Baustellenbesuch
: Der Ausbau des Oder-Havel-Kanals läuft nach Plan

Der Ausbau des Oder-Havel-Kanals ist auch in den Wintermonaten in vollem Gang. Bis zu 150 Meter pro Woche kommen die Bagger voran.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
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  • Draufsicht: Mit Blick Richtung Finowfurt zeigt die Drohne die Bauarbeiten von oben. Stück für Stück arbeiten sich die Maschinen vor.

    Draufsicht: Mit Blick Richtung Finowfurt zeigt die Drohne die Bauarbeiten von oben. Stück für Stück arbeiten sich die Maschinen vor.

    MOZ/Thomas Burckhardt
  • Aufgetaucht: Der Tonverleger hebt seinen mächtigen Arm aus dem Wasser des Kanals.

    Aufgetaucht: Der Tonverleger hebt seinen mächtigen Arm aus dem Wasser des Kanals.

    MOZ/Thomas Burckhardt
  • Von der Rolle: Geotextil, das auf die Tonschicht an der Böschung kommt, wird abgeladen.

    Von der Rolle: Geotextil, das auf die Tonschicht an der Böschung kommt, wird abgeladen.

    MOZ/Thomas Burckhardt
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Die milden Temperaturen ermöglichen, dass die Bagger auf der Wasserstraße auch im Januar und Februar laufen. „Das gewinnen wir als Puffer“, sagt der Sachbearbeiter vom WSA. Normalerweise wird eine Winterpause einkalkuliert. Baggern ließe sich bei leichten Minusgraden vielleicht noch. Aber gefrierendes Wasser auf den Baumaschinen, das wäre auch aus Arbeitsschutzgründen nicht mehr vertretbar. Zudem brächte Frost Probleme bei der Tonaufbereitung mit sich. Das aber ist nun kein Thema. Überhaupt liege alles im Zeitplan.

Drei Abschnitte bis 2026

Zur Erinnerung: die bisher 27 bis 30 Meter breite Wasserstraße wird zwischen Marienwerder und Lichterfelde auf 55 Meter Wasserspiegelbreite ausgebaut – ein Lückenschluss zwischen bereits ausgebauten Teilstücken. Tiefer wird der Kanal auch. Statt der jetzt zum Teil nur 2,50 Meter, sind es künftig durchgängig vier Meter.

Das 65-Millionen-Euro-Projekt des Bundes soll bis 2026 fertig sein. Im Juni des vergangenen Jahres gab es den ersten Spatenstich. Gebaut wird in drei Abschnitten, die sich grob anhand der Brücken verdeutlichen lassen. Zurzeit laufen die Arbeiten auf dem ersten Stück zwischen Steinfurter Brücke und Mäckerseebrücke. Das zweite Stück betrifft den Kanal zwischen Marienwerder und Kaiserwegbrücke. Und mit Bauabschnitt Nummer drei soll die Lücke zwischen Kaiserwegbrücke und Steinfurter Brücke geschlossen werden.

Wir treffen Steffen Zasada bei Kilometer 61,5, dort wo Mitte Januar ein Grundstück auf der Nordseite des Kanals teilweise überschwemmt wurde. Bei den Baggerarbeiten wurde eine alte funktionslose Leitung getroffen, ein dicht geglaubter Schacht konnte dem Druck nicht standhalten und das Wasser aus dem Kanal trat aus. Von der Havarie ist nichts mehr zu sehen.

Unbeirrt setzten die Bagger auf der Südseite ihre Arbeit fort. Etwa zehn  sind zwischen Steinfurter Brücke und Mäckerseebrücke im Einsatz. Sie fressen sich Richtung Osten und kommen dann im Lauf der Bauphase auf der Nordseite wieder zurück. Verbreitert wird der Kanal nur nach Süden. Auf der Rücktour, je nach Wetter frühestens in drei Monaten, wird die zweite Hälfte der Wasserstraße dann auf die neue Tiefe gebracht.

Ein Zug Steine pro Woche

„100 bis 150 Meter pro Woche geht es voran“, sagt Steffen Zasada. Nach dem Ausbaggern werden im Kanal Tonplatten zur Abdichtung verlegt sowie Ton an der Böschung aufgebracht. Der wird mit Geotextil, einem Vlies, versehen, damit die aufgebrachten Wasserbausteine nicht einsinken. Zwischen 2000 und 2500 Tonnen Steine werden am Kanal pro Woche verbaut. „Etwas mehr als ein Eisenbahnzug“, sagt Zasada. Sie werden am Hafen verladen und kommen per Schiff zur Baustelle.

Genau wie der Ton, der allerdings nicht über die Schiene sondern per Lkw aus Welsow bei Angermünde zur Aufbereitungsanlage am Eberswalder Hafen gelangt. Der gewaltige Tonverleger, der das Material einbringt, hat besonderen Schauwert am Kanal – dessen Verbreiterung zwar mit dem geplanten Bau der Ortsumgehung B 167 neu abgestimmt wurde, aber nicht direkt mit ihr zusammenhängt. Berührungspunkte beider Vorhaben gebe es nur wenige. Ungeachtet dessen, wann die Straßenbaumaßnahme tatsächlich beginnt, Verzögerungen bei den Kanalarbeiten können dadurch nicht entstehen, meint Steffen Zasada.