Ärztemangel
: Neue Mediziner braucht der Barnim

KV Brandenburg legt Bedarfsplanung 2020 vor. Danach sind im Barnim in etlichen Fachgebieten Neuzulassungen nötig.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Ultraschalluntersuchung: Die Eberswalder Internistin Dr. Bettina Pech hat sich auf die Behandlung von Rheuma spezialisiert. Über Mangel an Arbeit und Patienten kann sie nicht klagen. Im Gegenteil. Laut KV aber gibt es ausreichend Internisten im Barnim.

Thomas Burkchardt

Bis vor kurzem galt der Barnim laut Statistik der KV noch als „überversorgt“. Einzige Ausnahme waren die Allgemeinmedizin und Augenheilkunde. Alle anderen Fachgebiete waren gesperrt. Neuzulassungen waren also nicht möglich. Die Zahlen basierten auf Erhebungen aus dem Jahr 2013.

Grundlage für die Neuberechnung der Bedarfe in den einzelnen Fachgebieten ist neben der aktuellen Einwohnerzahl und der demografischen Entwicklung erstmals ein sogenannter Morbiditätsfaktor. Er bemisst die regionale Krankheitslast der Bevölkerung im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt und fließt in die Ermittlung der regionalen Verhältniszahl, sprich des Ärztebedarfs, ein.

„Krankheitslast“ fließt mit ein

Zwei Beispiele: Bislang lag bei Nervenärzten (Neurologen und Psychiatern) die Soll-Zahl für den Barnim entsprechend der Größe des Landkreises bei 5,9 Medizinern. Dank Neuberechnung steigt sie um gleich drei auf nunmehr 8,9. Da derzeit aber nur acht Fachärzte im Barnim praktizieren, können sich weitere niederlassen. Die KV lässt zwei weitere Psychiater und/oder Neurologen zu. Bei Hautärzten, wo es zuletzt im Raum Eberswalde wegen der Engpässe massive Beschwerden gab, lag die Soll-Zahl bislang bei 4,5. Jetzt wurde sie zwar nur leicht angepasst und auf 4,9 festgesetzt. Diese Korrektur führt dazu, dass sich ein Dermatologe mit einem halben Sitz oder eine halben Stelle bewerben kann.

Ob sich interessierte Ärzte finden, bleibt freilich abzuwarten. Bekanntlich haben es Praxisinhaber, die sich zur Ruhe setzen wollen, oder auch der Klinikkonzern GLG, der mehrere Medizinische Versorgungszentren in der Region betreibt, schon jetzt zum Teil schwer, Nachfolger zu finden.  Im Fall der angestellten Hautärztin Astrid Schömberg in Finowfurt etwa war dies nicht gelungen. Bekanntlich hat sich die Dermatologin bereit erklärt, zumindest tageweise noch Sprechstunden abzuhalten. Doch Ende des Monats sei definitiv Schluss, heißt es in der GLG-Praxis. Damit gibt es dann in Eberswalde nur noch eine Dermatologin.

Gleichwohl: Zehn Fachgebiete sind nunmehr geöffnet. Mehr als 40 Mediziner und/oder Therapeuten könnten sich niederlassen bzw. eine Anstellung suchen. Die größte Verbesserung könnte es dabei im Bereich Psychotherapie geben.  Mussten Patienten bislang monatelang auf einen Therapieplatz warten, verspricht der neue Bedarfsplan dort Linderung. Die Soll-Zahl wurde von 20,7 auf gleich 30,7 angehoben. Laut KV könnten sofort bis zu acht Therapeuten (ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten) eine Praxis eröffnen. Laut Praxisbörse der KV gibt es landesweit derzeit 17 Praxisgesuche. So viele wie in keinem anderen Fachgebiet. Darunter drei, die explizit eine Ansiedlung im Barnim nennen.

In etlichen Disziplinen gibt es indes nicht einen einzigen Interessenten. Etwa im Bereich der Kinderheilkunde. Nach wie vor gesperrt sind die Bereiche Frauenheilkunde, hier droht laut KV allerdings aufgrund des Alters der derzeit praktizierenden Kollegen eine Unterversorgung im Barnim, und Orthopädie. Was die Patienten, die Rücken und Co. haben, schmerzen dürfte.

Nachfolgesuche bleibt schwierig

Trotz punktueller Engpässe: Die vertragsärztliche Versorgung sei auch jetzt gewährleistet, versichert die KV. Sie räumt aber ein: Dies „nur aufgrund eines weit über dem Bundesdurchschnitt liegenden Tätigkeitsaufwandes“ der Ärzte. Sprich: Die Mediziner in der Mark arbeiten deutlich mehr als anderswo. Die bundesweit geringste Arztdichte bei gleichzeitig hoher Inanspruchnahme der ambulanten medizinischen Versorgung stelle nach wie vor eine „wesentliche Herausforderung (…) bei der Anwerbung potenzieller Nachfolger von Arztpraxen“ im Land dar. Besonders deutlich werde die Kalamität an der Peripherie, wie der Uckermark. Insgesamt eröffnet die neue Richtlinie im Land Zulassungsoptionen für Fachärzte im „dreistelligen Bereich“.

Mediziner im Barnim

Ist Soll max. mögliche Neuzulassungen

Hausärzte:110127 30,5

Augenärzte:9,5 10,5 2,5

Chirurgen/Orthopäden:16 12,8  0

HNO-Ärzte:6,25 6 0,5

Nervenärzte:8 8,9 2

Kinderärzte:1010,2 1,5

Psychotherapeuten:25,75 30,7 8,5

Quelle: KV Brandenburg (Aus: Bedarfsplanung 2020)