Plattenbauten schienen mit dem Untergang der DDR dem Verfall und Rückbau preisgegeben. Allenfalls als günstiger Wohnraum wurde ihnen eine Überlebenschance eingeräumt. Doch mehren sich die guten Beispiele, wie „die Platte“ vernünftig zu sanieren ist und sogar ins moderne Wohnen überführt werden kann. Ein Spezialist dafür ist die WBG Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg eG. Sie baut auf die Platte und beteuert sogar „Wir lieben die Platte“. Diesem Motto wollte sie bereits 30 Jahre nach der Wiedervereinigung geballtes Leben einhauchen, wurde aber durch die Corona-Pandemie ausgebremst.

Sie liebt die Platte wirklich

So strahlt die Platten-Liebe nun im Sommer 2021 aus – und zwar mitreißend in der Brösestraße 16 inmitten von Hohenstücken. Dort wird wird am 10., 17. und 24. Juli 2021 die Ausstellung „ddr auf 60qm“ gezeigt – ein Projekt des Künstlers Martin Maleschka, der auch freiberuflicher Redakteur, Autor und Fotograf ist und längst Fachmann für Kunst und Bau der DDR. Wenngleich erst 1982 geboren. Was ihn fasziniert: die Formgestaltung!

DDR-Design ist langlebig

„Die DesignerInnen der DDR haben sich über Formgebung und Langlebigkeit Gedanken gemacht“, findet Maleschka, der 2019 die künstlerische Installation „WOHNMASCHINE“ in Eisenhüttenstadt geschaffen hat und das Buch „Baubezogene Kunst. DDR. Kunst im öffentlichen Raum 1950-1990“ veröffentlichte. Nun folgt die Ausstellung in Brandenburg in der Brösestraße 16 verteilt auf zwei Wohnungen, von denen sich eine echten DDR-Charme bewahrt hat. Beim Öffnen der Wohnungstür machte Maleschkas Herz Freudensprünge: Türen und Flurtapete hatten Jahrzehnte überdauert.

Die Retro-Wohnung(en)

In dieser „Retro-Wohnung“ sowie einer weiteren hat er nun Möbel und Inventar von BrandenburgerInnen platziert, die im Vorjahr dem Mit-Mach-Aufruf der WBG nachgekommen waren und so auch das Erstellen des WBG-Jahreskalenders 2021 ermöglicht hatten. „Diese Ausstellung ist für all jene interessant, die die Ästhetik und das Heimatgefühl der ‚Platte‘ schätzen oder wiederentdecken wollen, zumal Gegenstände und Exponate aus dem Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR aus Eisenhüttenstadt Erinnerungen wecken“, sagt WBG-Marketingfrau Katja Fischper, die ihrerseits zwei leerstehende Plattenwohnungen zu Werbezwecken hergerichtet hat.  

Werbung für die Platte

Sie offenbaren Blicke in die Zukunft der Platte, die neu interpretiert wird und alte sowie neue Liebhaber begeistern soll. Beispielsweise durch Entnahme von Trennwänden. Fischper: „Wir wollen zeigen, was man durch Instandsetzung im Innern aus der Platte machen kann, ohne äußerlich den DDR-Charme zu nehmen.“  
Wer sich von der Platten-Liebe anstecken lassen möchte: Die Ausstellung ist am Samstag, den 10. und 17. sowie 24. Juli in der Zeit von 10:00 – 12:00 und 14:00 - 16:00 Uhr in der Brösestraße 16 in 14772 Brandenburg an der Havel geöffnet.