Zurück in der Heimat: Reisebericht aus Mosambik als Dank an die BRAWO-Leser

Lisanne konnte sich ihren Traum von einem Jahr in Mosambik erfüllen – auch dank des Engagements der BRAWO-Leser, die sie mit Spenden unterstützten.
MOZ.deNach einem aufregenden Jahr in Mosambik ist Lisanne nun zurück und bedankt sich mit einem Reisebericht, der zeigt, wie wertvoll die vergangenen Monate für Lisanne waren.
„Es ist nun fast genau ein Jahr her, dass ich mich ins Flugzeug setzte, völlig ungewiss dessen, was mich erwarten würde. Ich war auf dem Weg in ein Land, von dem ich noch wenig wusste. Mit einem der höchsten HIV- Prävalenzen, einem Durchschnittsalter von ca. 17 Jahren, einem Bruttoinlandsprodukt von 36,73 Milliarden US-Dollar (2017) und Platz 181 von 188 Ländern im Index der menschlichen Entwicklung(2016) ist Mosambik eines der ärmsten Länder der Welt. Aber sind das die Fakten, die ein Land ausmachen? Sind es nicht viel mehr die immer und überall laufende Musik, die bunten Kleidungen, das leckere Essen, die wunderbare Meeresluft, die spielenden Nachbarskinder und die freundliche Begrüßung der Obstverkäuferin, die ein echtes Bild vermitteln?
Ein Jahr ist eine lange Zeit und es ist sehr schwer, es in Worte zu fassen. Deshalb beginne ich am besten einmal von Anfang an: Nach meinem Abitur habe ich mich dafür entschieden, mich nicht direkt ins Studium zu stürzen, sondern einen Freiwilligendienst in einem Zentrum für Straßenkinder in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, zu machen. Wie auch meine Entsendeorganisation „ ICJA e.V.“ allen Volontären im Voraus klarmacht, wusste ich, dass ich als unausgebildete Abiturientin nicht dort hingehe, um die „Welt zu verändern“ oder „die Straßenkinder zu retten“. Vielmehr soll es ein Lerndienst sein, indem wir Freiwillige eine andere Realität kennenlernen, interkulturelle Erfahrungen machen und somit ein größeres Bewusstsein für diese Welt entwickeln.
So haben wir nicht nur in einem Projekt gearbeitet, sondern unter anderem auch in mosambikanischen Gastfamilien gelebt, die chaotischen öffentlichen Verkehrsmittel genutzt, die Amtssprache Portugiesisch gelernt und das typische regionale Essen gegessen, um einen tiefen und echten Kontakt mit der Kultur zu haben.
Mein Projekt „Centro Juvenil Ingrid Chawner“ bietet 36 Jungen, die aus den verschiedensten Gründen von Zuhause auf die Straße geflohen sind, für einen gewissen Zeitraum ein Zuhause, Schulbildung und Freizeitangebote. Währenddessen arbeitet es mit den Familien der Jungen zusammen, um die Gründe des Verlassens zu klären und Probleme zu beheben, sodass sie nach ein paar Jahren wieder in ihre Familie reintegriert werden können.
Ich muss gestehen, dass ich es schwierig fand, meine Rolle als Volontärin im Projekt zu finden. Nicht nur, dass es lang sprachliche Barrieren gab, die Jungs aus komplizierten Verhältnissen kommen und dadurch nicht gerade brave Kinder sind, sondern auch die teilweise sehr unorganisierte und komplizierte Struktur im Tagesablauf und in der Umsetzung von eigenen Ideen, trieben mich oft ganz schön in den Wahnsinn. Trotz dessen sind mir die Jungs eng ans Herz gewachsen und ich habe durch die Arbeit mit ihnen viel gelernt und bin über meine Grenzen hinausgewachsen.
Obwohl ein Jahr eine lange Zeit ist, vergeht es doch so schnell. Alles was mir anfangs noch ungewohnt und fremd war, ist nun ein ganz normaler Teil meines Alltags. Mosambik ist mein Zuhause geworden und meine Nachbarn meine Freunde. Rückblickend war es eine sehr prägende Zeit, die mich herausgefordert hat, in der ich viel erleben durfte, eine Zeit, die mehr Höhen als Tiefen hatte und die ich niemals missen wollen würde.
Jedem Abiturienten kann ich empfehlen ein solches Jahr zu verbringen, bevor es ins Studium oder die Ausbildung geht. Denn ganz ehrlich: was lernt man schon in der Schule? Das richtige Leben beginnt erst außerhalb der Schulbücher.
Mit diesem Bericht möchte ich mich ganz herzlich bei allen Spendern bedanken, die mich nach meinem Spendenaufruf in der BRAWO am 20.10.2017 finanziell unterstützt haben und mir geholfen haben, dieses Jahr zu ermöglichen.“