Corona-Krise: Barnimer Läden klagen über fehlende Hilfe der Sparkasse

Mit Abstand: Frank Chmielecki berät eine Kundin, der Betrieb läuft.
Andrea LinneBisher hat sich die Sparkasse Barnim, bei der sie Kundin ist, nicht kulant gezeigt, berichtet die Wandlitzerin. „Mir wird die Genehmigung der Überziehung meines Firmenkontos um 30 Tage erlaubt. Sobald ich nicht ausgleichen kann, beginnt das Mahnverfahren und damit für mich die Insolvenz“, ist die junge Frau, die vor zweieinhalb Jahren aus einer persönlichen Krisensituation heraus mit dem Projekt Buchladen begonnen hatte, ratlos. Die Waren, die eintreffen, müssen innerhalb von zwei Monaten bezahlt werden. „Mir fehlen 5000 Euro, um über die Runden zu kommen. Mit meinem Vermieter bin ich ebenfalls im Gespräch“, berichtet Melanie Brauchler.
Sie gehört zu den knapp hundert Gewerbekunden der Sparkasse Barnim, die seit der vergangenen Woche um Hilfe ersucht haben. Uwe Riediger, Vorstandsvorsitzender des Kreditinstituts, hat 100 000 Kunden und 15 000 Gewerbekunden im Blick. Es müsse verantwortungsvoll entschieden werden. „Was nützt ein Dispokredit, der dann nicht wieder auszugleichen ist?“, fragt er. Der Bernauer weiß um die Sorgen der Kundschaft, verweist aber vor allem auf die Liquiditätshilfen, die vom Land für kleine und mittlere Unternehmen zur Verfügung stehen sollen.
Das Soforthilfeprogramm greift in Brandenburg über die Investitionsbank des Landes Brandenburg und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Allerdings hat noch keiner in Brandenburg einen Antrag in Händen, um auch das Kleingedruckte zu lesen. Zumindest lässt sich schon einmal auf der Sparkassen-Website nachlesen, welche Antragsunterlagen für einen KfW-Kredit beizubringen sind. Das sind neben einer Bilanz von 2018, eine kurze schriftliche Beschreibung der Auswirkungen der Pandemie auf das Unternehmen, Einnahmen- und Überschuss-Rechnungen sowie die Ermittlung des Kreditbedarfs für die kommenden zwölf Monate. Bisher gibt es noch keine Kredite ohne Eigenleistung. „Ein Kredit hilft mir nicht“, stellt daher Melanie Brauchler klar. Sie hat keine Einnahmen, der Eigenanteil der Lohnkosten am Kurzarbeitergeld ist von den Unternehmern zu tragen. Nichtsdestotrotz, so Riediger: „Wir schieben Überziehungen nur vor uns her, das hilft niemandem.“ Er rät, mit dem Finanzamt Kontakt aufzunehmen, um Vorauszahlungen herabzusetzen. In Bayern werden kurzfristig sogar bereits eingegangene Zahlungen rücküberwiesen. So eine Regelung gibt es in Brandenburg aber noch nicht. Fachleute gehen davon aus, dass die Bundesländer nachziehen werden.
Wer Kredite verlängert, muss aktuell mehr Zinsen bezahlen. Die Sparkasse Barnim will Tilgungsraten ohne Gebühren aussetzen. Dazu muss aber jeder Kunde selbst den Kontakt zu seinem Berater suchen: Telefon 03334 2000.
Aktuell sind fast alle der 320 Mitarbeiter im Einsatz, teils im Homeoffice. Alle 15 Geschäftsstellen haben geöffnet. Allerdings beginnt am 1. April ein neuer Ansturm, wenn Arbeitslosengeld-II ausbezahlt wird und Renten überwiesen sind. „In einer ersten Welle haben sich viele Leute ihr Erspartes geholt, aber das Geld ist sicher, die Automaten immer gefüllt“, beruhigt Riediger.
Der Linke Landtagsabgeordnete Sebastian Walther sagt: „Die Sparkasse Barnim ist als öffentliche Bank aufgefordert, unbürokratisch und schnell Hilfen zu ermöglichen. Die Sparkasse ist in der Verantwortung.“ Einige Kreistagsabgeordnete, auch von Linke und Bündnisgrünen, fordern schnelle Hilfen im Barnim.