Angespannter Wohnungsmarkt
: Mieten in Eberswalde um 25 Prozent gestiegen

Geringverdiener in Eberswalde müssen etwa 31 Prozent ihres Verdienstes für Miete aufbringen. Im Niederbarnim gibt es zum Teil eine Kostenexplosion auf Berliner Niveau.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Im Herbst soll es bezugsfertig sein: das Bebel-Quartier in Eberswalde. Die kommunale WHG saniert die Wohnungen gerade mit einem Millionen-Aufwand. Und hat soeben mit der Vermarktung begonnen. Aufgerufen werden Mieten von im Schnitt 10,50 Euro.

Viola Petersson

Doch gilt die These vom kaum noch bezahlbaren Wohnen für ganz Deutschland? Beispielweise für den ländlichen Raum? „Zeit online“ ist Ende vorigen Jahres dieser Frage nachgegangen und hat gemeinsam mit Immobiliendatenspezialisten von empirica regio bundesweit den Markt analysiert. Das Ergebnis der Studie wurde im Rahmen einer großen Beitragsserie unter dem Titel „Mieten am Limit“ veröffentlicht. Die Untersuchung offenbart auch für den Landkreis Barnim interessante, teils erwartete, teils überraschende Ergebnisse.

Erwartungsgemäß gibt es zwischen dem Nieder- und dem Oberbarnim große Unterschiede. Je größer die Entfernung von Berlin, desto günstiger im Schnitt die Mieten und desto geringer die Mietbelastung. Geringverdiener – zugrunde gelegt wurde ein Singlehaushalt – müssen für eine günstige Wohnung von 59 Quadratmetern inklusive der kalten Nebenkosten im Niederbarnim zwischen 32 (Panketal) und 37 Prozent (Bernau) ihres Einkommens aufwenden.

So viel geht fürs Wohnen drauf

Im Oberbarnim fällt diese Quote geringer aus: Britz-Chorin-Oderberg sowie Amt Joachimsthal jeweils 28 Prozent, Schorfheide 30 Prozent sowie Eberswalde 31 Prozent. Unter Sozialwissenschaftlern wie Immobilienexperten gilt eine Quote von mehr als 30 Prozent als kritisch. Denn: Bei einer Mietbelastung jenseits dieser Marke bleibt gerade Geringverdienern nur noch vergleichsweise wenig Geld zum Leben übrig.

So muss ein Geringverdiener in Bernau bei einem durchschnittlichen Nettogehalt von 1401 Euro für eine Wohnung im unteren Preissegment, in die Wertung gingen lediglich sogenannte Angebotsmieten, also keine Bestandsmieten ein, mit einer Mietbelastung inklusive kalter Nebenkosten von 514 Euro rechnen. Hinzu kommen noch Kosten für Heizung, Strom und Co. Frei verfügbar wären also letztlich keine 800 Euro. Im Amt Britz-Chorin-Oderberg indes gibt es eine Angebotswohnung bereits für 359 Euro, deutlich weniger also als in der Hussitenstadt. Allerdings ist auch der Durchschnittsverdienst geringer: mit 1282 Euro. Für Eberswalde wurde eine Kaltmiete von 401 Euro (bei einem Nettogehalt von 1280 Euro) ermittelt, für Schorfheide von 408 Euro (bei einem Verdienst von 1355 Euro) sowie fürs Amt Joachimsthal von 372 Euro (bei 1309 Euro Gehalt). Im Niederbarnim liegen übrigens fast alle Angebotsmieten über 500 Euro. Am teuersten ist Ahrensfelde, direkt an Berlin angrenzend, mit 520 Euro.

Zweifellos: Von Berliner Verhältnissen ist der Oberbarnim weit entfernt. Die aktuelle Durchschnittsmiete in Eberswalde liegt bei 5,23 Euro (WHG), erscheint damit für viele erschwinglich. Zumal bei einer Leerstandsquote von stadtweit etwa zehn Prozent das Spektrum groß ist. Schaut man sich auf den Portalen der Unternehmen um, finden Wohnungssuchende in Eberswalde vier Wände bereits ab 3,40 Euro/qm.

Wandlitz toppt sogar Berlin

Und dennoch: Auch jenseits der Hauptstadt zogen die Mietpreise in den vergangenen Jahren an. Die Untersuchung von „Zeit online“ macht dies mehr als deutlich. So ist der Zins (auf der Basis der mittleren Nettokaltmiete)  in Eberswalde und Schorfheide von 2012 bis 2019 bei der Neuvermietung den Analysen zufolge um immerhin 25 Prozent gestiegen. Im Amt Joachimsthal sogar um 28 Prozent. Vergleichsweise moderat nimmt sich da das Plus in Britz-Chorin-Oderberg mit 18 Prozent aus. Auf ganz andere Raten mussten sich Wohnungssuchende im Niederbarnim gefasst machen. Spitzenreiter dort ist die Gemeinde Wandlitz, wo die Mietpreise seit 2012 bei Neuvermietung um 59 Prozent in die Höhe kletterten. Eine Quote, die sogar noch über der von Potsdam (+39) und Berlin (+42) liegt. Ähnlich dramatische Entwicklungen sind in Ahrensfelde (+52 Prozent) und Panketal (+45 Prozent) zu verzeichnen.

Auch in puncto absolute Zahlen führt Wandlitz die Statistik mit einer "Angebotsmiete“ von aktuell 10,43 Euro/qm im Barnim an. Das sind gerade mal sechs Cent weniger als in Berlin. Ahrensfelde und Panketal kratzen mit 9,97 bzw. 9,86 Euro ebenfalls klar an der Zehn-Euro-Marke. Fraglos hat der Markt direkten Einfluss auf die Preisentwicklung.

Großes Angebot in der Kreisstadt mit ebenso großer Preisspanne

Das Angebot auf dem freien Wohnungsmarkt im Barnim ist sehr unterschiedlich. Dies macht ein Blick auf Immobilienscout24, eines der führenden Portale, deutlich.

Für Eberswalde (Stand jeweils 10. Februar) sind aktuell mehr als 100 freie Wohnungen gemeldet. Vom Ein-Raum-Appartement bis zur XXL-Wohnung mit knapp 180 Quadratmetern.

Das preiswerteste Angebot liegt derzeit bei 3,38 Euro/qm (für Studenten und Azubis) für eine 3-Raum-Wohnung von TAG in der Gubener Straße im Brandenburgischen Viertel.

Deutlich tiefer müssen Interessenten beim Bebel-Quartier in die Tasche greifen. Die WHG hat gerade mit der Vermarktung für die Wohnungen, die bis Herbst saniert werden, begonnen: mit Mieten von bis zu 10,80 Euro/qm. Inklusive Betriebskosten ist für eine 4-Raum-Wohnung eine Miete von 1265 Euro fällig.

Sehr übersichtlich  ist indes das Angebot etwa in Wandlitz und Bernau. Für Wandlitz sind gerade mal sechs freie Wohnungen gemeldet (mit Preisen von bis 10,80 Euro/qm). In Bernau werden derzeit 13 Wohnungen über das Online-Portal vermarktet. Mit Preisen von bis zu elf Euro/qm (für das Neubauprojekt an der Elli-­Voigt-Straße). In Panketal werden sogar 13 Euro aufgerufen.⇥vp