Ärztemangel: Hautarztsuche wird künftig „eine Katastrophe“

urn:newsml:dpa.com:20090101:191105-99-591058 ILLUSTRATION - Die Röschenflechte kann teils heftigen Juckreiz verursachen. Zum Glück tritt sie bei den meisten Betroffenen aber nur einmal im Leben auf. Foto: Friso Gentsch/dpa/dpa-mag - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Magazin +++ dpa-Magazin +++
Friso GentschAm Mittwoch suchen keine Hautarztpatienten das Medizinische Versorgungszentrum in Finowfurt auf. Der Grund dafür hängt an der Eingangstür. Die Praxis für Hautkrankheiten bleibt vom 20. bis 25. November geschlossen, steht dort auf dem Aushang. Daneben sind die Namen der Vertretungsärzte zu lesen: Dr. med. Duhn und Dipl. Med. S. Neumann. Beide praktizieren in Bernau. Es sind Namen, die sich die Patienten aus Finowfurt schon einmal vormerken können. Denn die im MVZ ansässige Hautärztin Astrid Schömberg wird im ersten Quartal 2020 in den Ruhestand gehen. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
Verlängerung ausgeschlossen
Ende September hatte die Gesellschaft für Leben und Gesundheit, die das Versorgungszentrum betreibt, noch mitgeteilt, um eine Verlängerung zu kämpfen. Es sei noch nichts endgütig entschieden, hatte es damals geheißen. Die GLG wisse, dass Astrid Schömberg eine sehr gute Ärztin sei und wolle das Vertragsverhältnis gern aufrecht erhalten. Doch daraus wurde nichts. "Frau Schömberg wird aufhören“, bedauert Dr. Ortrud Vargas Hein, GLG–Verwaltungsdirektorin Ambulante Geschäftsfelder. Die Gesellschaft will darauf mit einer „noch intensiveren Suche“ nach einem neuen Dermatologen reagieren. Doch das wird nicht einfach. Im Gegenteil. „Das ist leider eine Katastrophe“, sagt Dr. Ortrud Vargas Hein über diese Suche. Denn die Kliniken für Dermatologie, an denen entsprechende Fachärzte ausgebildet werden, sind in Brandenburg nicht üppig. Schwedt, Frankfurt, Cottbus und Potsdam, ergibt die Suche auf der Online–Plattform Jameda. Dann gibt es da noch die Charité in Berlin. Nicht genug, um vor allem im ländlichen Raum schnell den Bedarf zu decken.
Die Stelle in Finowfurt sei bereits seit Monaten ausgeschrieben, teilt die GLG mit. Noch bleibt die Hoffnung möglicherweise einen Klinikarzt zur Niederlassung im MVZ zu gewinnen. Und bislang bleibt der Fokus auch weiterhin auf Hautkrankheiten. Überlegungen, die 2020 frei werdenden Praxisräume mit einer anderen medizinischen Fachrichtung zu bestücken, gebe es bisher nicht.
Bis die Nachfolgersuche eventuell glückt, dürften viele der Patienten in Eberswalde auf Terminsuche gehen. Die Hautarztpraxis von Dr. Birgit Berendt ist dann die letzte verbleibende im Oberbarnim und für die Schorfheider am nächsten. Es wird bereits mit der Übernahme zahlreicher Patienten aus Finowfurt gerechnet.
Speckgürtel besser dran
Besser bestückt mit Dermatologen zeigt sich der Speckgürtel. Zwei der derzeit noch fünf Hautarztpraxen im Landkreis Barnim befinden sich in Bernau, eine in Panketal. Vergrößert man den Radius über die Kreisgrenzen hinaus, finden sich in Altranft (Märkisch–Oderland), Angermünde, Schwedt (Uckermark) und in Zehdenick (Oberhavel) noch Hautärzte. Allerdings müssen für diese Alternativen je nach Wohnort bis zu 50 Kilometer Fahrt in Kauf genommen werden.
Trotz eines laut Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KVBB) rein rechnerischen Versorgungsgrads von 112 Prozent mit Hautärzten im Barnim hat diese landesweit bereits seit längerem ein Augenmerk auf Dermatologen gelegt. „Hautärzte stehen an oberster Stelle“, sagt KVBB–Sprecher Christian Wehry. Wer sich als solcher niederlässt, kann derzeit mit einer Förderung von 55 000 Euro rechnen. Allerdings nicht im Barnim. Zur Förderregion gehören Beeskow (Landkreis Oder–Spree), Frankfurt (Oder) und Zehdenick.
