Denkmalschutz
: Berliner möbelt Alte Post in Eberswalde wieder auf

Kristian Raue verwandelt die einstige Paketannahme in einen neuen Ort. Jetzt wurden die ersten Bereiche eröffnet.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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  • Vergangenheit trifft Zukunft: Kristian Raue, der neue Hausherr, und Imke Harders am Tresen des Cafés. Die alte Postfachanlage hat der Berliner nicht nur erhalten, sondern gekonnt in die neue Nutzung einbezogen.

    Vergangenheit trifft Zukunft: Kristian Raue, der neue Hausherr, und Imke Harders am Tresen des Cafés. Die alte Postfachanlage hat der Berliner nicht nur erhalten, sondern gekonnt in die neue Nutzung einbezogen.

    Andreas Gora
  • Hinterhaus mit Potenzial: die markante, schmuckvoll gestaltete Fassade der alten Post

    Hinterhaus mit Potenzial: die markante, schmuckvoll gestaltete Fassade der alten Post

    Andreas Gora
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Der Videoproduzent Kristian Raue hat das Hinterhaus mit Pozential an der Eisenbahnstraße 101 nach Monaten des Dornröschenschlafs aus selbigem erweckt. Am Sonntag feierte der Berliner, der in Eberswalde einen Garten bewirtschaftet, für die ersten Bereiche Eröffnung. Café und Event Space sind fertig. Weiteres, darunter eine Bar, soll folgen.

Hin und wieder „verirre“ sich schon noch ein Postkunde auf den Hof und erkundige sich nach einem Postbank-Automaten, ver-riet Raue, der seit April vorigen Jahres dem Gebäude mit dem markanten Schaugiebel neues Leben einhaucht. Und dabei selbst Hand angelegt hat. Wobei er zwischendurch auch ans Aufgeben dachte, wie der 39-Jährige gestand. Sein Kompagnon, mit dem zusammen er das Gebäude ursprünglich gemietet hat, sei abgesprungen, dann gab es auch noch einen Baustopp, beschrieb der neue Hausherr nur zwei Schwierigkeiten.

Gleichzeitig habe er aber auch Kooperation, Begeisterung, Unterstützung und „viel positive Energie“ erlebt und erfahren. Was beflügelte. „Es ist so spannend, eine Community aufzubauen“, schwärmte Raue. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda, aktuelle Baustellenberichte auf Facebook und die Nähe zur Hochschule hätten sich im Prozess „Leute gemeldet, die einfach helfen wollen“. Entweder mit Material oder mit Tatkraft. Wie zum Beispiel Pit und Richie sowie Imke und Lina. All den Engagierten dankte Raue. Erste (geschlossene) Veranstaltungen gingen bereits über die Bühne.

Raues Idee: Einen Ort kreieren, an dem Hochschule HNE und Stadt zusammenkommen. Weshalb eben nicht nur Studenten zur Zielgruppe gehören, sondern „genauso die Mutter mit Kind oder die Oma“. Das Café soll dieser Ort der Begegnung sein. Ein großer Veranstaltungsraum schließt sich an. „Wir werden eigene Veranstaltungen anbieten. Interessenten können sich aber auch einmieten. Ob für einen Yoga-Kurs, eine Tagung oder eine Firmenfeier. Vieles ist möglich“, so Raue.

Unter einem Dach

Im März sollen die Arbeiten für die zweite Etappe, die Arbeiten im Seitenflügel, beginnen. Im Coworking Space sollen Büros für unterschiedliche Ansprüche entsprechen. Raue spricht von vier geplanten Formaten – vom freien bis zum festen Arbeitsplatz oder Office. Perspektivisch könnten in dem Trakt auch Übernachtungsmöglichkeiten entstehen. Und das Kreativhaus, etwa mit einem Tonstudio.

Bereits sichtbar ist Raues gestalterischer Anspruch, Natur und digitale Welt zusammenzuführen sowie gleichzeitig vier Räume ganz unterschiedlichen Charakters zu schaffen.

Spannende Kontraste

Im Eingangsbereich trifft der Gast auf einen „Vertical Garden“, eine Art Mini-Dschungel. Die Hand des Hobby-Gärtners ist sichtbar. Im Café dürften sich die Besucher ein bisschen in DDR-Zeiten zurückversetzt fühlen. Mit Sprelacart-Tischen, einer typischen Lampe mit Glaskugeln  oder eben jenen Postfächern, die Raue nicht nur wegen des Denkmal-Status erhalten hat. Den Charme einer alten Landscheune versprüht der kleine Saal. Der große Veranstaltungsraum nebenan steht mit seinem Industrie-Stil im spannungsvollen Kontrast dazu.

„Das alles hat Atmosphäre“, findet Helga Thomé, die zu den ersten Gästen gehörte und vor allem von den Post-Requisiten angetan war. Jede Neueröffnung, jede Initiative sei unbedingt zu begrüßen. Erst recht im Bereich Gastronomie, eine Branche, die zuletzt im Oberbarnim mit Schließungen für Schlagzeilen sorgte.

Info: Café heute ab 8 Uhr geöffnet; Näheres unter www.altepost.haus.de

Denkmalgeschützte Hauptpost

Das Hauptpostamt an der Eisenbahnstraße 101 wurde 1890 bis 1892 nach Entwürfen des Postbauinspektors Wendt errichtet. Und zwar als zweigeschossiger roter Ziegelbau unter schiefergedecktem Steildach, aufgewertet durch zwei Risalite. 1905 wurde auf dem Hof ein kleineres Gebäude für die Paketabfertigung ergänzt. Dieses passte sich in seiner Architektur dem Hauptbau an. Die Schmalseiten zeichnen sich durch historisierende Schaugiebel aus. Das Ensemble insgesamt gilt als Beispiel für die damals häufige Gestaltung von Kommunalbauten im neogotischen Repräsentationsstil. ⇥Quelle: Museum Eberswalde