Rewe will nach Bad Belzig: Rewe nimmt einen zweiten Anlauf

Rewe plant auf dem Areal des früheren Getreidewirtschaftsbetriebes an der Brücker Landstraße einen modernen Lebensmittelmarkt zu bauen. Die Fläche ist mit Bauruinen bestanden.
B. KraemerDas Architekturbüro Thanheiser aus Dingelstedt hat im Auftrag der REWE–Kette den Antrag zur Einleitung eines Bauleitplanverfahrens gestellt. In erster Runde widmete sich der städtische Hauptausschuss dem Antrag. Nach einer kontroversen Diskussion verständigten sich die Ausschussmitglieder darauf, die Thematik in die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 15. Juni zu verweisen. Gleichzeitig soll der Investor eingeladen werden und Gelegenheit erhalten, sein Vorhaben vorzustellen.
Letzterer plant auf dem Areal des früheren Getreidewirtschaftsbetriebes an der Brücker Landstraße einen modernen Lebensmittelmarkt zu bauen. Die ins Auge gefasste Fläche ist mit Bauruinen bestanden. Die maroden Hallen aus DDR–Zeit sind teilweise einsturzgefährdet, gefährlich und wahrlich kein schöner Anblick. In Teilbereichen sind Belastungen mit Quecksilber in Gebäuden und in einem Sickerschacht belegt, die aus Produktionsrückständen der quecksilberhaltigen Beize des früheren Betriebes stammen. Im alten Batterielager sind Mineralkohlenwasserstoffe und Sulfate nachgewiesen. Das Areal an der Brücker Landstraße gilt als größter Schandfleck in der Kur– und Kreisstadt, um den andere Investoren einen großen Bogen machten. Bis auf die REWE–Kette, die mit dem erneuten Anlauf sein Interesse an Bad Belzig noch einmal deutlich untermauert hat. Die vor zwei Jahren getroffene ablehnende Entscheidung hatte auch für viele Diskussionen und teilweise Unverständnis unter der Einwohnerschaft geführt.
Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) sagte: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Ich habe beim ersten mal dagegen gestimmt. Aber jetzt sind wir einen Schritt weiter. Wir wollen in unserer Stadt Zuzug haben. Ein Magnet kann dabei helfen.“ Der Magnet — REWE — sieht indes nicht nur auf die Kaufkraft der Bad Belziger Einwohner, sondern über die Stadtgrenzen hinaus. Mit dem angedachten modernen Vollsortimenter an der Brücker Landstraße soll verloren gegangene Kaufkraft — durch Kunden die außerorts ihre Einkäufe tätigen — zurückgeholt werden. Wovon auch die Innenstadthändler profitieren könnten.
Michael Wipfli, Inhaber der Edeka–Märkte in der Stadt, verfolgte die Sitzung des Hauptausschusses und erhielt auf Antrag Rederecht. Er fürchtet, dass der geplante Straßenausbau der Brandenburger Straße mit der Neueröffnung des REWE Marktes zusammenfallen könnten und damit verbunden, Umsatzeinbußen. Bauamtsleiter Robert Wildgrube gab diesbezüglich zu bedenken, dass allein der Planungsprozess bis zu 1,5 Jahren dauert und der Markt dann, auch noch errichtet werden muss. Ob es zu Überschneidungen mit dem geplanten Straßenbau kommen könnte, soll bis zur Sitzung der Stadtverordneten überprüft werden.
„Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Wir sollten vielmehr die Chance nutzen, den Schandfleck endlich loszuwerden“, sagte Jana Stephan. Die Christdemokratin erinnerte die Parlamentarier zugleich daran, dass die Stadt eigentlich wachsen will — doch dazu braucht es eine vorhandene Infrastruktur. „Wir müssen als Stadtverordnete für die ganze Stadt denken“, so Stephan weiter.
Ingo Kampf (SPD) erinnerte im Rahmen der Diskussion auch an Bad Belzigs Funktion als Mittelzentrum, damit verbunden an die Bemühungen um den Erhalt des Kreisverwaltung in hiesiger Stadt. In diesem Zusammenhang nahm er Bezug auf Landrat Wolfgang Blasig (SPD), der bereits des öfteren kritisierte, dass die Bad Belziger Stadtverordneten die Entwicklung ihrer Stadt ausbremsen würden. „Ich tu mich auch schwer mit der Entscheidung, aber wir sollten darüber nachdenken, was wir wirklich wollen in Bad Belzig“, so Kampf.