650 Jahre Tornow: So feiert das Dorf sein Jubiläum

Erinnerung an vergangene Zeiten beim großen Festumzug: Früher hatte Tornow ein Dorfschule, die bis zur 4. Klasse führte. Noch zu DDR-Zeiten wurde die Einrichtung aber geschlossen. Die Kinder drücken seither in Eberswalde die Schulbank.
Thomas Burckhardt- Tornow (Eberswalde) feierte am 21. Juni sein 650-jähriges Jubiläum mit einem Festumzug.
- 200 Teilnehmer und 40 Fahrzeuge zogen durchs Dorf, Senioren fuhren auf einem Kremser mit.
- Ex-Bürgermeister lobt Zusammenhalt und Eingemeindung nach Eberswalde als Segen für das Dorf.
- Feiern waren ein Gemeinschaftswerk von Vereinen, Kirche und Ortsbeirat.
- Abschlussfeier mit Theaterstück und Bürgertreff-Einweihung ist am 26. September geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist der längste Tag des Jahres, der 21. Juni. Nicht nur in Skandinavien wird die Sommersonnenwende als Mittsommer traditionell groß gefeiert. Auch in Tornow gilt die Sonnenwendfeier, die schon zu DDR-Zeiten scharenweise Besucher aus der Umgebung anlockte, als legendär. Die Auflage 2025 am Sonnabend wurde quasi zur Mega-Party. Denn Tornow, heute ein Ortsteil von Eberswalde, feierte justament am 21. Juni sein 650-jähriges Bestehen.
Die meisten Autofahrer passieren Tornow, ein echtes Straßendorf, ohne Stopp. Sondern sind auf der „Durchreise“ in Richtung Bad Freienwalde oder Eberswalde. Und verpassen dabei so einiges. Denn Tornow hat auch ohne echten Dorfkern oder Ortsmitte einiges zu bieten. Vor allem eine höchst lebendige Dorfgemeinschaft. Wie die Einwohner beim Festumzug zur 650-Jahrfeier, dem Höhepunkt des Jubiläums, unter Beweis stellten.
Senioren des Eberswalder Dorfes Tornow auf dem Wagen
Genau 343 Bürger weist die aktuelle Einwohnerstatistik für Tornow aus, darunter 21 Bürger, die zur Altersklasse Ü80 gehören. Genau die durften am Sonnabend beim Festzug, der um die 200 Teilnehmer und mehr als 40 Fahrzeuge zählte, auf dem Kremser Platz nehmen, der von einem Traktor - mit Susanne Freitag aus Hohenfinow am Steuer - gezogen wurde. Hoch auf dem (nicht gelben) Wagen und für viele andere zu Fuß ging es vom Karlswerker Weg zum Waldstadion am Ende des Zickenbergs. Also einmal quer durchs Dorf. Über die B167, die eigens für den Zug für den Fahrzeugverkehr gesperrt war.
Zu jenen Tornowern, denen das Privileg des Kremsers zuteilwurde, gehörte unter anderem Paul Hauenschild (87). Bis 2003 Oberförster in Bad Freienwalde. Hauenschild, in Schlesien geboren, bezeichnet sich selbst als „Heimatloser“, aber Tornow sei „mein Zuhause“. Die Liebe und der Beruf, die Forstwirtschaft, haben ihn 1962 nach Brandenburg verschlagen. Hauenschild hat an der Forstfakultät der Humboldt-Uni in Eberswalde studiert. Und auf einer Tanzveranstaltung im „Schuppen“ lernte er seine spätere Frau kennen, die in Tornow wohnte.

Auch das war einmal in Tornow (Eberswalde): Landkino.
Thomas BurckhardtFür ihn, wie seine ganze Generation, sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, sich auch gesellschaftlich zu engagieren. Er sei 28 Jahre „Abgeordneter“ in Tornow gewesen, er habe den Fußballverein mitgegründet. „Wir waren ein feierwütiges Dorf“, erzählt Hauenschild weiter und erinnert neben der Sonnenwendfeier, die man in den 1970er Jahren aus der Taufe gehoben habe, was seinerzeit keineswegs unumstritten war, vor allem an den Fasching. „Aber wir haben auch gearbeitet.“ Die Verbreiterung der Ortsdurchfahrt habe man durchsetzen können und viel in Eigenleistung geschafft. Der Tornower zählt den Bau von Gehwegen oder die eigene Wasserleitung auf. Das alles unter einem sehr rührigen und erfolgreichen Bürgermeister. Dieter Teichmann, der neben Hauenschild auf dem Wagen „Der Ältestenrat“ sitzt.
Eingemeindung nach Eberswalde war ein Segen
Die Eingemeindung 1993 nach Eberswalde sieht der Förster a. D. übrigens nicht so sehr als Verlust an. „Sie war für unser kleines Dorf ein Segen“, so der 87-Jährige, der die damalige Entscheidung voll mitgetragen hat. Bei den „Verhandlungen“ habe Tornow damals alle seine Forderungen gegenüber Eberswalde durchsetzen können. Unter anderem die Übernahme des Personals, der Gemeindebediensteten. Und die Förderung der Sonnenwendfeier sowie des Faschings.

Ursprünglich war Tornow landwirtschaftliche geprägt. Daran erinnern diese Bewohner beim Festumzg zur 650-Jahr-Feier. Insgesamt beteiligten sich rund 200 Bürger an dem Zug, in dem zugleich gut 40 Fahrzeuge der unterschiedlichsten Art zu sehen waren.
Thomas Burckhardt„Wir hätten das nach der Wende aus unseren Mitteln allein nicht geschafft“, bestätigt der 82-jährige Teichmann. Was Tornow auszeichne, sei in der Tat der Zusammenhalt. Wenn man die Einwohner richtig anspreche, seien sie bereit mitzumachen, so der Alt-Bürgermeister. „Ich fühle mich wohl hier“, bekräftigt der älteste Tornower Kurt Bauer. Trotz seiner 91 Jahre ist er noch fit. Fährt beispielsweise noch selbst Auto. „Ich war gerade bei meinem Bruder in Bayern.“
Was wünschen sich die Bürger für ihr Tornow? Natürlich fehle eine Gaststätte, sagt Paul Hauenschild. Aber die wäre heute wirtschaftlich kaum zu betreiben. Ringsherum gebe es ja kaum noch ein Dorf mit einer Kneipe. Aber ein kultureller Mittelpunkt, ein Dorfgemeinschaftshaus, wäre schon schön. So wie im benachbarten Sommerfelde. „Eben weil es so viele aktive Leute hier gibt.“
In der Tat: Die Vorbereitung der 650-Jahrfeier war ein echtes Gemeinschaftswerk. Dorfclub, Sportverein, Feuerwehr, Kirche, alle Straßen und natürlich der Ortsbeirat hätten sich an der Organisation beteiligt, bestätigt Ortsvorsteher Martin Bowitz. Der sich unter anderem auch über die Mitwirkung von Petrus freut. Oft genug, erinnert er sich, habe es zur Sonnenwendfeier schon geregnet. Doch diesmal macht die Sonnenwende ihrem Namen alle Ehre.

Einmal quer durchs Dorf: Bewohner aller Straßen in Tornow (Eberswalde) waren am Umzug zur 650-Jahr-Feier beteiligt.
Thomas BurckhardtDie nächste Party im feierwütigen Tornow ist übrigens schon geplant. Am 26. September, 17 Uhr, soll es eine Abschlussveranstaltung zum Jubiläum in der Kirche, dem Wahrzeichen des Ortes, mit der Aufführung des Theaterstücks „Die Kirche im Dorf“ (vom Oderbruch-Museum Altranft) geben. Gleichzeitig soll im Rahmen dessen der Bürgertreff an der Feuerwehr eingeweiht werden. Auch ein Ergebnis des gemeinschaftlichen Engagements.

