Am Limit
: Gartenwasser

Verbräuche steigen auf das Zweieinhalbfache
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Speicher gut gefüllt: Die Versorgung mit Trinkwasser sei garantiert, sagt Ronny Seeger vom ZWA. Dennoch bringen tropische Temperaturen den Versorger punktuell an die Lei(s)tungsgrenze. Die Verbräuche werden wöchentlich ausgewertet.

Andreas Gora

Sprengverbot in Teilen des Niederbarnim und von Oberhavel, verfügt vom Niederbarnimer Wasser– und Abwasserverband (NWA), Entnahmeverbot aus Flüssen und Seen im Süden des Landes, vor allem in der Lausitz. Während der ersten Hitzewelle in Brandenburg sowie aufgrund der anhaltenden Trockenheit wird regional das Wasser knapp. So dass Versorger und Behörden sich gezwungen sehen, regulierend einzugreifen und den Verbrauch einzuschränken.

Im Bereich des Zweckverbandes für Wasserver– und Abwasserentsorgung Eberswalde (ZWA) musste man noch nicht zu diesem drastischen Mittel greifen. Weder im Dürre–Jahr 2018 noch bei der oft als Sahara–Hitze beschriebenen Trocken–Periode im Juni, so Ronny Seeger, Leiter des Ingenieurbereiches Trinkwasser beim ZWA, am Montag. Seeger kennt aber Sprengverbote noch aus DDR–Zeiten. Sie seien damals ausgesprochen worden, als das Angebot bei extremer Hitze nicht genügte. Trotz zweier Spitzenwasserwerke in Blütenberg und Eichhorst, die im Sommer zusätzlich in Betrieb waren.

Verbrauch mehr als verdoppelt

Auch wenn die Fördermengen heute ausreichen, gänzlich ausschließen könne der Verband Sprengverbote nicht. Denn: Hoheitliche Aufgabe des ZWA sei die Trinkwasserversorgung, nicht das Bereitstellen von Gartenwasser. Bei extremer Witterung wie am 30. Juni steige der Verbrauch bis auf das Zweieinhalbfache. Dann gebe es ein hydraulisch bedingtes Transportproblem. Der Druck falle ab. Während er üblicherweise bei um die vier bis 5,5 Bar in Eberswalde liegt, sinke er in den Abendstunden, wenn alle gleichzeitig unter die Dusche springen und den Garten wässern, also in Spitzenzeiten, auf ein Bar. Zu spüren bekämen das vor allem die Verbraucher in Ostende, die am höchsten liegen.

Seeger verdeutlicht das Phänomen an Zahlen: Im Mittel fördere das Wasserwerk Finow, das größte des ZWA, 3500 bis 4000 Kubikmeter am Tag. Im Juni lag der Durchschnitt bei 5500. Im Wasserwerk Stadtsee wiederum liege die Fördermenge üblicherweise bei 2500 bis 3000 Kubikmeter/Tag, im Juni waren es durchschnittlich 3300. Dass der ZWA noch nicht zum letzten Mittel greifen musste, sei auch recht umfangreichen Investitionen in den vorigen Jahren zu danken. Einerseits wurden die Wasserwerke ertüchtigt, modernisiert, andererseits wurde von der Druckerhöhungsstation Tramper Chaussee nach Ostende eine neue Transportleitung verlegt (mit einer 250er–Nennweite, vormals 150).

Versorgung bislang gesichert

Wobei Seeger betont: „Diese Investitionen sind aber vor dem Hintergrund eines wachsenden Stadtteils zu sehen."  Für den ZWA habe ganz klar die Versorgungssicherheit bei Trinkwasser Priorität. Deshalb gebe es auch Überlegungen, im Zuge der geplanten Modernisierung des Wasserwerkes Tornow "eine Einspeisung für Ostende vorzusehen“. Bekanntlich werden die Eigenheim–Standorte dort noch erweitert, die Zahl der Kunden steigt.

Das Phänomen von lokalen „Druckmangelerscheinungen“, etwa in Eberswalde–Ostende und punktuell Ende Juni im Raum Oderberg, sei lediglich für „30 Stunden im Jahr“ zu verzeichnen, erklärt der Techniker mit Verweis auf die Statistiken, die uhrzeitgenau Aufschluss über den Verbrauch geben. Ein Ausbau der Netzes stünde „in keinem Verhältnis“. Deshalb setze der Verband auf Gespräche mit den Verbrauchern und deren Vernunft. „Wir appellieren an unsere Kunden, eben nicht alle gleichzeitig zu sprengen.“ Auf dem Lande stelle sich das Problem so nicht. Vielfach nutzen Bürger dort noch Brunnen zur Bewässerung.