Anlässlich des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit richtete Oberbürgermeister Steffen Scheller „auch wegen der besonderen Bedeutung der freien und demokratischen Stadtverordnetenversammlung“ folgende Worte an die am 30. September 2020 im Rolandsaal des Rathauses versammelten Stadtverordneten und gern auch an die Öffentlichkeit: „Wir alle haben zu diesem Jubiläum noch die Bilder des Mauerfalls vor Augen: Mutige Menschen, nicht nur bei den Leipziger Montagsdemos, sondern auch in unserer Stadt stehen auf gegen Unfreiheit, Unrecht und Unterdrückung. Dieser friedlichen Revolution auf den Straßen verdanken wir unsere heutige Freiheit. Wir alle erinnern uns an die folgenden turbulenten Monate:

Erstmals freie und demokratische Wahlen

Erstmals freie und demokratische Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990 und dann freie und demokratische Kommunalwahlen am 6. Mai 1990, die auch der historisch freie Beginn unserer heutigen Stadtverordnetenversammlung ist und den Personen wie zum Beispiel Herbert Nowotny von Anbeginn miterlebt und mit viel Engagement und Ehrenamt mitgestaltet haben. 1990 erfolgen Verhandlungen über die Deutsche Einheit mit den Supermächten und europäischen Partnern, die dem Projekt der deutschen Wiedervereinigung anfangs nicht nur wohlgesonnen gegenüberstanden.

Der Wille des Deutschen Volkes, wieder vereint zu sein

Mit den 2 + 4-Verträgen wird der Wille des Deutschen Volkes, wieder vereint zu sein, letztlich aber auch völkerrechtlich anerkannt und umgesetzt. Die unverrückbare Einbettung unseres geeinten Deutschlands in ein freies und demokratisches Europa ist ebenso ein Ergebnis dessen, wie die längste Phase von andauerndem Frieden, die es je in Europa gegeben hat. Die meisten von uns sind damit die erste Generation, die keinen Krieg in Europa erlebt hat und wir dürfen unseren Vorvätern und Müttern für das in der Deutschen Einheit historisch einmalig erreichte Glück dankbar sein.

Dr. Sabine Bergmann-Pohl am 23. August 1990

Wir alle haben uns die Entwicklung unserer Stadt nicht vorstellen können, als die damalige Präsidentin der ersten freien Volkskammer, Dr. Sabine Bergmann-Pohl, am 23. August 1990 das überwältigende Abstimmungsergebnis zum Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes „mit Wirkung vom 03. Oktober 1990“ erklärte. Wer sich noch einmal alte Originalaufnahmen aus der damaligen Zeit ansieht, der weiß: Die ostdeutschen Städte standen mit maroden Innenstädten, schweren Umweltschäden und einer insgesamt nicht wettbewerbsfähigen Industrie vor gewaltigen Herausforderungen. Dass diese Herausforderungen zudem von Bürgerinnen und Bürgern bewältigt werden mussten, die auch selbst gerade erst in ein völlig neues Stadtparlament gewählt wurden und in einer auf völlig neuen Grundlagen stehenden Verwaltung arbeiteten, bestätigt das Ausmaß der anstehenden Aufgaben.

Die Entwicklungen der frühen 1990er Jahre sind turbulent

Die Entwicklungen der frühen 1990er Jahre sind turbulent und bedeuteten für die Bürgerinnen und Bürger in Ostdeutschland große Veränderungen, die Aufgabe und den Verlust von fest geglaubten Sicherheiten und den Mut und die Kraft, neue Wege zu gehen. Auch für unsere Stadt ist diese frühe Entwicklung wechselhaft. Aber gemessen an den enormen Herausforderungen der damaligen Zeit, können wir uns alle gemeinsam zum 30jährigen Jubiläum eben doch über eine große Erfolgsgeschichte freuen.

Wer 1990 erzählt hätte...

Wer 1990 erzählt hätte, dass es in Brandenburg an der Havel 30 Jahre später eine medizinische Universität und eine Technische Hochschule gibt, dass sich hier das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten niederlassen wird und die Deutsche Rentenversicherung Bund deutschlandweit die Riesterrente berechnen lässt oder das Technische Hilfswerk den deutschlandweit größten Bundesausbildungsstützpunkt einrichtet - all das hätte man nicht für möglich gehalten oder gar als Hirngespinst bezeichnet. Genauso, wie die Vorstellung, dass ‚ZF‘ in Brandenburg an der Havel einmal hochmoderne Doppelkupplungsgetriebe für Porsche & Co. produziert und mit ‚Heidelberger‘ der weltgrößte Produzent von Druckmaschinen ein komplettes Werk errichtet. Von einer Bundesgartenschau im Jahr 2015 mit 1 Mio. Besuchern in unserer Havelregion aus ganz Deutschland und Europa ganz zu schweigen.

„Unser Dank“

Allen, die als Stadtverordnete oder in der Stadtverwaltung oder im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben in unserer Stadt an dieser außerordentlich erfolgreichen Entwicklung mitgewirkt haben, sind wir zu Dank verpflichtet und denen dürfen wir heute auch unseren Dank aussprechen.“