150 Jahre
: Großes Jubiläum für Klandorfs Kirche

Im Ort steht bald ein historisches Jubiläum an. Die Klandorfer Dorfkirche feiert am 16. Februar den 150. Geburtstag, natürlich stilecht mit einem großen Fest für alle.
Von
Susan Hasse
Klandorf
Jetzt in der App anhören

Klein aber fein: Die Akustik in der gemütlichen Dorfkirche wird von Musikern gelobt.

Sabine Müller

Die kleine Kirche in Klandorf feiert im Februar ihr 150–jähriges Bestehen. Anlass genug für die Kirchengemeinde zurück und zugleich nach vorn zu blicken.Am 16. Februar wird es im kleinen Schorfheide–Dorf ein großes Fest für alle geben.

Gut Ding will Weile haben, weiß der Volksmund schon lange. Geschlagene sechzig Jahre kämpften die Klandorfer für ein eigenes Gotteshaus. Im Jahre 1869 war es endlich so weit: Die Kirche bzw. zu diesem Zeitpunkt noch ein Bethaus wurde offiziell geweiht.

Der Kirchenbau in Klandorf war letztlich auch die manifest gewordene Abgrenzung zum einstigen Herkunftsort Groß Schönebeck. Dazu muss man die Gründungsgeschichte Klandorfs kennen: Im Jahre 1809 wurden 16 alteingesessene Groß Schönebecker Bauernfamilien enteignet und kurzerhand vor die Tore des Dorfes gesetzt. Sie sollten sich auf ihren Ländereien „am Klan“ ansiedeln. Diese drakonische Maßnahme schien notwendig, da es in den Jahren zuvor zu Großbränden in Groß Schönebeck gekommen war. Schuld daran war auch die enge Bauweise der Gehöfte, das Feuer konnte schnell übergreifen. Die neuen Höfe sollten mit Abständen zueinander gebaut werden. Unter Zwang kam es so zur Zwangsaussiedlung der sogenannten Kossätenfamilien,  erzählt Heimatchronist Helmut Suter. Es folgten dramatische Jahre für die Vertriebenen: Bis die neuen Häuser standen, mussten sie in Scheunen hausen. Und so wundert es kaum, dass die ersten Klandorfer Neugeborenen nach wenigen Tagen starben, wie das Kirchenbuch vermerkte.

Doch die Klandorfer ließen sich nicht unterkriegen: Nach und nach wuchs aus dem Sandboden ein respektables Dorf heran.  Zum sonntäglichen Kirchgang sind die Klandorfer allerdings weiterhin nach Groß Schönebeck gegangen. Doch an Feiertagen fanden sie dort ihre angestammten Plätze plötzlich durch Groß Schönebecker besetzt, erzählt Helmut Suter, der zur Geschichte des Dorfes tief in den Archiven geforscht hat. Zu welchen Szenen es dereinst zwischen den Bürgern gekommen sein muss, kann man sich bildhaft vorstellen. Eine eigene Kirche musste her. Ab 1819 wurde zunächst ein Raum in der neugegründeten Schule für den Gottesdienst hergerichtet, erzählt Pfarrerin Sabine Müller, die heute die Kirchengemeinde leitet.

Die Klandorfer zahlten ihre Abgaben an das Pfarramt Groß Schönebeck. Auf den Antrag doch endlich ein eigenes Gotteshaus zu errichten, hieß es jedoch immer wieder, das sei zu teuer. Immer wieder starteten die Klandorfer einen Versuch. Sie verwiesen auf die Einwohnerzahlen, die belegten dass in der Kirche Groß Schönebeck nicht genug Platz für alle sei. Endlich, im Jahre 1861, genehmigte die königliche Regierung schließlich ein „Bethhaus“ für Klandorf.  Schon damals brauchte es zur Planung des Neubaus lange: geschlagene acht Jahre vergingen bis am 9. Februar 1869 die Kirche geweiht wurde. An diesem Tag stand erneut kein guter Stern über Klandorf:  die neue Kirchenglocke stürzte beim Läuten auf die Kirchenlatten. Verletzt wurde niemand, doch es war der Beginn zahlreicher Baumängel, die später zutage traten. 1873 wurden entsprechende Briefe an die Kirchenbehörde versandt, wie Helmut Suter herausfand. Behoben wurden viele Schäden letztlich allerdings erst 1915, als das Bethaus sogar einen Kirchturm mit Uhr bekam. In der DDR–Zeit schrumpfte die Zahl der Gemeindemitglieder und der Zustand der Kirche verschlechterte sich zusehends.

Heute hat der Ort noch 50 Kirchenmitglieder, so Pfarrerin Müller und einen sehr aktiven Ältestenrat. Angelika Pankratz, Angelika Gielsdorf und Uwe Schneider bereiten zusammen mit dem Pfarramt am 16. Februar ein großes Fest für alle vor. Auch eine Festschrift zur Geschichte wird gedruckt.  Um 16 Uhr wird es einige Begrüßungsworte geben, um 17 Uhr ein Festgottesdienst und anschließend ein kleiner Empfang für alle Klandorfer und Gäste, verrät Angelika Pankratz. Die Kirche hat als letzter öffentlicher Ort auch heute eine wichtige Funktion in Klandorf, ist Pfarrerin Müller überzeugt. Sie wünscht sich, dass das Haus weiter mit Leben erfüllt wird und dort künftig Konzerte und Lesungen stattfinden. Kirche sei schließlich ein wichtiges Kulturgut und im 201–Seelen–Dorf Klandorf Symbol für den Zusammenhalt einer Dorfgemeinschaft.