Ausstellung: Jedes Bild ein Stück Leben

Märchenhaft und farbintensiv: Im Ladenatelier "Schuh und Kunst" hat Galina Mazin-Datloof (l.) am Sonnabend ihre Ausstellung "Die Birnenfee" eröffnet. Gastgeberin und Ladeninhaberin Britt Lembcke hat sich von dem Bild zu Keramik-Objekten und einem Märchen inspirieren lassen.
Ellen WernerEin Mädchen vor einem Schaf mit goldenen Hörnern und einem Fell in Pfauen-Ornamentik. Eine Nachtwandlerin im schwarzen Chiffonkleid, der ein kleines Paar Engelsflügel gewachsen ist, auf einem Seil hoch über der Silhouette einer großen Stadt. Und eine Mona Lisa mit herausforderndem Blick unterm Regenschirm – all diese Figuren hat Galina Mazin-Datloof nicht nur gemalt. "Das bin ich“, sagt sie.
Am Sonnabendnachmittag ist vor ihren Bildern im Ladenatelier „Schuh und Kunst“ kaum ein Durchkommen. Gemeinsam mit Ladeninhaberin Britt Lembcke eröffnet die in Russland gebürtige Künstlerin, die seit sechs Jahren in Bernau lebt, hier die Ausstellung „Die Birnenfee“. Mehr als 50 Menschen drängen sich in dem Schuhgeschäft mit dem besonderen Konzept. Für Britt Lembcke ist es auch die Saisoneröffnung. „Wir machen unseren Jahreseinkauf einmal im Frühjahr und einmal im Herbst“, erzählt sie. Dazu gibt es jedes Mal eine Kunstschau.
Anfangs habe sie Freizeitkünstler unterstützen wollen, „so habe ich ja selbst angefangen“, sagt Britt Lembcke. „Dann sprachen mich zunehmend Künstler selber an, ob sie hier ausstellen dürfen.“ Galina Mazin-Datloof habe ihren Laden – in dem die Geschäftsfrau selbst unter anderem Keramik, zum Beispiel den einen oder anderen Ton-Schuh, in den Schuhregalen präsentiert – zufällig entdeckt. „Wir wussten beide sofort, dass wir etwas zusammen machen werden.“ Bis es soweit war, vergingen allerdings zwei Jahre. „Galina hatte gigantische Bilder. Wir brauchten aber etwas, das in diesen Laden passt“, berichtet Lembcke dem Publikum. Eigens für den kleinen Raum malte Galina Mazin-Datloof kleinformatige Bilder. „Jedes Bild schreibt Geschichte, ein Stück Leben“, begeistert sich die Gastgeberin, die sich von den Werken zu eigenen Schöpfungen inspirieren ließ. Zur "Birnenfee“ etwa schrieb sie ein Märchen und fertigte Keramiken.
Galina Mazin-Datloof, die ihr Alter konsequent für sich behält, beschreibt ihre Malerei selbst als romantisch und fantastisch. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Dorf im Ural. Nach ihrem Studium an der Kunstakademie arbeitete sie von 1977 an als Künstlerin und Bühnenbildnerin, stellte in Moskau und Kaliningrad aus. 1990 emigrierte sie mit ihrem jüdischen Mann, einem Theaterregisseur, nach Israel. Ihre Arbeiten waren in vielen Galerien Israels zu sehen und befinden sich in privaten Sammlungen in den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und anderen Ländern.
Unter dem Regenschirm jener Mona Lisa übrigens, die sie selbst verkörpert, befinde sich ihr ganz eigener Himmel, ihre eigene Welt. „Und das wünsche ich jedem“, sagt Galina Mazin-Datloof: „Ein eigenes Stück Himmel über sich.“ Zu sehen ist die Ausstellung „Die Birnenfee“ noch bis zum 8. Juni, An der Friedensbrücke 23a.