Die Zeit am Telefon ist knapp. Rahmana Dziubany hat gleich eine wichtige Verabredung im Internet. „Zur Zeit bin ich nonstop im Interview“, sagt sie – und ist damit zumindest virtuell weltweit unterwegs.

Singen über Grenzen hinweg

In Schottland, Schweden, den USA, Deutschland und anderen Ländern sitzen ihre Gesprächspartner und, überwiegend, -partnerinnen. Unter ihnen sind die palästinensisch-israelischen Sängerinnen Meera Eilabounie und Diane Kaplan, die über Grenzzäune hinweg gemeinsam mit vielen anderen Frauen Friedenslieder singen, Swatina Wutha, eine junge Tänzerin und Schauspielerin mit Downsyndrom, ein indischer Eremit sowie die Tochter eines führenden Naziwissenschaftlers, die selbst zur Friedensarbeiterin wurde.

Schlüsselfiguren, die etwas zur globalen Krise zu sagen haben

Alles Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensmodellen, die die 60-Jährige selbst als langjährige Wegbegleiter, Freunde oder Inspirationsquelle bezeichnet. „Für mich sind sie Schlüsselfiguren, die etwas zu sagen haben zu dieser globalen Krise um Corona“, erklärt die Golzowerin.
Die zehn besonderen Lebensgeschichten in den Interviews sind Teil einer Veranstaltung im Mai, die Rahmana Dziubany derzeit organisiert. Stattfinden soll das virtuelle Wochenende mit internationalen Dozenten aus Kultur und Religion über Begegnungen im Internet, teilweise vor der Kulisse des großen Gartens hinter dem alten Pfarrhaus, das sie seit 2002 bewohnt und zum Gäste- und Seminarhaus „Ananda“ gemacht hat. Unter dem Titel „Treffen der Wege“ soll es darum gehen, Antworten und Einsichten in alten Traditionen und neuen Visionen weltweit zu finden – um große, ungelöste Fragen der Gesellschaft.

Theoretisch wäre das Seminarhaus ausgebucht

Ungelöst ist für Rahmana Dziubany unterdessen auch die Frage um ihre eigene Existenz. „Dieses Jahr ist fast ausgebucht – aber es ist ja alles Theorie“, sagt die Ausbilderin und Dozentin für heilpädagogischen Tanz sowie für Friedenstanz. Ihre Wirkungsbereiche seien fast komplett weggebrochen – von den eher spirituellen Angeboten auf internationaler Ebene bis hin zur Bildungsarbeit in der Region.

Zwei Standbeine weggebrochen

Drei Standbeine unterhält die Leiterin des Hauses, das in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein nicht zuletzt auch als Begegnungszentrum im Ort fungiert. Eines ist das Institut für Tanz und Friedenskünste. In gewöhnlichen Zeiten mache es finanziell gesehen etwa ein Viertel ihrer Arbeit aus, Tänze aus allen Weltkulturen weiterzugeben, sagt die Tanztherapeutin. Normalerweise kommt Besuch aus sämtlichen Ecken des Erdballs und die gebürtige Rheinland-Pfälzerin ist selbst in vielen Ländern unterwegs.

Burnout-Prophylaxe und Arbeit mit Kindern

Außerdem betreibt Dziubany den Verein Bildungswerkstatt Berlin-Brandenburg, den sie für regionale Kulturarbeit gegründet habe. Burnoutprophylaxe für Menschen in sozialen Berufen, Schulungen pädagogischer Teams, aber auch die Arbeit mit Golzower Kindern laufe unter der Trägerschaft.
Den größten Anteil aber, etwa zwei Drittel, mache der Gästebetrieb ihres Hauses aus, sagt die Betreiberin. Fast jedes Wochenende sei es für gewöhnlich belegt, mit Gruppen, die ihre eigenen Kurse mitbringen, meist in Bereichen wie Yoga, Kultur, Therapie oder Umweltschutz. Mit Innen- und Außenvermietung fänden bis zu 23 Gäste Platz, Gruppen kämen meist mit etwa 15 Personen. Doch nun darf seit Langem niemand ins Haus. Zur Zeit laufe fast nur noch die Institutsarbeit, „alles virtuell“.

Fürs Hausteam gibt es nichts zu tun

Für Dziubanys festes Hausteam, zu dem sie vier Leute zählt, und weitere acht, die wechselnd überwiegend auf Honorarbasis im Einsatz sind, gibt es keine Arbeit. Lediglich eine Assistentin, deren Stelle für zwei Jahre von der EU und vom Land als Innovationscoach gefördert werde, sei in Kurzarbeit da, um die Buchungen und Stornierungen zu bearbeiten.

Kein finanzielles Polster

Mehr als 3000 Euro – Versicherungen, Strom-, Heiz- und Lohnkosten – fielen monatlich an Grundausgaben für das Haus an. Ein finanzielles Polster habe sie nicht. Nicht alle Coronahilfen habe sie erhalten, zudem reiche dieses Geld nur, um offene Rechnungen zu begleichen, berichtet Rahmana Dziubany. „Ich halte mich jetzt mit Hartz IV über Wasser und von meinem Überziehungskredit.“
Sich beklagen oder gar Mitleid einholen will die Anhängerin des Universellen Sufismus, einer weltweiten Bewegung mit Hauptsitz in Amerika, der Menschen jeglicher Religionen angehören, aber nicht. „Ich kann mir das einfach überhaupt nicht vorstellen, dass ich hier dichtmachen muss“, sagt sie.

Hoffnung auf Spenden

Mit der Vorbereitung des Wochenendes mit Tänzen, heilsamen Übungen, Musik und Austausch hat sie sich in Arbeit gestürzt. Sie hoffe, sich nach dem Seminar wieder aus dem Hartz-IV-Bezug verabschieden zu können. Organisiert sei es als Fundraising-Projekt, auf der Basis von Spenden für den Erhalt des Hauses sowie zugunsten von Dozenten, die von der Krise betroffen sind.

Anmeldungen bislang aus 13 Ländern

„Die Resonanz gibt mir Auftrieb“, sagt Rahmana Dziubany. Für die 100 Online-Plätze gebe es bereits 53 Anmeldungen aus 13 Ländern. „Sicherlich ist es keine Mainstream-Veranstaltung, aber vielleicht etwas für Menschen, die meditieren“, lädt sie auch Teilnehmer aus der Region ein.
Unter den Dozenten ist Dziubany zufolge der US-Amerikaner Neil Douglas-Klotz der bekannteste Vertreter ihrer Meditationsschule. Geplant ist das Wochenende unter dem Titel „Treffen der Wege – Begegnungen mit Weisheitslehrer*innen aus aller Welt“ vom 7. bis 9. Mai.
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