Schach-Geschichten
: Wiesenburger Manfred Kuhle wagte den Sprung auf die Insel

Manfred Kuhle half beim Hamburger SK als Dolmetscher aus und ging auf der britischen Inseln seinem Lieblingshobby - Schach - nach.
Von
Manfred Kuhle
Wiesenburg
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  • Hier spielen Rustem Dautov und Alexei Shirov gegeneinander, unter den wachsamen Augen Manfred Kuhles.Fotos: privat

    Hier spielen Rustem Dautov und Alexei Shirov gegeneinander, unter den wachsamen Augen Manfred Kuhles.Fotos: privat

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  • Christian Zickelbein leitet bis heute die Geschicke beim Hamburger SK 1830.

    Christian Zickelbein leitet bis heute die Geschicke beim Hamburger SK 1830.

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  • Der Hamburger SK sicherte sich schon früh die Dienste von Manfred Kuhle.

    Der Hamburger SK sicherte sich schon früh die Dienste von Manfred Kuhle.

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  • Mit diesem Einladungsschreiben sicherte sich Manfred Kuhle seinen Start beim Turnier in Hastings.

    Mit diesem Einladungsschreiben sicherte sich Manfred Kuhle seinen Start beim Turnier in Hastings.

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  • Fünf Stunden dauerte die Partie zwischen Manfred Kuhle und dem U10-Weltmeister Luke McShane, die das junge Schachgenie knapp für sich entschied.

    Fünf Stunden dauerte die Partie zwischen Manfred Kuhle und dem U10-Weltmeister Luke McShane, die das junge Schachgenie knapp für sich entschied.

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Aus Georgien oder auch der Grusinischen SSR kamen bemerkenswerte Schachspieler: die weltbesten Damen jener Zeit, wie etwa Nona Gaprindaschwili und Maja Tschiburdanidse oder bei den Herren der IGM Georgadse. Zur Namenskunde:- alle -idses und –adses sowie –ilis und –wilis sind Georgier, alle –ians sind Armenier.

Kuhles ehemaliger Nachbar in Wiesenburg, Christian Zickelbein, war Lehrer, Organisator, Jugendförderer und  bis heute Präsident des Hamburger SK und dies seit den frühen 50er Jahren. Sein Projekt im Jugendschach - „Linker gegen rechtes Alsterufer“ – führte er über Jahrzehnte und es gab die entsprechende Anerkennung. Er ist unter anderem Träger des Bundesverdeinstkreuzes.

Als Präsident des Gründungsmitgliedes der Schach-Bundesliga (zusammen mit Aljechin Solingen und Köln-Porz immer dabei), war Zickelbein auch Bundesligasprecher. Er leitete die Geschicke des Klubs auch unter dem Namen „HSK im HSV“. Als die große Zeit des Fußball-HSV mit entsprechendem Sponsoring zu Ende ging, erfolgte eine Ausgliederung und der alte Name wurde beibehalten.  Die Eishockeyabteilung ging kaputt, der HSK existiert weiter.

Der hervorragendste Spieler des HSK war Alexej Shirov, den Kuhle persönlich betreute. Der Balte, der es in seiner Glanzzeit auf Rang 2 der Weltranglisten brachte, wurde sehr unglücklich um einen WM-Kampf in London gegen Garri Kasparow gebracht. Weltmeister Kasparow wurde übrigens einmal von der HSK-Mannschaft im Simultankampf besiegt.

Bei Kuhles ersten Englisch-Kurs in London wurden die Studenten nach ihrem Anreiseweg gefragt. Eine Japanerin benötigte dank des Überschallflugzeugs Concorde für die etwa 14.000 Kilometer lediglich einen Tag. Kuhle sorgte für ungläubiges Staunen, als er für seine Anreisezeit aus Ost-Deutschland 14 Tage angab. Sein Weg war aber auch alles andere als direkt.  Per Bahn ging es nach Düsseldorf, wo er ein Tennismatch besuchte.  Die Mutter eines Tennisfreundes, die bei der Dresdner Bank arbeitete, verschaffte ihm einen günstigen Devisentausch. Vom belgischen Oostende setzte er per Luftkissenboot nach Dover über. Von dort ging es nach Hastings, wo ihm der englische Großmeister Dr. John Nunn half beim Start im dortigen Traditionsturnier. „Es war die zweitstärkste Gruppe unter elf Kategorien. Eigentlich viel zu hoch für mich, aber Interessant“, gab Manfred Kuhle zu.

Er traf dort unter anderem auf den U10-Weltmeister, dem damals 12-Jährigen Luke McShane, der heute noch zu den führenden Großmeistern Englands zählt. Er wurde von einer Computerfirma mit einer fünfstelligen Pfund-Summe für Trainer, Turnierreisen und anderes gesponsert. Um ein Haar hätte der Wiesenburger ein remis erreicht, musste sich aber nach fünf Stunden zähen Kampfes im Turm-Bauern-Endspiel knapp geschlagen geben.  Von Hastings zog es Kuhle ins benachbarte Battle um englische Geschichte auf historischer Basis zu erleben. In Battle besiegte 1066 „William the Conqueror“ den englischen König Harald II. Erst danach ging die Fahrt weiter in die britische Metropole.

Interessiert waren die asiatischen Mitstudenten vor allem an der unblutigen Revolution in Ostdeutschland. Aus Sicht der Japaner und Koreaner unglaublich: „Bei uns wären Köpfe gerollt.“

Kuhles Strategie in England war nicht Schach, wie in Russland, sondern Fußball. Er ersuchte bei der Football Association (FA) um einen Job in Vorbereitung und Durchführung der Fußball-Europameisterschaft 1996.  Er bekam einen unbezahlten, der aber „Gold“ wert war, um den ihm eine ganze Nation beneidete.  Obwohl fast alle englischen Stadien ausverkauft waren, blieb ihm der Zugang nie verwehrt. Wembley wurde quasi zu seinem Wohnzimmer. Der Wiesenburger bekam so auch Kontakt zu einer besonderen Fußball-Legende. 1995 war Pele in seiner damaligen Funktion als  brasilianische Sportminister zu Gast in Wembley. Er schaute sich den 3:1-Erfolg seiner Nationalelf über die Engländer an und Kuhle hatte für fünf Minuten die ungestörte Aufmerksamkeit des Ausnahme-Fußballers.

In Hastings trat der Wiesenburger insgesamt viermal an – und zwar unter dem Motto: Your kraut is back. Dort hatte er ein phantastisches Quartier, eine zypriotische Taverne namens „Aphrodite’s Taverna“, die sich exakt gegenüber dem Spielort am Pier befand.  Manfred Kihle fand viele neue Freunde beim Schach in Hstings. Nur eins blieb ihm versagt. Zu seinem großen Bedauern kam es in seiner hohen Turnierkategorie nie zu einem Match gegen David Bronstein, dem „verhinderten Weltmeister“.