400 Jahre
: Treuetaler zum Jubiläum des Finowkanals in Eberswalde

Die Feierlichkeiten zum 400-jährigen Bestehen des Finowkanals in Eberswalde lockten Gäste von weit her an.
Von
Sven Klamann
Eberswalde
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  • Die Feierlichkeiten zum 400-jährigen Bestehen des Finowkanals in Eberswalde lockten Gäste von weit her an. Karen Oehler, Heiner Fellmer, Eberhard Seelig und Hartmut Ginnow-Merkert (von links) verkaufen den Spendentaler, der ab heute in der Buchhandlung Mahler erhältlich ist.

    Die Feierlichkeiten zum 400-jährigen Bestehen des Finowkanals in Eberswalde lockten Gäste von weit her an. Karen Oehler, Heiner Fellmer, Eberhard Seelig und Hartmut Ginnow-Merkert (von links) verkaufen den Spendentaler, der ab heute in der Buchhandlung Mahler erhältlich ist.

    Sven Klamann/MOZ
  • Sammler aus Leidenschaft: Peter Hohnecker aus Wien (im roten T-Shirt) besorgt sich Sonderstempel und Sonderpostkarte.

    Sammler aus Leidenschaft: Peter Hohnecker aus Wien (im roten T-Shirt) besorgt sich Sonderstempel und Sonderpostkarte.

    Sven Klamann/MOZ
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„Ich bin seit 50 Jahren leidenschaftlicher Sammler“, verrät der 70-Jährige, der als Küchendirektor tätig war, bevor er in den Ruhestand ging. Ihn haben die auf 1000 Exemplare limitierte Sonderpostkarte „400 Jahre Schifffahrt auf dem Finowkanal“ und der ebenfalls zum Jubiläum herausgege-bene Sonderstempel nach Eberswalde gelockt. „Ehrlich gesagt, habe ich schon Verrückteres gemacht, um an die Objekte meiner Begierde zu kommen“, sagt Peter Hohnecker. Diesmal verbinde er seinen Ausflug aber damit, dass er Verwandte in Fürstenberg, Oberhavel, besuche.

Als der Österreicher das Gewünschte geordert hat, lässt er sich von Einheimischen den kürzesten Weg vom Marktplatz zum Finowkanal zeigen und steht wenig später auf der brütend heißen Stadtpromenade.

Stempel als Imagefaktor

Das mobile Postamt des Erlebnis-Briefmarken-Teams der Deutschen Post vor dem Paul-Wunderlich-Haus ist am Montagvormittag dicht umlagert. Dieter Stephan und Matthias Kath geben Sonderpostkarten und Sonderstempel im Akkord heraus. Dennoch wird die Schlange nicht kürzer. „Für den Finowkanal ist das auch ein Imagefaktor“, findet Dieter Stephan. Erfahrungsgemäß seien von den Besuchern der mobilen Postämter etwa zehn Prozent Sammler. „Die große Mehrheit jedoch verspürt emotionale Bindungen zum Motiv“, ergänzt sein Kollege Matthias Kath.

Auch am Stand  der Barni Marketing & Service Ltd. herrscht Andrang. Hier wird der Spendenbarni 2020 präsentiert, den die Buchhandlung Mahler herausgegeben hat und der ebenfalls dem 400-jährigen Bestehen der ältesten künstlichen Wasserstraße Deutschlands gewidmet ist. Ab Dienstag kostet der Treuetaler mit der aufgeprägten Fünf elf Euro. Ein Euro davon kommt dem Verein Unser Finowkanal zugute, der am Montag die Standbetreuung absichert. „Heute geben wir den Spendenbarni zum Einführungspreis von zehn Euro ab“, sagt der Vereinsvorsitzende Hartmut Ginnow-Merkert, der sich mit Karen Oehler, Heiner Fellmer und Eberhard Seelig beim Verkauf des Treuetalers abwechselt.

„Das Interesse ist überwältigend“, freut sich Hartmut Ginnow-Merkert, der das Finowkanal-Jubiläum in diesem Jahr gern größer gefeiert hätte, aber wie viele andere Veranstalter dem Coronavirus Tribut zollen musste. „Jetzt hoffen wir auf Himmelfahrt 2021“, kündigt der Vereinsvorsitzende an. Dann sollten der ausgefallene Dampfbootkorso mit 17 Fahrzeugen und der Besuch des Kaffenkahn-Nachbaus aus Fürstenberg nachgeholt werden.

Buch zur Industriekultur

Die sengende Hitze hat Dietrich Nierenz (84) aus Eberswalde nicht davon abgehalten, sich in die Schlange einzureihen. „Mir darf kein einziger neuer Barni entgehen“, sagt der Sammler. 250 unterschiedliche Treuetaler seien seit 2004 herausgegeben worden. „Ich liebe jeden Einzelnen davon“, verrät der Ruheständler, der findet, dass der Finowkanal ein wunderbares Motiv für den Spendenbarni ist.

Postkarte, Stempel und Treuetaler hat der Grafiker Hans-Jörg Rafalski aus Niederfinow gestaltet, der am Aktionstag seinen  Fotoband „Erosion. Spuren der Industriekultur am Finowkanal“ vorgestellt hat. Das Buch ist in der ersten Auflage in 222 Exemplaren erschienen und wird ab sofort für 29 Euro im Schuhhaus Grimm in Eberswalde verkauft.

Der Aktionstag ist von der ersten Minute an eine schweißtreibende Angelegenheit. Wer etwas Schatten braucht, kann sich im Foyer des Kreishauses Fotos anschauen und Texte durchlesen, die vom Museum Eberswalde erstellt wurden. Dort ist unter anderem zu erfahren, dass der Bau des ersten Finowkanals 1605 an der Havel bei Liebenwalde begonnen hatte.