Ambulante Versorgung
: Patienten und Ärzte im Barnim in Not

Laut Statistik ist die ambulante Versorgung im Barnim gesichert. Doch die Praxis offenbart teilweise Engpässe.
Von
Viola Petersson
Eberswalde/Bernau
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  • Orthopäde Dr. Marcel Pimer erklärt einem Patienten anhand eines Modells dessen Problem. Im Gegensatz zu seinen beiden Eberswalder Fachkollegen mit eigener Praxis ist Pimer in einem MVZ angestellt. Ein Trend, der laut KV verstärkt zu beobachten ist, vor allem bei jüngeren Ärzten.

    Orthopäde Dr. Marcel Pimer erklärt einem Patienten anhand eines Modells dessen Problem. Im Gegensatz zu seinen beiden Eberswalder Fachkollegen mit eigener Praxis ist Pimer in einem MVZ angestellt. Ein Trend, der laut KV verstärkt zu beobachten ist, vor allem bei jüngeren Ärzten.

    Thomas Burkchardt
  • Fachärztliche Versorgung im Landkreis

    Fachärztliche Versorgung im Landkreis

    MMH/Jörn Sandner
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Dabei gilt der Barnim laut aktueller Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KV) mit 124,5 Prozent als „überversorgt“. Die Bedarfsplanung sieht 20,7 Psychotherapeuten vor, per 31. Dezember 2019 sind im Kreis 25,75 zugelassen. Rein rechnerisch gibt es also kein Problem.

Dies gilt, so ist einer aktuellen Darstellung der KV zur ambulanten medizinischen Versorgung im Barnim zu entnehmen, für alle Facharztbereiche. Der Versorgungsgrad liegt demnach zwischen 102 Prozent bei der Augenheilkunde und sogar 138,9 Prozent in der Chirurgie/Orthopädie. Ab 110,1 Prozent spricht die KV von einer „Überversorgung“. Weshalb Neuzulassungen nicht möglich sind. Einzige Ausnahme ist die Augenheilkunde.

Ein Problem gibt es laut KV allerdings in der hausärztlichen Versorgung. Und dort vor allem im Bernauer Raum. Dort liegt der Versorgungsgrad bei nur knapp 93 Prozent. 64 Hausärzte wären eigentlich nötig, es sind aber nur 59. Wohingegen im Raum Eberswalde der Bedarf von gut 49 Hausärzten mit knapp 51 gedeckt sei. Der KV zufolge könnten sich in Bernau sofort elf Hausärzte und Eberswalde vier (mit 3,5 Stellen) niederlassen.

Jeder dritte Hausarzt AK 60+

Das Werben um Zuwachs und Zugänge gilt vor allem jüngeren Kollegen. Denn: Von den 110 Hausärzten im Barnim ist fast jeder Dritte 60 Jahre und älter. In den Gemeinden Schorfheide, Liepe, Wandlitz und Werneuchen ist die Quote noch höher. Geht dort ein Hausarzt in den Ruhestand, ohne einen Nachfolger gefunden zu haben, wird es richtig eng.

Bei den fachärztlichen Richtungen gelten vor allem die Dermatologie, die Frauenheilkunde sowie HNO in puncto Altersstruktur als sehr kritisch. Von den aktuell 6,25 HNO-Ärzten im Kreis sind immerhin vier 60 oder älter.

Insgesamt hat der Barnim seit 2013 bis Ende 2019 laut Übersicht zwar knapp 16 neue Haus- und Fachärzte gewonnen. Jeweils gut fünf Stellen mehr gibt es im Bereich Hausärzte sowie Psychotherapeuten. Trotzdem reicht dies in der Praxis offensichtlich nicht aus. Denn: Auch die Bevölkerung ist gewachsen. Um etwa fünf Prozent. Vor allem aber gab es einen Zuwachs in den Altersklassen U18 (+13 Prozent) und Ü65 (+15 Prozent). Mit dem demografischen Wandel einher gingen eine Zunahme an chronischen Erkrankungen sowie an Multimorbidität, also von Mehrfacherkrankungen.

Als weiteres Problem stellt sich in der Realität teilweise die Verteilung der Fachärzte dar. Beispiel Orthopädie: In Eberswalde praktizieren drei ambulante Kollegen, im Raum Bernau sind es mehr als doppelt so viele. Noch prekärer sieht es im Bereich Dermatologie aus. Im Oberbarnim sind es noch zwei Kolleginnen, wobei eine Ende März in den Ruhestand geht. Im Niederbarnim halten laut KV-Portal fünf Hautärzte Sprechstunden ab.

Schwierig ist die Situation aber nicht nur für Patienten, die im akuten Fall suchen oder viel Geduld aufbringen müssen. Folgen hat der wachsende Bedarf an ambulanter Versorgung auch für die Ärzte. Die müssen im Barnim schon jetzt sozusagen mehr als Kollegen anderswo arbeiten.

Auf einen Hausarzt kommen im Schnitt 814 Patienten. Brandenburger Durchschnitt sind „nur“ 726. Wobei die Spanne von 431 Patienten pro Hausarzt in Cottbus bis zu 910 Patienten in Spree-Neiße reicht. Und auch bei den Fachärzten liegt die Belastung im Barnim mit 1546 Patienten pro Mediziner höher als im Landesschnitt (1350).

Neuer Bedarfsplan in Arbeit

Wie Christian Wehry, Pressesprecher der KV, auf Anfrage bestätigt, erarbeite die KV gerade – in Abstimmung mit dem Land und den Krankenkassen – eine neue Bedarfsplanung. Die dürfte, so heißt es, für einige Arztgruppen neue Zulassungsmöglichkeiten eröffnen. Wann das Planwerk fertig ist, kann Wehry mit Blick auf die Corona-Epidemie, die auch die KV derzeit enorm fordert, indes nicht sagen.

Fachärztliche Versorgung im Landkreis

Augenheilkunde: Soll 8,9 – Ist (per 31.12.2019) 9,0

Chir./Orthopädie: 11,6 – 16

Dermatologie: 4,5 – 5,0

Frauenheilkunde: 14,2 – 16,0

HNO: 5,6 – 6,25

Kinderheilkunde: 7,3 – 10,0

Nervenheilkunde: 5,9 – 8,0

Psychotherapeuten: 20,7 – 25,75  ⇥Quelle: KV Brandenburg