Ein bisschen habe sie das gute Stück immer an die Weltzeituhr erinnert, sagt Pfarrerin Sabine Müller. Jedes der vier Ziffernblätter der Kirchturmuhr in der Mitte Groß Schönebecks zeigte eine andere Zeit an – keine allerdings war richtig.

Berliner Glockenbauer hat die Uhr auf den Stand der Zeit gebracht

Das hat sich in den zurückliegenden Wochen geändert. Dank einer Crowdfunding-Kampagne im Internet, mit der der Bürgerverein Groß Schönebeck eine große Spendensammlung angestoßen hat, tickt die Kirchturmuhr wieder richtig. Die Modernisierung mit Umstellung auf Funkbetrieb hat der Zeitmesser bereits hinter sich. Ein Berliner Glockenbauer hat ihn repariert und elektronisiert.

Stundenschlag zur vollen Stunde zwischen 7 und 22 Uhr

Ab Sonntag sollen die Groß Schönebecker dann auch wieder wissen, was die Stunde schlägt, zumindest zwischen 7 und 22 Uhr. Nach einem Friedensgottesdienst werde der Stundenschlag der Turmuhr feierlich in Betrieb genommen, sagt Pfarrerin Müller, die sich bereits vom Klang – „verhalten, schön“ – überzeugt hat. Ein Dankeschönfest für alle Spender solle es dann, „so Corona es zulässt“, im kommenden Frühjahr geben.

Spenden über 11.000 Euro sind zusammengekommen

„11.000 Euro sind zusammengekommen – das ist überwältigend“, bedankt sie sich beim Bürgerverein. „Wenn der Verein nicht gesagt hätte, wir geben was dazu, hätten wir das nicht angehen können“, so die Kirchenfrau. Außer den Kosten forderten gerade mehrere Baustellen die Kirchengemeinde heraus, das Gemeindehaus etwa oder dringend notwendige Sanierungsarbeiten am Kirchgebäude.

Bürgerverein gibt außerdem 1000 Euro dazu

„Die 1000 Euro vom Bürgerverein sind in dieser Summe noch gar nicht enthalten“, sagt Vereinschef Jörg Mitzlaff. Außer dem Verein hatten auch der Ortsbeirat und die Kirchengemeinde jeweils 1000 Euro zugesagt, falls die Crowdfunding-Kampagne im Internet Erfolg haben sollte. Im Juni hatte der Verein die Spenden-Aktion auf der Plattform startnext gestartet. Bis September gingen Online-Spenden über fast 2200 Euro ein. 25 Unterstützer haben sich auf der Plattform eingetragen.

Etwa jeder Dritte im Dorf könnte gespendet haben

Mitzlaff zufolge haben sich an der Spendensammlung insgesamt aber weitaus mehr Menschen beteiligt, „etwa jeder Dritte im Dorf“, schätzt er. Spenden seien zudem nicht nur aus dem eigenen 1700-Seelen-Ort eingegangen, sondern aus dem gesamten Schorfheider Gemeindegebiet. Darüber hinaus füllten sich Spendendosen in drei Geschäften in Groß Schönebeck. So kamen beim Bürgerverein mehr als 5400 Euro an Einzelspenden an. Auch das Pfarramt direkt habe Spenden entgegennehmen können, rund 1500 Euro.

Ein bisschen Luxus: eine Funkfernbedienung

Alles in allem Geld, das nicht nur für die Reparaturen reichte. „Wir konnten uns sogar ein bisschen Luxus leisten“, sagt Sabine Müller. So gebe es für die Uhr nun eine Funkfernbedienung. Knappe 6000 Euro habe die Modernisierung der Uhr gekostet.

Aufstieg zu gefährlich, Zimmerer repariert Turmtreppe

Auch die Spendensumme, die darüber hinaus zusammenkam, werde aber Verwendung finden. „Im Zuge der Reparaturarbeiten haben wir festgestellt, dass die Treppe zur Turmuhr in einem gefährlich maroden Zustand ist“, sagt Groß Schönebecks Pfarrerin. Damit Schul- und Kindergartenkinder sowie Touristen den Turm weiterhin besteigen können, soll ein Zimmerer mit der Ausbesserung beauftragt werden. Außerdem werde Geld für die Wartungsarbeiten an der Uhr aufgespart.

Kirchenfenster und -türen sind im nächsten Jahr dran

Auch für das, was noch kommt, habe die Aktion des Bürgervereins sie zuversichtlich gemacht, sagt Sabine Müller. Im kommenden Jahr werde die Gemeinde am Kirchgebäude selbst weiter bauen, versichert sie. „Wir sind in das Förderprogramm des Staat-Kirche-Vertrages aufgenommen worden und wollen endlich die maroden Fenster und Türen der Kirche erneuern sowie kleinere Putzarbeiten vornehmen.“ Für die Orgel und Innenmalereien jedoch werde es keinerlei staatliche Förderung geben. „Also würden wir Sie gerne in zwei bis drei Jahren nochmal ansprechen“, blickt die Theologin voraus.

Kirchturmuhr 1830 vom Königlichen Stadt- und Hofuhrmacher Möllinger erbaut

Für die Kirchturmuhr war es die dritte Modernisierung. Gebaut haben soll sie 1830 der Königliche Stadt- und Hofuhrmacher von Berlin Eduard Möllinger. Im Jahr 1881 soll sie erstmals überholt worden sein. In den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts hatte der Groß Schönebecker Dieter Müller einen Großteil der Mechanik nachgebaut und sie auch mit einem Motor für den Stundenschlag versehen.

Stundenschlag erklingt im Anschluss an Friedensgottesdienst am Sonntag

Seit wann der Stundenschlag nicht mehr zu hören war, daran kann sich im Bürgerverein und unter den Kirchenverantwortlichen keiner mehr so richtig erinnern. Am Sonntag wird der erste Stundenschlag voraussichtlich elf Schläge umfassen. Der Friedensgottesdienst am 8. November, an dessen Anschluss er erklingt, beginnt um zehn Uhr.