Bestandspflege: Sächsische Karpfen gut gelandet
Das sind an diesem Morgen sechs Tonnen Schuppenkarpfen aus der sächsischen Teichwirtschaft Kittner. Die 300 Kilometer lange Anfahrt von Petershaín haben die Fische gut überstanden. Die derzeit niedrigen Temperaturen und der über Schläuche in die Tarnsportbehälter zugeführte Sauerstoff, macht es den Fischen leichter, die vierstündige Fahrt zu überstehen.
Besatz für 49 Gewässer
Lothar Settekorn, Chef der Oberbarnimer Angler hat alles im Blick. Mit einem Block in der Hand überwacht er die korrekte Verteilung der Karpfen. 49 Gewässer von 40 Vereinen werden bedacht. Wilhelm Schleyer zählt zu den ersten Empfängern. Für seinen Verein „Am Grimnitzsee“ schüttet er 150 Kilogramm munter zappelnde Karpfen in den sorgfältig befestigten Wasserbehälter. Die Fische sind für den Kleinen Lubowsee bestimmt. Danach sind Wilfried Melchert und Matthias Münder dran. Sie erhalten 250 Kilogramm Karpfen plus 20 Kilo Schleie für den Britzer See. „Der hat in diesem Jahr sehr unter der Trockenheit gelitten “, so Melchert über den 23 Hektar großen See. „Aber in der Mitte hat er noch zwei Meter Tiefe“.
Für den Hungersee bei Senftenhütte sieht es nicht mehr ganz so gut aus. Der hat in den letzten Jahren 1,20 Meter seines Wasserstandes verloren und ist inzwischen so flach, dass ein Besatz keinen Sinn mehr macht. Gleiches gilt für den benachbarten Dritten Sassenphuhl. Sollte der Wasserpegel im nächsten Jahr wieder steigen, werden auch wieder Fische eingesetzt.
Das Verladen läuft wie geschmiert. Im Minutentakt fahren die Angler mit ihren Privatfahrzeugen samt Hängern an den LKW heran und werden mit einem Kübel beladen. 450 Kilo für den Üdersee, 250 Kilo für den Mäckersee, 300 Kilo für die Barschgrube, 50 Kilo für den Kleinen Ahlbeck. Um 9.30 Uhr hat sich der Parkplatz geleert. Die Fische sind verteilt. Bleiben noch der Oder–Havel–Kanal und der Finowkanal. "Der Vorstand hat entschieden, dort auch Fische auszusetzen. Wir haben beobachtet, dass beide Kanäle immer mehr zuwachsen. Mit dem Besatz wollen wir dem entgegensteuern“, erläutert Lothar Settekorn. Am Eberswalder Binnenhafen gleiten 1200 Kilo Karpfen über eine Rutsche in den Oder–Havel–Kanal.
Und weiter geht es zur letzten Station. Auf Höhe der Messingwerksiedlung endet die Odyssee der sächsischen Karpfen am Finowkanal. Zentimetergenau wird der LKW auf dem schmalen Uferweg an eine geeignete Abwurf–Stelle manövriert. Auch hier fliegen nochmal 1200 Kilogramm zappelnde Schuppentiere ins Wasser. Elgin Matthes–Braun, Stellvertretin von Settekorn filmt mit ihrer Kamera eifrig die Szenerie. Die dreijährigen Karpfen haben die Strapazen offenbar gut überstanden. Keiner treibt bäuchlings an der Oberfläche. Hervorragen! Lothar Settekorn und seine Mitstreiter sind zufrieden. Nach drei Stunden sind alle Fische in den Gewässern angekommen.
„Vor ein paar Tagen gab es von uns die Bitte an unsere Mitglieder, die Fische erstmal in Ruhe zu lassen“, verrät Settekorn. Auf seine eigenen Leute wird er sich verlassen können. Aber was ist mit den anderen, nicht organisierten Anglern? „Es gibt 54 Fischereiaufseher im Landkreis Barnim. Die werden in den nächsten Tagen an den Gewässern verstärkt nach dem Rechten schauen.“, macht er schon mal eine klare Ansage. Maximal drei Karpfen dürfen Angler mit nach Hause nehmen. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder.
3000 Euro für 2500 Karpfen
Etwa 3000 Euro haben die Fische gekostet. Die 2760 Barnimer Angler des Bereiches Eberswalde habe dies mit ihren Mitgliedsbeiträgen an den Deutschen Angelfischerverband e.V. (DAFV) mitfinanziert. Eigentlich sollten die gelieferten Karpfen kleiner sein. „Aber mit diesen 2500 Prachtexemplaren sind wir auch zufrieden. Die werden sich hoffentlich bei uns wohlfühlen. Bis wir sie am Haken haben“, lächelt Settekorn.


