Aus für Eberswalder Wurst: Trauerfeier in Britz für die Bürger, das ist geplant

Frostige Zeiten für Britz: Das traditionsreiche Wurstwerk bei Eberswalde schließt. Die Gewerkschaft NGG reagiert auf diese Ankündigung mit der Einladung zu einer Trauerfeier vor dem Werkstor.
fordert Stephan Backert- Traditionswerk in Britz schließt – 500 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit.
- NGG lädt am 14. Februar 2026 ab 12.05 Uhr zur Trauerfeier vor dem Werkstor.
- Öffentlichkeit willkommen: Abschied nehmen und Wut äußern, so die NGG.
- Kritik: Versprechen von Tönnies gebrochen, mickrige Abfindungen, fehlende Politik-Hilfe.
- Geschäftsführung: nötige Investitionen bei Marktbedingungen nicht refinanzierbar.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dass die berühmten Eberswalder Würstchen schon bald nicht mehr aus dem Werk in Britz kommen werden, hat weit über die Region hinaus eine Schockwelle ausgelöst. Schließlich geht mit dem Todesstoß für den traditionsreichen Produktionsstandort nicht nur ein kulinarisches Markenzeichen verloren. Vor allem werden auf einen Schlag 500 Beschäftigte ihre Arbeit los.
Zunächst hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co.KG auf Handzetteln in deutscher und polnischer Sprache zu einer von ihr organisierten Trauerfeier am bald ehemaligen Werkstor in Britz eingeladen. Jetzt geht aus einer Pressemitteilung der NGG-Region Berlin-Brandenburg hervor, dass auch die breite Öffentlichkeit zu der Veranstaltung am 14. Februar 2026 ab 12.05 Uhr willkommen ist.
„Wir wollen den Beschäftigten in Britz und den Bewohnern von Eberswalde gleichermaßen die Möglichkeit geben, Abschied zu nehmen – und auch ihre Wut zum Ausdruck zu bringen“, heißt es dazu in der Wortmeldung der Gewerkschaft.
Aus für Eberswalder Wurst: Das ist für die Trauerfeier gepalnt
„Wenn eine lange Tradition endet, ist das ein schmerzlicher Verlust. Und wenn wir einen Verlust erleiden, hilft es immer, sich mit den anderen zusammenzufinden, die in derselben Situation sind“ sagt Uwe Ledwig, Vorsitzender der NGG im Landesbezirk Ost.
„Das ist der Sinn jeder Trauerfeier und nach Jahrzehnten von Freud, Leid und Kampf in den Eberswalder Wurstwerken halten wir eine solche nun für mehr als angemessen. Damit zollen wir der Leistung der Beschäftigten den Respekt, welcher ihnen vom Tönnies vorenthalten wurde“, fügt der Funktionär hinzu, der seit Jahrzehnten den Produktionsstandort in Britz gewerkschaftlich betreut hat.
Symbolisch um fünf Minuten nach zwölf Uhr solle die Veranstaltung vor dem – bald ehemaligen – Werkstor beginnen. Bei Würstchen und Getränken solle der gemeinsamen Erlebnisse gedacht und ein Stück Eberswalder Regionalgeschichte verabschiedet werden. Doch nur Ruhe und innere Einkehr sei nicht zu erwarten.
„Viele Betroffene sind auch zu Recht wütend“, betont Uwe Ledwig: „Wütend auf die nicht eingehaltenen Versprechungen des Tönnies-Konzerns, die sich als Luftnummer entpuppten. Wütend darauf, nach jahrzehntelanger Lohnzurückhaltung nun mickrige Abfindungen zu bekommen. Wütend auf das rücksichtslose Profitstreben, das abermals Tradition und harte Arbeit in den Schatten stellte. Wütend auf eine ohnmächtige Landespolitik, die Hilfestellungen verweigerte und dann Krokodilstränen vergoss. Und wir sind sicher, dass auch das zum Ausdruck kommen wird“.
So begründet die Unternehmensführung das Aus für Britz
Nach all den Jahrzehnten des Kampfs in den Eberswalder Wurstwerken würden sich die Gewerkschafter der NGG weigern, einfach sang- und klanglos zu verschwinden, heißt es im Aufruf zur Trauerfeier vor dem Werkstor in Britz weiter. Nicht zuletzt müssten Lehren gezogen werden, fordert Uwe Ledwig. „Wenn es keine Reformen beim Betriebsverfassungsgesetz, konkret bei dessen Paragraph 112a (2), gibt, war das nicht der letzte schlingernde Betrieb, der von einem Großkonzern gekauft und dann stillgelegt wird“, betont der Gewerkschafter.
Die Veranstaltung am 14. Februar 2026 soll der Pressemitteilung der NGG zufolge solle auch als Mahnung dafür dienen, dass die Politik in der Verantwortung stehe, die Gier-Exzesse der Großkonzerne einzuhegen.
Von der Geschäftsführung der EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co.KG in Britz war die bevorstehende Schließung des Produktionsstandortes vor allem damit begründet worden, dass sich unaufschiebbare Investitionen bei den sich verschlechternden Marktbedingungen mittel- und langfristig nicht refinanzieren lassen würden.


