Weihnachten
: Warum das Lied „Süßer die Glocken nie klingen“ mit Lehnin verbunden ist

Die Kritzingergasse in Lehnin trägt den Namen von zwei Brüdern, die im 19. Jahrhundert berühmte Künstler wurden.
Von
Th. Messerschmidt
Lehnin
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  • Bürgermeister Uwe Brückner, Engel Levke, Ortsvorsteher Frank Niewar und Musiker Andreas Behrendt (v. l.) haben die Gedenktafel für die Gebrüder Kritzinger in der neuerdings nach ihnen benannten Gasse enthüllt.

    Bürgermeister Uwe Brückner, Engel Levke, Ortsvorsteher Frank Niewar und Musiker Andreas Behrendt (v. l.) haben die Gedenktafel für die Gebrüder Kritzinger in der neuerdings nach ihnen benannten Gasse enthüllt.

    Th. Messerschmidt
  • Endlich hat die Gasse im Lehniner Zentrum einen Namen und erinnert an die in Lehnin geborenen Schöpfer des Weihnachts-Welthits „Süßer die Glocken nie klingen“.

    Endlich hat die Gasse im Lehniner Zentrum einen Namen und erinnert an die in Lehnin geborenen Schöpfer des Weihnachts-Welthits „Süßer die Glocken nie klingen“.

    Th. Messerschmidt
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Der Kloster Lehniner Musiker und Leiter der Musica Mediaevalis Andreas Behrendt hat seit 2018 zur Familiengeschichte der Kritzingers wissenschaftlich recherchiert und auch mit Berliner Nachfahren gesprochen. Die Recherchen sind in eine Gedenktafel eingeflossen, die am ersten Adventssonntag von Andreas Behrendt, Bürgermeister Uwe Brückner, Ortsvorsteher Frank Niewar und einem Engel — der neunjährigen Levke Hadler —  im Zentrum von Lehnin enthüllt wurde. Einher ging damit die „Taufe“ der bisher namenlosen Gasse neben dem Blumenladen Kreutzer, die eine beliebte Abkürzung vom Marktplatz in die Emstaler Landstraße ist und nun „Kritzingergasse“ heißt. Benannt ist sie nach den Brüdern Friedrich Wilhelm Kritzinger (1816—1890) und Ludwig Kritzinger (1823—1894), die den Text des bekannten Weihnachtsliedes „Süßer die Glocken nie klingen“ verfasst haben.

Die Brüder Kritzinger wurden in Lehnin geboren

Beide Kritzingers wurden in Lehnin geboren und haben hier die Klosterschule besucht. Ihre Ururgroßeltern hatten einst die Salzburger Heimat verlassen müssen, weil sie ihrem evangelischen Glauben nicht abschwören wollten. Sie landeten in Merseburg, den Sohn aber zog es nach Leipzig, wo wiederum zwei Söhne und eine Tochter das Familienglück komplettierten. Sproß Wilhelm Abraham Laberecht war es wiederum, den die Wirren der Freiheitskriege nach Preußen brachte. „In Lehnin“, so hat es Andreas Behrend der Kritzinger’schen Familienchronik entnommen, „ fand er eine Anstellung als Oekonomie–Schreiber und wurde schließlich Sekretär beim Königlichen Rentamt zu Lehnin.

Beide Kritzingers frönten der Dichtkunst

Am 17. Mai 1817 heiratete er die Tochter des Lehniner Schneidermeisters Georg Schulze“, woraus die Brüder Friedrich Wilhelm (Theologe) und Ludwig (Schulmeister) hervorgingen. Beide frönten der Dichtkunst, was u. a. in zwei Gedichtbänden mündete sowie in der Abhandlung „Kloster Lehnin und seine Sagen“. Und wer von beiden hat nun „Süßer die Glocken nie klingen“ verfasst? Laut Forscher Behrendt ist „die Quellenlage nicht eindeutig“. In alten Gesangsbüchern taucht manchmal der ältere Bruder als Verfasser auf; laut Familiengeschichte aber sei Ludwig der Dichter des bekannten Weihnachtsliedes. Klar ist hingegen, dass die Melodie von einem Thüringischen Volkslied stammt. Jedenfalls wurde sich in Lehnin dafür entschieden, die Gasse den Kritzingers und somit beiden Brüdern zu widmen.  

Bäckerei Kirstein backt wieder „Lehniner Glocken“

Bürgermeister Uwe Brückner: „Wir können stolz darauf sein, solche namhaften Künstler in unserer Gemeinde gehabt zu haben. Von daher war es längst überfällig, eine Straße oder einen Weg nach ihnen zu benennen. Nun ehren wir sie mit der Benamung dieser zentral gelegenen Gasse“.

Umrahmt wurde die Enthüllung von der „Lehniner Choralschola“, die natürlich dem Anlass und dem ersten Advents entsprechend „Süßer die Glocken nie klingen“ sangen. Als Dank dafür gab es leckere „Lehniner Glocken“, die die Bäckerei Kirstein wieder ins Backprogramm aufgenommen hat.