DDR-Kunst
: Stadtmuseum holt DDR-Kunst aus dem Archiv

Ein sieben Meter breiter Wandteppich ist das Sahnestück der Sonderausstellung im Eberswalder Museum.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
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  • Jazz vor rotem Finowtal: Uschi Brüning und Susanne Betancor sorgen gemeinsam mit Christian von der Goltz am Klavier und Martin Klingeberg, hier mit Trompete, für die Musik. Hinter ihnen hängt ein in den 70ern gefertigter Wandteppich.

    Jazz vor rotem Finowtal: Uschi Brüning und Susanne Betancor sorgen gemeinsam mit Christian von der Goltz am Klavier und Martin Klingeberg, hier mit Trompete, für die Musik. Hinter ihnen hängt ein in den 70ern gefertigter Wandteppich.

    Thomas Burckhardt/MOZ
  • Gemälde und Skulpturen: Besucher spazieren am Eröffnungsabend durch die Ausstellung unter dem Museumsdach.

    Gemälde und Skulpturen: Besucher spazieren am Eröffnungsabend durch die Ausstellung unter dem Museumsdach.

    Thomas Burckhardt/MOZ
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Heute kein Sprechtag

Wie viele der Werke von DDR-Künstlern landete der Wandteppich über die Jahre in Museumsdepot und Kreisarchiv. Nun wurde dieser Schatz wieder gehoben. Die Sonderausstellung "Kunst von hier. Entdeckt in Stadt- und Kreisarchiv“ zeigt lange Zeit aus der Öffentlichkeit verschwundene Skulpturen, Gemälde und andere Kunstobjekte.

Es soll der von Eberswaldes Kulturdezernent Jan König am Eröffnungsabend beschriebene „Extra-Kick“ sein, den mancher vielleicht braucht, um das Museum der Stadt zu besuchen. Thematisch passend zum 30. Jahr des Mauerfalls stehen Künstler der Region und ihre zwischen 1949 und 1990 entstandenen Werke im Mittelpunkt. Etwa die Hälfte aus dem Museumsdepot, die andere aus dem Kreisarchiv. Wobei manche Werke wiederum gar nicht im Verborgenen schlummerten. „Einige Bilder hingen in den Verwaltungsräumen des Kreishauses. Auch einige Skulpturen waren dort ausgestellt“, verrät Anne Dannehl von der Kulturverwaltung des Landkreises.

Schon vor 50 Jahren als Zierde für die Wand im damaligen Rat des Kreises gekauft, wurden zwei Bilder des Eberswalder Künstlers Eckhard Herrmann. „Die hatte ich eigentlich für mich selbst, nicht im Auftrag von jemandem gezeichnet“, erzählt er. Auf einem karikiert Herrmann seine Großtanten bei einer abendlichen Geburtstagsrunde. Auf dem zweiten versperrt ein dicker Beamter die Bürotür. „Heute kein Sprechtag“ heißt die Lithografie von 1974. Warum gerade dieses Motiv Anklang fand und was die Behörde dafür ausgab, kann der Künstler am Eröffnungsabend nicht mehr sagen.

Über dem Sofa

Ganz billig jedenfalls wird es für den Kreis auch mit der neuen Sonderausstellung nicht. Trotz des Rückgriffs auf Werke aus dem eigenen Bestand fielen Kosten für ihre Restaurierung an. Wohl am aufwändigsten gestaltete sich diese für den eingangs erwähnten Teppich aus dem Eberswalder Museumsdepot. Um fachmännisch gereinigt zu werden, reiste er bis nach Sachsen-Anhalt. 2700 Euro fielen an. Damit sich das lohnt, wird fürs „Rote Finowtal“ noch ein prominenter Platz für die Zeit nach der Sonderausstellung in einem Jahr gesucht.

Preiswerter dürfte sich die Idee „Kunst über dem Sofa“ gestalten. In einer Ecke des Dachgeschosses hängen über besagter Sitzgelegenheit im steten Wechsel Werke aus dem Bestand von Einwohnern als Leihgabe. Wer DDR-Kunst zuhause hat und diese zeigen möchte, kann sich ans Museum wenden. Elf Werke sind bereits eingegangen.