Claudia Adler, Leiterin der Eberswalder Hochschulbibliothek auf dem Stadtcampus, nimmt die Schriftrolle aus der Hülle und zieht sie vorsichtig auseinander. "Es handelt sich um ein Gastgeschenk japanischer Studenten", erläutert sie. Um es vollständig zu zeigen, sind zwei Armlängen bei weitem zu wenig. Zehn Meter lang ist die handbeschriebene und reich illustrierte Papierbahn – ein Lehrbuch über Holzeinschlag und Flößereitechniken im Japan des 19. Jahrhunderts.
Ihr Entstehen lässt sich den Bibliotheksmitarbeitern zufolge nicht genauer datieren. Sicher ist aber: Sie ist einer der Schätze, die die Einzigartigkeit der Hochschulbücherei begründen. Mancher Band ist in keiner anderen Bibliothek mehr zu finden. Und auch das Alter einiger Werke macht sie besonders. Das älteste Buch widmet sich unter anderem der Most- und Weinherstellung und ist im Jahr 1531 erschienen.
Insgesamt hat die Bibliothek der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) zirka 175 000  Medien in ihrem Bestand. Dazu kommen rund 400 E-Books, 295 laufende Zeitschriften auf Papier und 55 Online-Zeitschriften. Die Nutzer, zu denen die etwa 2100 Studierenden sowie HNE-Mitarbeiter, aber auch zirka 450 Menschen, die nicht der Hochschule angehören, zählen, können für ihre Recherchen zudem sieben Datenbanken nutzen.
Im modernen, nunmehr 20 Jahre alten Bibliotheksneubau mit der bedruckten Fassade, den das auch für die Hamburger Elbphilharmonie verantwortlich zeichnende Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen hat, können freihand etwa 50 000 Medien ausgeliehen werden. Der weitaus größere Teil, vor allem der historische Bestand, ist jedoch im Magazin untergebracht. Die meisten Werke dort können in der Bibliothek eingesehen werden. "Mit nach Hause nehmen kann man grundsätzlich nur, was jünger als 100 Jahre ist", sagt Bibliothekschefin Adler.
Zu den Büchern, die normalerweise unter Verschluss stehen, gehören solche, die die persönliche Signatur von Wilhelm Pfeil, dem Begründer der Eberswalder Forstakademie, tragen. Seine Privatbibliothek war 1844 angekauft worden und bildet den Grundstock der heutigen Hochschulbibliothek. Besondere Objekte hat die Bibliothek zudem mit dem historischen Fundus der Hochschule übernommen, in dem allein mehr als 10 000 Fotos und Bilder zu finden sind.
Bücherflohmarkt im November
Eindruck machen auch Bände mit handkolorierten Darstellungen wie etwa von vielfarbigen Schmetterlingsarten im "Natursystem aller bekannten in- und ausländischen Insekten" von 1783 oder die handschriftlich festgehaltenen "Morgenländischen Forstbeschreibungen" in 17 Bänden. Bei den 1780 und 1781 angefertigten Schriften handelt es sich um die älteste Dokumentation forstlicher Besitzverhältnisse in Preußen. Das wohl dickste Buch hingegen ist ein "Umständlicher Bericht und klarer Unterricht von dem Adelichen Land- und Feldleben" von 1701. Allein Band eins umfasst 854 Seiten – ohne das umfängliche Register.
Nach ihren ganz persönlichen Schätzen können Besucher der Hochschulbibliothek demnächst wieder beim Bücherflohmarkt stöbern. Vom 11. bis zum 22. November verkauft die Bücherei Ausgemustertes und Spenden, darunter auch Romane. Geöffnet ist sie in der Vorlesungszeit montags bis freitags von 9 bis 22 Uhr.