Wetterbeobachtungen zum Jahreswechsel
: „Lange und bange Nächte“

Die Tage zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar standen einst unter genauer Beobachtung. In den Sternen glaubten die Menschen Hinweise auf das Wetter der kommenden Monate erkennen zu können.
Von
Bärbel Kraemer
Fläming
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"Steckt die Krähe zu Weihnacht im Klee, sitzt sie Ostern oft im Schnee."

Sammlung Kraemer

Mit ihnen eng verbunden war die Gestalt der „Frau Harke“ (Anm.: auch Frau Holle genannt). Man glaubte, dass sie während der Zwölften durch Häuser, Höfe, Ställe, Gärten und Felder schritt — um Menschen, Tiere und Pflanzen zu segnen.

Die Erkenntnisse der Sternenbeobachtungen passten garantiert in irgendeine alte Wetterregel, von denen es viele gab.

Standen die Sterne in den Zwölften beispielsweise hell und klar am Himmel, galt dies als sicheres Zeichen für eine reiche Obsternte. Eine helle und klare Nacht am Heiligenabend glaubte man als einen Vorboten für ein segensreiches Jahr deuten zu können. Ferner hieß es: Ist es windig an den Weihnachtstagen, so sollen die Bäume viel Früchte tragen. Ging mit dem Dezember Vollmond jedoch ein starker Nordwind einher, so sollte darauf eine harte und lang anhaltende Frostperiode folgen.

Passend zu milder Witterung im Dezember standen diese Wetterregeln zur Verfügung: Steckt die Krähe zu Weihnacht im Klee, sitzt sie Ostern oft im Schnee. Fließt noch der Birkensaft, dann kriegt der Winter keine Kraft. Wenn es um Weihnacht ist feucht und nass, so gibt es leere Speicher und Fass. Oder: Dezember veränderlich und lind, der Winter ein Kind.

So sonderbar wie die alten Wetterregeln heute auch klingen mögen — ein Hauch Wahrheit scheint dennoch in ihnen zu liegen. Ein Beispiel: „Dezember kalt mit Schnee tut dem Ungeziefer weh, gibt Korn auf jeder Höh und tüchtig Gras und Klee.“

Während die Altvorderen um das Weihnachtsfest herum nach Kräften bemüht waren, einen  Weihnachtsbraten, Äpfel, Kuchen, Nüsse und Honig aufzutischen, bestand die typische Silvestermahlzeit in hiesiger Region aus Hülsenfrüchten.

Ob diese, weil schwer verdaulich, dem Karpfen weichen mussten, ist nicht nachzuvollziehen. Nur so viel ist sicher. Zu Beginn der 1930er Jahre hatte der Fisch bereits die hiesigen Tische erobert.

Wo kein Karpfen zu haben war, aß man Heringssalat. Wichtig bei der Zubereitung der Flossentiere war, auf den Rogen zu achten, denn der sollte für das kommende Jahr Reichtum bringen. Auch war es vielerorts Brauch, eine Schuppe des Fisches in die Geldbörse zu legen — damit das Geld darin nicht alle wird.

Nach dem Essen gab es einen Punsch, dazu Pfannkuchen oder Klemmkuchen (Anm.: auch Iserkuke genannt). Der dünnflüssige Teig für die süße Leckerei musste zuvor zwischen zwei viereckigen Eisenplatten, ähnlich einem Waffeleisen, über offenem Feuer gebacken werden. Die Handhabung dieser Klemmkucheneisen war mit Schwerstarbeit verbunden.

Aber auch Napfkuchen mit eingebackenen Kaffeebohnen wurde aufgetischt. Es hieß, wer die Bohne erhält, verlobt sich im folgenden Jahr. Auch Hefeplinsen waren ein beliebtes Silvestergebäck.

Nach dem Essen widmete man sich dem Blei gießen. Mit großer Sorgfalt wurde einst auch der Brauch gepflegt, gut tragende Obstbäume am Silvesterabend kreuzweise mit Strohbändern zu umwickeln. Bäume, an denen das Obst jedoch nicht gedeihen wollte, wurden gestraft. Ihnen legte man einen Stein in die Astgabel.

Gepflegt wurde auch der alte Brauch, dass junge Mädchen am Silvesterabend einen Holzscheit aus einem Holzdiemen zogen. Es hieß: „Ist er krumm, so wird der zukünftige nicht viel besser, ist er gerade, wird er hübsch und ansehnlich.“