Er wird schnell heiß und hält die Hitze anhaltend. So lange, dass die ersten Brote herausgezogen werden mussten, als sie außen mehr als knusprig, innen aber noch feucht waren. Die erste Pizza ist verbrannt. „Sie war noch genießbar, aber wir müssen üben“, sagt Andrea Teichert.
Gemeint ist der Holzbackofen vom Begegnungszentrum Lunow. Gelegenheit ihn auszuprobieren, gab es kaum. Ende Oktober wurde die halboffene Feuerstelle eingeweiht. Seither blieb der neue Treffpunkt mit Tisch und Bänken lockdownbedingt überwiegend ungenutzt.

Dennoch ein „Lichtblick in Corona-Zeiten“

Abgesehen davon, ganz fertig ist er auch noch nicht. Eine Überdachung ist in Arbeit. Zurzeit werden Bretter angestrichen. „Dieser Holzbackofen ist ein solcher Lichtblick in Corona-Zeiten“, findet die 53-jährige Gymnasiallehrerin, die ehrenamtlich nicht nur als Ortsvorsteherin, sondern auch als Vorsitzende des Sportvereins und des Begegnungszentrums die Geschicke des Dorfes lenkt, in doppelter Hinsicht: Zwar ist in Lunow nun alles dicht, selbst die Sporthalle. „Aber die Leute sehen, es entstehen auch noch neue Dinge“, betont Andrea Teichert.

Partner-Ofen im polnischen Cedynia

Außerdem ist der Ofen das Herzstück eines neuen Vereinsprojektes, das die Kontakte ins nahegelegene Cedynia über die Corona-Krise hinwegretten soll. Parallel zum Lunower Bauwerk entstand ein Partner-Ofen in der polnischen Kleinstadt. Zum gemeinsamen Planen, Bauen und Backen traf man sich, begleitet von einer Dolmetscherin, per Videochat.

Luftlinie: nicht einmal zehn Kilometer

Per Luftlinie sind Lunow und Cedynia nicht einmal zehn Kilometer voneinander entfernt. Auf den Straßen über die Grenze hinweg ist die Distanz länger. Corona hat sie noch einmal vergrößert. Gemeinsame Aktionen – Hip Hop- und Breakdance-Camps für Jugendliche, Ernte-, Weihnachts- und Sportfeste – die seit Jahren stattfanden, fielen 2020 aus.

Alternative für eine Zeit ohne große Veranstaltungen

Nicht nur deshalb suchten Andrea Teichert und ihre Mitstreiter vom Verein Begegnungszentrum Lunow nach Alternativen. „Wir müssen ja auch zusehen, dass wir dieses große Objekt durch diese Zeit bringen“, sagt sie. Trainingslager, Workshops, Familienfeiern, Feriencamps – seit 15 Jahren betreibt der Verein das Haus, einen DDR-Plattenbau mit kleiner Sporthalle, der als Schule 2002 geschlossen wurde.

Projekt startete im August 2020

Das neue länderübergreifende Projekt unter dem Titel „Digitaler Austausch in Kultur und Sport in der Fremdsprache“ läuft seit August. Auf polnischer Seite organisiert das Zentrum für Kultur und Sport Cedynia, das schon vielfach Partner war, den Austausch.

In Lunow machen Kinder und Jugendliche mit

Zwischen zehn und 15 Leute jeweils auf deutscher und polnischer Seite seien bei den nach Möglichkeit wöchentlichen Videotreffen der drei Projektgruppen dabei, sagt Andrea Teichert. Unter den Lunowern seien es Teilnehmer zwischen sechs und 15 Jahren sowie Senioren. Dass Kinder und Jugendliche mitmachen können, unterstütze zusätzlich der Internationale Bund (IB), der in Britz-Chorin-Oderberg die Jugendarbeit organisiert.

Drums Alive: Trommeln auf Gymnastikbällen

Hauptsächlich gefördert wird das Ganze mit EU-Mitteln aus einem Topf für kleinere Projekte in der Euroregion Pomerania, speziell der Grenzregion Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg sowie Polen. Von dem in Aussicht gestellten Geld, das nach Abschluss des Vorhabens fließen soll, haben die Partner Technik und Materialien angeschafft. Neben dem großen Fernseher für die Videoübertragungen, einer Kamera und Baustoffen etwa Trommelstöcke: Außer den zwei Holzbacköfen bringen Bastelarbeiten sowie der neue Fitnesstrend Drums Alive – einer Art Trommelgymnastik auf Sitzbällen – die Mitstreiter von hüben und drüben digital zusammen.

Youtube Drums Alive in Cedynia

Der Tanz mit Bällen diene den Teilnehmern nicht nur als Freizeitgestaltung, sagt Dolmetscherin Jadwiga Migdalska fürs Kulturhaus Cedynia. Er entwickele auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der polnischen Gruppe sowie im deutsch-polnischen Team. „Unsere Gruppen arbeiteten wunderbar zusammen. Wir warten ungeduldig auf die Fortführung“, sagt die Polin.

Pandemie zwingt beide Seiten in die Pause

Genutzt worden sei immer die Zeit zwischen den Lockdowns. „Manchmal war es so, dass wir etwas machen konnten und die Teilnehmer auf polnischer Seite sich nicht treffen durfte, dann wieder andersherum“, berichtet Andrea Teichert. Von den insgesamt 32 geplanten digitalen Treffen habe man bislang 20 realisieren können. Im Moment zwingt die Pandemie allerdings beide Seiten in die Pause.

Ausgehöhlte Brote mit polnischer Suppe

Aber auch nach der Corona-Krise, davon geht Lunows Ortsvorsteherin aus, werden alle noch viel von dem Projekt haben. Dann könne die einheitlich einstudierte Sportshow, das Fitnesstrommeln, gezeigt und der Holzbackofen im großen Kreis genutzt werden.
Wenn es per Video wieder weitergehen kann, sollen erst einmal gemeinsam Rezepte ausprobiert werden: ausgehöhlte Brote gefüllt mit polnischer Suppe.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.