Vorgenanntes Blatt übrigens war ein Presseorgan der National Demokratischen Partei Deutschlands (NDPD), die zu den vier sogenannten Blockparteien des allmächtigen SED-Apparates gehörte. Aber den nur maximal zwei (!) in der BNN-Lokalredaktion, Hauptstraße 39, tätigen Journalisten gelang es mit einer Art ideologischem "Ritt auf der Rasierklinge" zumeist relativ gut, der allgegenwärtigen, schier erdrückenden Agitation und Propaganda ebenso wie den unendlichen Wettbewerbs- bzw. Planzahlen sichtlich Grenzen zu setzen.
So wechselten auf der Brandenburg-Seite oftmals viele interessante Beiträge und Meldungen einander ab. Das übrigens wissen rückblickend selbst nach fünf Jahrzehnten noch etliche der einstigen Abonnenten zu schätzen. Sie hatten damals zudem längst gelernt, gewissermaßen auch zwischen den Zeilen zu lesen. Hier nun unser erster kleiner Abstecher in das "BNN"-Archiv von Juni 1970.
Immerhin 27 Tonnen Speiseeis verzehrten die Brandenburger im Monat Mai. "Trotz der ungünstigen Witterung konnten wir uns über mangelnden Umsatz nicht beklagen", so Georg Freier, Leiter der HO-Speiseeisproduktion in der Nuschkestraße (heute wieder Jacobstraße, d. Verf.). "Schon um 4 Uhr morgens beginnen sich hier die Anlagen zu drehen", erfuhren die BNN weiter bei ihrem Besuch dieser "leckeren" Betriebsstätte. Fünf Speiseeisbereiter, zwei Freezer sowie je eine Maschine für das Gefrorene in Bechern bzw. am Stiel gewährleisten tagtäglich den Nachschub. Meistens können alle Wünsche der vielen Schleckermäuler erfüllt werden. "Monatlich sind es mindestens 40 000 sogenannte Polarbecher und zugleich 80 000 Pinguin-Eis, die wir neben dem Streicheis bereitstellen. Letztgenanntes ist ja wohl bei den Kunden besser unter der Bezeichnung Kugeleis bekannt", erläuterte unser Gesprächspartner.
Die beiden Kraftfahrer Werner Klink und Richard Taube sind morgens dann bereits ab 4.30 Uhr nahezu pausenlos unterwegs, damit alle aus dem Stadt- und Landkreis aufgegebenen Bestellungen möglichst prompt berücksichtigt werden. Zuerst jedoch nehmen beispielsweise annähernd 1200 Liter Milch den Weg in diese Produktionsabteilung der volkseigenen Handelsorganisation. Danach sind bis zu 150 Thermen, gefüllt  mit jeweils 12 Kilogramm Eis in mehreren Sorten bei der täglichen Auslieferung gemäß Tourenplan keine Seltenheit. Zudem muß auch das Leergut wieder von den einzelnen Auftraggebern wieder abgeholt werden.
Innerhalb unserer Stadt heißt es, neben den drei Eisdielen und den Milchbars, darunter "Kaskade", "Picollo" sowie "Nordstern", eine beträchtliche Zahl von Verkaufsstellen zu versorgen. Hinzu kommen etliche Gaststätten der HO inklusive ihrer Kommissionspartner und fünf ambulante Stände im Brandenburger Stadtgebiet. "An den Wochenenden", so ergänzte Georg Freier zum Abschluß unseres Besuchs,  "werden die Ausflugslokale noch verstärkt beliefert".
Soweit diese mittlerweile 50 Jahre alte "BNN"-Schilderung. Ergänzend dazu ein aus heutiger Sicht notwendiger Nachtrag. Längst hatte zu damaliger Zeit die volkseigene Handelsorganisation mit ihrer Eisproduktion in der einstigen Mineralwasserfabrik Krause  das staatlicherseits gelenkte Monopol in unserer Stadt. Erst Anfang der 80-er Jahre gelang es dem Ehepaar Schult, nach Überwinden vielerlei Schwierigkeiten endlich (wieder) ein erstes, privates Eiscafé in Brandenburg zu eröffnen. In der Krakauer Landstraße wurde dann täglich zu früher Morgenstunde begonnen, die so hoch im Kurs stehenden Erfrischungen unterschiedlicher Geschmacksrichtungen selbst zu produzieren. Im Mai 1983 kam dank Initiative eines anderen Brandenburgers an der Ecke Franz-Ziegler-/Jahnstraße ein weiteres Eiscafé hinzu. Hier dominierte das aus Pulver in Freezern aufzubereitende Softeis. Kurios: Ein Kontingent für diesen seinerzeit fast wie Goldstaub begehrten Rohstoff auf Milchbasis konnte (oder wollte) die zuständige Versorgungsabteilung der Stadt bei Übergabe der nach Monaten "ergatterten" Gewerbegenehmigung nicht bereitstellen.
Dank einer kurzzeitig begrenzten Sonderreglung und jener so oft gepriesenen guten Beziehungen gelang der Geschäftsstart dann jeweils zumindest für einige Stunden täglich mit Streicheis aus dieser im obigen Artikel kurz vorgestellten HO-Produktion. Ergo: Das im Eiscafé benötigte Softpulver - sogar eine feste Plan-Kennziffer!- ließ sich in der Folge dann eben nur mit List und Tücke sowie manchem "Anreiz" beschaffen. Selbst Waffeln blieben oft Mangelware - heute schier unglaublich!