Echte Körper in Eberswalde
: Plastinierte Menschen – was Tote über das Leben lehren

In Eberswalde macht die Ausstellung „Echte Körper – von den Toten lernen“ Halt. Anhand von plastinierten Leichen wird den Besuchern die Anatomie des Menschen erklärt. Lohnt sich ein Besuch?
Von
Sven Klamann
Eberswalde
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Makaber oder lehrreich? In Eberswalde werden im Tourismuszentrum im Familiengarten plastinierte Leichen ausgestellt. Die Ausstellung "Echte Körper - von den Toten lernen" ist noch bis zum 24. März, 18 Uhr, geöffnet.

Sven Klamann

Es gibt keine Altersbeschränkungen und auch keine Führungen. Die Besucher der Ausstellung „Echte Körper – von den Toten lernen“ werden dennoch nicht gänzlich sich selbst überlassen. Im Tourismuszentrum des Familiengartens von Eberswalde gibt es beinahe noch mehr Erklärtafeln als Exponate.

„Mit billiger Effekthascherei haben wir nichts am Hut“, sagt Alina Richter, die für die Macher der Schau, die in Raduhn in Mecklenburg-Vorpommern ansässig sind, die Öffentlichkeitsarbeit koordiniert.

Sämtliche Körper stammen aus den USA

So werde bewusst darauf verzichtet, die aufwändig konservierten Verstorbenen in Posen zu zeigen. Viel mehr gehe es darum, anhand der umfangreichen wissenschaftlichen Sammlung von beinahe 200 didaktisch wertvollen anatomischen Exponaten, bestehend aus konservierten menschlichen Körpern, Skeletten, Gliedmaßen, Organen, Organblöcken, Funktionssimulatoren und Tastmodellen, medizinisches Wissen zu vermitteln.

Nicht berühren! Auch dieser Torso eines Verstorbenen wird bei der Ausstellung in Eberswalde gezeigt. Auf dem Körper finden sich Nummern, die zu Erläuterungen führen.

Sven Klamann

Sämtliche Körper, die in der Ausstellung gezeigt würden, kämen aus Michigan in den USA. Die meisten von ihnen seien bereits vor rund zehn Jahren präpariert worden, in dem ihnen alle Flüssigkeiten entzogen wurden. Ein Überzug aus Gel sorge dafür, dass die Exponate nahezu unbegrenzt haltbar wären.

Es gibt wohl kein Körperteil, das in der Schau ausgeklammert wird. Zudem werden die Besucher ermutigt, sich mit schwierigen Themen wie dem Weg zu und der Notwendigkeit von Organspenden auseinanderzusetzen. Oder sich am erschreckenden Beispiel anzusehen, welche Folgen Alkohol und Nikotin haben können.

Das sagen Besucher zum teuren Eintritt

Die Lehrstunde im Familiengarten von Eberswalde hat für die Besucher ihren Preis. Erwachsene zahlen happige 15 Euro Eintritt, Schüler, Auszubildende und Studenten 12 Euro, Kinder bis sechs Jahre fünf Euro.

Lohnt sich diese Ausgabe? „Auf jeden Fall“, findet Angelika Burger aus Finow, die ihre Schwester Birgit Pröchtel mitgebracht hat, die aus Nauen zu Besuch ist. „Die Exponate zeigen eindrucksvoll, welch Wunderwerk der menschliche Körper ist“, sagt Angelika Burger.

Auch Regine Stein und Reiner Bloß, beide aus Britz, bereuen es nicht, den teuren Eintritt bezahlt zu haben. „Solche Einblicke in das Innere gibt es sonst doch nicht“, urteilt die Besucherin.

Lebensecht, aber nicht mehr lebendig: In Eberswalde betrachtet René Perske aus Angermünde eine der plastinierten Leichen. Auf der Schautafel dahinter gibt es Infos zur weiblichen Brust und zum Brustkrebs.

Sven Klamann

„Ich staune nur darüber, dass selbst Kleinkinder in die Schau mitgenommen werden dürfen“, sagt René Perske aus Angermünde. „Mich fasziniert, was ich hier sehe. Doch so ganz ohne Schreckmomente sind manche Exponate nicht“, fügt der Besucher hinzu.

„Echte Körper – von den Toten lernen“ ist inzwischen seit mehr als zehn Jahren unterwegs. Auch in Eberswalde war die Ausstellung schon einmal aufgebaut – im Februar 2018 in der alten Kaufhalle an der Schönholzer Straße in Finow.