzeiten offenbarten. Die mittels Drohne entdeckten Abstandsvergehen summierten sich auf 22.
Plus fünf weitere Abstandsvergehen, die die Besatzung eines zivilen Videowagens der Polizei feststellte, der die Kontrollmaßnahme auf der BAB 2 flankierte. Alle LKW-Fahrer und deren Unternehmen müssen nun mit Bußgeldern rechnen. Allein der Abstandsverstoß kostet den LKW-Fahrer 80 Euro und einen Punkt. LKW müssen ab einer Geschwindigkeit von 50 Km/h einen Mindestabstand von 50 Metern einhalten, das entspricht dem Abstand zwischen zwei Leitpfosten (oder Markierungslinien) auf der Autobahn. „Das Unterschreiten der Mindestabstände ist immer noch eine Hauptunfallursache und verantwortlich für schwerste Unfälle“, begründet Einsatzleiter Sven Koppe, Leiter der Autobahnpolizei in der Polizeidirektion West, den Drohnen-Test. Frank Seidlitz, Leiter des Drohnengeschwaders – landesweit sind sechs Drohnen im Einsatz, sieht diverse Vorteile: „Wir können überall stehen, sind beinah unsichtbar. Auch ist die fast senkrechte Draufsicht für die genaue Abstandsmessung sinnvoll.“ Und sie ist nötig: Im ersten Halbjahr 2020 wurden in Westbrandenburg 35 Unfälle registriert, die aus zu geringen Abständen resultierten. „Insgesamt gab es in der Polizeidirektion West im ersten Halbjahr 2020 schon 263 Unfälle mit LKW-Beteiligung, wobei 179 von diesen auch durch LKW-Fahrer verursacht wurden“, weiß Polizeisprecher Heiko Schmidt.
Präventiv sieht Sven Koppe in der Drohne „ein geeignetes Kontrollhilfsmittel, welches noch einen gewissen Überraschungseffekt hat. In ihrer Arbeitshöhe zwischen 70 und 135 Metern wird sie nämlich, anders als neben der Autobahn stehende Geräte, so gut wie gar nicht vom fließenden Verkehr wahrgenommen. So sind gefährliche Fahrweisen zu dokumentieren, die bei Warnungen der LKW-Fahrer untereinander, nur schwer zu ahnden sind. Derartige Kontrollen werden wir in nächster Zeit sicher wiederholen.“ Drohnen-Chef Seidlitz geht noch weiter: „Wir wollen die Technik auch auf Bundesstraßen zum Einsatz bringen.“