Zehn Urenkel hat Margarete Hildebrand. „Aber verstreut in ganz Deutschland. Gesehen habe ich sie alle noch nicht – nur per Whatsapp“, berichtet die 85-jährige Pro-Seniore-Bewohnerin. Vor zweieinhalb Jahren sind die im Erzgebirge gebürtige Bernauerin und ihr 93 Jahre alter Mann in ein Zwei-Zimmer-Apartment der Joachimsthaler Altersresidenz gezogen. Kinderbesuch ist in der Einrichtung, die stationäre Pflege, aber auch betreutes Wohnen anbietet, selten, erst recht in der Pandemie.

Kinderbesuch beglückt alle im Haus

Nicht nur für Hildebrands war da eine Begegnung mit den Kindern vom evangelischen Waldkindergarten Ende der vergangenen Woche ein willkommenes Aufeinandertreffen mit der jüngsten Generation. „Das war eine gute Idee“, sagt Margarete Hildebrand, die als Vorsitzende des Bewohnerschaftsrates auch für ihre Altersgenossen bei Pro Seniore spricht. „Kinder hier – das freut doch alle, auch wenn es manche gibt, die es vielleicht gar nicht so wahrnehmen können.“

Templiner Rockmusiker Uwe Kolberg singt jede Woche für die Bewohner

Im Speisesaal mit den großen Fenstern zum Hof sind die Lautsprecherboxen aufgebaut. Unmittelbar davor steht ein doppeltes Partyzelt, unter dessen Dach die Kitakinder Winterlieder singen – an der Gitarre begleitet von Rockmusiker Uwe Kolberg aus Templin, der hier solo wöchentlich einen Mix aus Volks- und Jahreszeitenliedern und dem einen oder anderen Schlager darbietet.

Wohlfühl-Bilder sollen auch später noch gute Laune machen

Ein kurzer Besuch und doch ein Ereignis, das den Residenzbewohnern nachhaltig gute Laune machen soll. Anfangs sind die Fenster weit geöffnet, doch trotz dicker Jacke wird es im Saal bei den ungewohnten Eisgraden manchem schnell zu kalt. Nach zwanzig Minuten müssen auch die Kinder wieder los, lassen aber zahlreiche „Gute-Laune-Bilder“ da.
Die „Wohlfühlbilder“, wie sie Kitaleiter Norman Neubacher auch nennt, sind in den zurückliegenden Tagen entstanden – unter dem Einsatz prächtig-kräftiger Farben und mit der Absicht, die vielfältigen Ideen der Kinder sichtbar werden zu lassen „und einfach auch den Bewohnern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“. Manche erzählen ganze Geschichten, verraten Titel wie „Das Zauberhaus“, „Das Boot auf Rädern“ oder „Der bunte Regen“.

Weiteres Pflegeheim bekommt ebenfalls Besuch von Patenkindern

Initiiert hat die Begegnung auf Abstand Joachimsthals Bürgermeister René Knaak-Reichstein (CDU). „Die Kinder waren schon so lange nicht mehr hier und wollten mal wiederkommen“, sagt er. Auch die Vivatas-Seniorenwohnanlage in der Schorfheidestadt soll wieder Kitakontakt haben – dort mit der städtischen Kita „Kinderglück am Heidereiter“.

Kinder lernen bei den Betagten, offener auf andere zuzugehen

Pro Seniore-Residenz unterhält der mit 70 Plätzen kleinere evangelische Waldkindergarten seit Langem eine Patenschaft. Zu Ostern, Weihnachten und anderen Anlässen gibt es regelmäßig gemeinsame Aktionen – zu gewöhnlichen Zeiten jedenfalls und dann im direkten Kontakt. Beispielsweise werde gemeinsam gebastelt, berichtet Neubacher. Auch die Kinder würden davon profitieren. „Manche haben doch im Alltag wenig Kontakt mit Älteren und wir merken, dass sie so lernen, offen auf andere zuzugehen.“ Doch inzwischen seien sie seit einem Jahr nicht mehr dagewesen.

Strenge Regeln zugunsten der 110 Bewohner

Rund 110 Menschen leben aktuell in der Einrichtung, davon 80 in den Pflegezimmern, ein kleinerer Teil in den 25 Apartments für betreutes Wohnen. Für sie alle solle das Leben im Haus auch in der Pandemie so vielfältig und normal wie möglich weitergehen, sagt Residenzleiterin Anja Ley (37).
Dafür sind die Regeln streng. Bewohner dürfen im Haus aufs Masketragen verzichten, die Mitarbeiter – rund 70 sind hier in der Pflege tätig – hingegen arbeiten ausschließlich unter FFP2-Schutz. Jeder, der von außen kommt, wird getestet, auch die Bewohner selbst etwa vor oder nach Arztbesuchen. „Je disziplinierter die Mitarbeiter, umso mehr Freiheiten haben die Bewohner“, so Ley, die auch stolz über eine vergleichsweise hohe Impfquote im Haus ist. Sie liege bei 90 Prozent. Bislang habe die Wohnanlage keinen einzigen Coronafall registriert, weder unter den Pflegekräften noch unter den betreuten Senioren.
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